Statt-Maskottchen Hazel fühlt sich auf dem Centre-Court des WTA-Turniers in Bad Homburg wohl. Foto: Sportfoto Zimmer/Daniel Maurer
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Statt-Maskottchen Hazel fühlt sich auf dem Centre-Court des WTA-Turniers in Bad Homburg wohl.

Bad Homburg Open

Der erste Aufschlag hat gesessen

  • VonRobin Kunze
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Seit Sonntag spielt die Elite der Tennis-Damen im Bad Homburger Kurpark. Dabei haben die Organisatoren eine logistische Punktlandung geschafft.

Bad Homburg -Bis Samstag liefern sich Weltklasse-Spielerinnen wie Angelique Kerber und Petra Kvitova im Kurpark heiße Tennis-Matches. Trotzdem herrscht bei der Premiere der Bad Homburg Open ein familiäres Flair, an dem leider nicht alle Tennis-Fans teilhaben können. Am Sonntag war es so weit: Mit einjähriger Verzögerung erhielt das Spitzen-Tennis wieder Einzug in der Kurstadt, die Bad Homburg Open wurden am Vormittag eröffnet.

Gegen 10 Uhr hatte am Kurpark noch nicht viel darauf hingedeutet, dass knapp zwei Stunden später ein offizielles WTA-Turnier steigen würde. Eingangs der Kisseleffstraße sah man vereinzelte Passanten, die nach den zuletzt heißen Tagen die kühle Luft bei einem Spaziergang genossen. Erst ein paar hundert Meter weiter wiesen eine Absperrung und ein Security-Posten auf das große Turnier hin, für das in den vergangenen Tagen etliche Mitarbeiter emsig geschuftet haben.

Der Sicherheitsmann grüßte alle Vorbeikommenden freundlich und hob ihnen das Flatterband, das Autos von der Durchfahrt abhalten soll, an. Kurz darauf bekamen Besucher dann einen guten Eindruck davon, was hier vom bis zum 26. Juni stattfinden wird. Zur linken Seite erheben sich die Tribünen des Center Courts, auf dem sich die Elite des Damentennis begegnen wird. Ursprünglich hatten die Veranstalter mit einem Zuschauerkontingent von 3500 Menschen auf dem Hauptplatz gerechnet. Covid-19 kam, wie in so vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens, dazwischen. Dass aufgrund der Lockerungen der Schutzmaßnahmen immerhin 600 Personen in den Genuss der Matches kommen können, wird im Kreis der Organisatoren aber zu Recht als Erfolg verbucht.

Die Premiere des Profi-Turniers am Standpunkt der ältesten europäischen Tennisanlage unter Ausschluss der Öffentlichkeit? Damit wollte sich natürlich niemand abfinden. Aufgrund des reduzierten Kontingents wurden allerdings kleinere Tribünen installiert als ursprünglich angedacht. Von außen betrachtet macht aber auch das kleinere Stadion einen tollen Eindruck. Zumindest am Sonntagvormittag, als die hübsche Verkleidung mit dem Logo der BHO sowie der Sponsoren angebracht war. Keine 24 Stunden zuvor waren noch die nackten Stahlgerüste zu sehen gewesen und die hämmernde Geräuschkulisse der eifrigen Tribünenbauer lag in der schwülen Luft.

Wer am Samstag am Austragungsort vorbeischaute, der dachte unweigerlich: Ob das alles wohl rechtzeitig fertig wird? Am Ende wurde es eine gut geplante Punktlandung. Eine knappe Stunde vor dem ersten Spiel schlängelte sich ein letzter Gabelstapler vorbei an einem ausgestellten Porsche Taycan, um nicht mehr benötigtes Baumaterial abzutransportieren. Zu diesem Zeitpunkt stand Traudl Kapfhammer am unweit entfernten Info-Stand, wo freundliche Servicekräfte bereitwillig Auskunft zum Turnierverlauf gaben. Bei Anfragen nach Tagestickets mussten die Mitarbeiter indes Absagen erteilen. Das Turnier ist restlos ausverkauft und im Grunde kann nur dabei sein, wer bereits im vergangenen Jahr eine der begehrten Karten erstehen konnte.

Kapfhammer zählt zu diesem glücklichen Kreis. Sie selbst war Jahrzehnte lang aktive Spielerin in Reihen der HTG Bad Homburg und bekam von ihren Kindern das Ticket im vergangenen Jahr geschenkt.

Dass sie eine Liebhaberin des Sportes ist, zeigt allein ihr elegantes Ensemble: Mit der großen Sonnenbrille, Sonnenhut und einem Sonnenschirm ausgestattet, hätte Kapfhammel auch im Publikum bei Wimbledon eine gute Figur gemacht. Das Problem: Ihre Karte ist nur am Dienstag gültig. Zu gerne hätte sie beim Turnierauftakt Mäuschen gespielt. "Aber die Plätze sind ja besser abgeschirmt als der Papst in Rom. Schade, dass die Bad Homburger nicht die Möglichkeit bekommen, Zaungast zu spielen", seufzte sie. Das hatte jedoch einen guten Grund.

Sowohl der Center Court als auch die beiden Nebenplätze wurden für Außenstehende abgesperrt, damit sich in Zeiten der Pandemie keine Menschenmengen an den Zäunen der Plätze versammeln. Allerdings konnte man durchaus den einen oder anderen interessanten Anblick erhaschen. Eine knappe halbe Stunde vor Beginn der dann nicht so gelungenen Partie gegen die Rumänin Patricia Maria Tig schlenderte die deutsche Teilnehmerin Mona Barthel seelenruhig mit ihrer großen Tennistasche auf dem Rücken die Kisseleffstraße entlang und bog dann in Richtung Spielfeld ab.

Auch die aus Merzhausen stammende Mara Guth, die am Nachmittag als Qualifikantin auf dem Center Court antrat, konnte man in Mitten der Anlage erblicken. Die deutsche Tennishoffnung hatte es Kapfhammer neben den Etablierten Angelique Kerber und Andrea Petkovic besonders angetan. "Unter der Woche konnte ich ihr auf dem Platz der HTG beim Training zuschauen und anschließend sogar ein wenig mit ihr sprechen", berichtet sie.

Trotz der Einschränkungen durch Covid-19 versprühten die Bad Homburg Open am Eröffnungstag einen sehr familiären Eindruck. Ja, es ist schade, dass in diesem Jahr nur wenige in den Genuss dieses Flairs kommen können. Aber die Veranstaltung soll ja kein einmaliges Event bleiben. Es zeichnet sich bereits ab, dass das Turnier in den kommenden Jahren eine echte Bereicherung für die WTA-Tour werden könnte.

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