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Dem Betriebshof stinkt's gewaltig

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Oft ist es schlicht Bequemlichkeit: Müllsünder entsorgen ihren Abfall kurzerhand im Wald - eine Gefahr für die Umwelt.
Oft ist es schlicht Bequemlichkeit: Müllsünder entsorgen ihren Abfall kurzerhand im Wald - eine Gefahr für die Umwelt. © Gerrit Mai

Plastikverpackungen am Straßenrand, Mülltüten im Bachlauf oder Waschmaschinen im Wald. Illegale Müllentsorgung ist ein zunehmendes Problem und kostet die Homburger Verwaltung 33 000 Euro pro Jahr. Allein: Müllsünden sind keine Kavaliersdelikte.

Einzelne Plastikverpackungen am Straßenrand, Mülltüten im Bachbett oder manchmal ganze Kofferraum-Ladungen Abfall im Wald: Immer wieder landet Unrat dort, wo er nichts zu suchen hat - von den Sperrmüll-Ecken ganz zu schweigen. Das ärgert nicht nur Spaziergänger und Anwohner; auch im Betriebshof ist man frustriert, wie dessen Direktor Ralf Bleser und die städtische Abfallberaterin Daniela Münzing im Gespräch mit dieser Zeitung erzählen.

Bleser ist da teilweise auch ratlos. So sei eine Studie der Frage nachgegangen, was die Menschen bewegt, Abfälle in der Natur zu entsorgen. "Es gibt drei wesentliche Faktoren beziehungsweise Stellschrauben", fasst Bleser zusammen: Gebühren oder Kosten, Regeln für die unterschiedlichen Abfallfraktionen und die Öffnungszeiten der Wertstoffhöfe beziehungsweise die Taktung der Abfahrten. Blesers Bilanz: "Davon greift in Bad Homburg nichts." Die Anzahl der illegalen Müllablagerungen steige stetig. "Und das ist reine Bequemlichkeit", ist sich Bleser sicher. So sei auch viel Grünschnitt dabei, der einfach so in der Natur abgeladen werde. "Aber auch das belastet die Umwelt - und es sieht auch nicht wirklich schön aus." Nachvollziehen kann er das nicht. "Wenn ich es schon im Auto habe, kann ich es doch gleich richtig entsorgen . . ."

Die beiden sind sich einig: "Was die Abfallentsorgung angeht, leben wir hier verglichen mit anderen Kommunen im Schlaraffenland." Die Öffnungszeiten der Wertstoffhöfe seien vergleichbar mit denen in Großstädten, für die Entsorgung dort werde keine zusätzliche Gebühr erhoben. "Und ich kenne Kommunen, da ist die Sperrmüllsammlung zwei Mal im Jahr - bei uns könnte man theoretisch jede Woche einen Termin buchen." Dafür reiche in Bad Homburg ein Anruf beziehungsweise ein Besuch auf der Homepage. Stattdessen würden die Sachen einfach an die Straße gestellt.

Dass es möglicherweise Auswärtige sind, die ihre Abfälle in der Kurstadt loswerden, kann sich Bleser nicht vorstellen und verweist auf den Sperrmüll. "Da hatten wir in den Obersten Gärten ein Problem und haben schon überlegt, woher das kommt. Andererseits: Wer packt mit Müll sein Auto voll und fährt in eine Sackgasse, um dort seinen Sperrmüll abzuladen?" Fakt ist jedoch: Müll zieht Müll an. Etabliert sich eine wilde Müllhalde, wächst sie schnell an.

Zuletzt gab es immer wieder Unmut, dass "kleiner Sperrmüll" nicht mehr auf den Wertstoffhöfen angenommen wird und es im vergangenen Jahr Einschränkungen beim Service gab. Das sei aber "kein böser Wille des Betriebshofs", betonen die beiden. Münzing sagt: "Wir erfüllen die geltenden Gesetze. Wenn wir die Vorgaben für die Sammlungen nicht erfüllen können, dürfen wir sie schlicht nicht anbieten." Und Bleser ergänzt: "Wir sind als Betriebshof nur ein kleines Rädchen und müssen die Regeln umsetzen." Abhilfe könne diesbezüglich ein zentraler, größerer Wertstoffhof bringen, wie er aktuell in Ober-Eschbach geplant werde.

Hohe Strafen drohen Müllsündern

Dass Kleinabfällle in Säcken zum Preis von 6,90 Euro je Sack weiterhin auf dem Wertstoffhof entsorgt werden können, müsse man vielleicht noch stärker bewerben.

Zu den möglichen Schäden für Natur und Umwelt kommen die Kosten hinzu. "Genau lässt es sich nicht sagen, aber wenn der Müll illegal abgeladen und von uns eingesammelt wird, kostet das ein Vielfaches von der legalen Entsorgung. Und die Kosten trägt der Steuerzahler", sagt Bleser und nennt Zahlen. 33 000 Euro wurden 2021 für die Entsorgung von illegalem Müll in der Natur an Personal- und Fahrzeugkosten aufgewendet. Und auch das "Ich stelle mal was neben die Altglascontainer, das wird schon mitgenommen" geht ins Geld: 87 000 Euro kostete es im vergangenen Jahr, Mitarbeiter an die Altglas-Stationen zu schicken, um dort abgestellte Matratzen und Schränkchen einzusammeln.

Wer erwischt wird, muss ein Bußgeld zahlen, dabei wird seitens der Ordnungsbehörde versucht, den ehemaligen Besitzer zu ermitteln. 47 Bußgeldbescheide habe es in diesem Jahr bereits gegeben, einer davon über 800 Euro. Bleser: "Die Höhe regelt die Abfallsatzung - das fängt an mit 35 Euro für eine weggeworfene Kippe, geht aber schnell hoch bis 1000 Euro. Wobei dann irgendwann, etwa bei Gefahrstoffen, die Grenze zur Straftat erreicht wird. Aber auch wenn ich Sperrmüll in einem FFH-Gebiet entsorge, kann ein höherer vierstelliger Betrag fällig werden."

Bei den Ermittlungen arbeiten Betriebshof und Ordnungsamt übrigens eng zusammen. "Wir tauschen uns aus, und durch die digitale Vernetzung geht das auch schnell und gut", weiß Münzing.

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