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Der Dorische Tempel: 700.000 Euro-Sanierung ohne Plan

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Von: Anke Hillebrecht

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Der Dorische Tempel in Bad Homburg verbirgt sich hinter Bäumen und Büschen im Gustavsgarten. Das Gebäude wurde kürzlich aufwendig saniert, steht aber leer.
Der Dorische Tempel in Bad Homburg verbirgt sich hinter Bäumen und Büschen im Gustavsgarten. Das Gebäude wurde kürzlich aufwendig saniert, steht aber leer. © Priedemuth

Keine Bestuhlung, wenig Platz, schlecht zu belüften – aktuell gibt es kein tragbares Nutzungskonzept für den Dorischen Tempel in Bad Homburg.

Bad Homburg – Klein, aber fein steht sie neben der hochherrschaftlichen Villa – die Kapelle im Gustavsgarten. Türen und Fensterläden sind geschlossen; doch innen ist der "Dorische Tempel", wie das Gebäude wegen der vier dorischen Säulen auch genannt wird, bestens hergerichtet. Kurz vor der Corona-Zeit hat die Stadt ihn mit einem Budget von 700.000 Euro umfassend sanieren lassen; zudem wurde im Kirchenraum für 35.000 Euro eine Putz-Intarsie aus den 1950er Jahren freigelegt und restauriert.

Jetzt sind die Corona-Beschränkungen für Veranstaltungen weitgehend vorbei – also stellt sich die Frage: Wie kann der Tempel künftig genutzt werden? Dazu hatten die Stadtverordneten vom Magistrat einen Bericht gefordert. Viele Menschen in der Umgebung sind froh um den Park. Im Ortsbeirat Gartenfeld/Berliner Siedlung wurden schon Ideen geäußert, in der Remise eine Kita oder im Dorischen Tempel ein Café einzurichten. Letzteres geht laut Magistrat aus Denkmalschutzgründen nicht.

Dorischer Tempel in Bad Homburg: Hürden für brauchbares Nutzungskonzept

Aber was ist möglich? Hierüber wurde in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses diskutiert – die Stadtverordneten schienen sich einig, doch die Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur, Dr. Bettina Gentzcke, dämpfte die Erwartungen.

Der Innenraum sei klein, erklärte sie; zusätzlich rage ein Altar-Podest in den Raum. Es gebe keinerlei Bestuhlung. Denkbar wären kleinere Lesungen, Kammerkonzerte mit zwei, drei Musikern und kleinere Ausstellungen mit mobilen Stellwänden für sitzend höchstens 48, ohne Stühle für 60 Personen. An den Wänden darf nichts befestigt werden. Der Raum lasse sich schlecht lüften. Es gebe auch keinen Platz, wo die Stühle, die laut Gentzcke noch gekauft werden müssten, untergestellt werden könnten. Der Keller in der Villa sei bereits voll.

Kosten würden zudem dadurch entstehen, dass der Tempel vor jeder Veranstaltung aufgeschlossen und die Fensterläden geöffnet und nachher wieder geschlossen werden müssten. Für die Abendstunden sei bislang kein Hausmeister-Service vorgesehen. "Das wirft Kosten auf – und wir müssen ja gerade sparen", merkte sie an. Außerdem gebe es bereits viele andere Orte für Veranstaltungen in der Stadt – bald auch wieder das Gotische Haus. Aber entscheiden müsse die Politik, ob auch noch der Tempel genutzt werden soll.

Bad Homburg: Dorischer Tempel steht künftig leer

Dass das frisch sanierte Gebäude fortan leer stehen soll, sei "schade", sagte Mona Majd (BLB), "jammerschade", so Ingrid Hamer (CDU) und "misslich", so Daniela Kraft (Grüne). Könnten denn nicht, wenn in der Villa nichts stattfindet, ein paar Stühle von dort im Tempel genutzt werden? wollte Kraft pragmatisch wissen.

Die seien empfindlich; ein Hausmeisterservice müsste sie hin- und hertragen, so Gentzcke. Möglicherweise könne man aber auch Ehrenamtliche für diese Aufgabe finden. Der Tempel müsse einschließlich der Fensterläden stets verschlossen bleiben, um Einbrüchen und Vandalismus vorzubeugen, betonte Gentzcke auch mit Blick auf junge Leute, die sich oft spätabends im Park aufhielten.

Bad Homburg: „Kein Sinn Tempel jetzt nicht zu nutzen“

Für die politische Entscheidung wollte Kraft mehr wissen. "Was würde denn der Sicherheitsdienst für einen Abend kosten?" Immerhin habe die Verwaltung ja soeben ein Nutzungskonzept vorgelegt (nachzulesen im Ratsinformationssystem der Stadt). Wenn es nach der teuren Sanierung nun nicht genutzt werde, dann sei das "die größte aller Verschwendungen", befand Kraft.

Beate Denfeld (SPD) stimmte ihr zu. Es habe keinen Sinn, den Tempel jetzt nicht zu nutzen – und nutzen würden ihn einige Homburger, davon sei man in der Fraktion überzeugt. Durchaus auch für private Feiern, etwa Hochzeiten. Könne man nicht eine Nutzungsgebühr nehmen wie nebenan in der Villa? Das dortige Foyer zu mieten kostet 1000 Euro.

Dorische Tempel in Bad Homburg: Teure Investition ohne Plan

So sah es in den 1950er Jahren im Innern des Dorischen Tempels in Bad Homburg aus. Die Bänke wurden inzwischen entfernt.
So sah es in den 1950er Jahren im Innern des Dorischen Tempels in Bad Homburg aus. Die Bänke wurden inzwischen entfernt. © Stadtarchiv

Auch Julia Dahl schaltete sich in die Diskussion ein; sie ist eine der Initiatorinnen der AG Gustavsgarten, die sich dafür eingesetzt hat, dass der Park besser von Bürgern, vor allem jenen mit Kindern, genutzt werden kann. "Könnte das Mobiliar nicht in der Remise untergestellt werden", fragte sie. Das ginge vielleicht, räumte Gentzcke ein.

"Ich kann es nicht nachvollziehen warum die Politik so viel Geld investiert, wenn man kein Konzept hat", sagte Dahl am Rande der Sitzung. Sie könnte sich auch vorstellen, rund um den noch nicht sanierten großen Springbrunnen vorm Tempel einen Sitzbereich für ein Café einzurichten. Im Innern würden dann nur Dinge für den Betrieb gelagert. "Das würde daran erinnern, dass der Tempel in landgräflicher Zeit als Teehaus genutzt wurde", so Dahl.

Dorischer Tempel in Bad Homburg: Ältestes Gebäude der Landgrafenzeit

Der Dorische Tempel ist das älteste Gebäude im Gustavsgarten und stammt aus der Landgrafenzeit. 1822 hatte Prinz Gustav den Park anlegen lassen; um 1830 ließen er und seine Gattin Louise hier einen Musik- und Teesalon mit den Säulen im Dorischen Stil errichten - möglicherweise wurde er von Georg Moller entworfen. Der Dorische Tempel ist dem Blumengartenhaus im Schlosspark Georgium von Dessau nachempfunden.

1898 baute sich der Frankfurter Bankier Wertheimber die nach ihm benannte Villa neben dem Tempel. Er wurde von den Nazis enteignet. Von 1948 bis 2004 wurde die Villa als Klinik genutzt, der Tempel als Kapelle. 2019 und 2020 ließ die Stadt den Tempel sanieren; 2021 war er für den Hessischen Denkmalschutzpreis nominiert. Im Innenraum legten Restauratoren aufwendig eine Ende der 1950er entstandene Putz-Intarsie frei, die den Erzengel Michael darstellt. (Anke Hillebrecht)

Der Dorische Tempel ist dabei nicht das einzige Sanierungsprojekt in Bad Homburg: Letztes Jahr wurde der Königsflügel des Schloss Bad Hamburg nach langen Arbeiten wiedereröffnet.

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