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Der Homburger Haus- und Baumeister

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Von: Katja Schuricht

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Siegfried Aden richtet die Corona-Tests für die Schüler an. Statt sie langweilig zu stapeln, entwickelt er echte Kunstwerke,
Siegfried Aden richtet die Corona-Tests für die Schüler an. Statt sie langweilig zu stapeln, entwickelt er echte Kunstwerke, © ksp

Siegfried Aden macht die Corona-Tests an der Humboldtschule zu einem optischen Höhepunkt. Seine Werke sind mittlerweile auch auf Instagram ein Hit.

Bad Homburg -Gleich rechts hinter dem Eingang der Humboldtschule (HUS) liegt der Markusplatz in Venedig - zumindest für eine knappe Stunde. Dann ist das Kunstwerk, das Siegfried Aden, Hausmeister der HUS, früh morgens aus den Schnelltestverpackungen gebaut hat, schon wieder Geschichte.

Denn die Miniaturversion der weltberühmten Sehenswürdigkeit ist äußerst vergänglich, ihre Bestandteile sind zum Mitnehmen gedacht und dienen einem zwar profanen, doch trotzdem höheren Zweck: Die Lehrer, die durch die Eingangshalle in ihre Klassen gehen, nutzen das historische Ensemble quasi als Steinbruch und nehmen sich von dort ihre Test-Sets im Klassensatz mit.

Bis vor kurzem lagen die Schnelltests in langweiligen Stapeln bereit, jetzt macht Hausmeister Aden daraus täglich einen neuen Hingucker. Seine Mission lautet, in diesen für alle anstrengenden Zeiten für ein bisschen Abwechslung zu sorgen und gute Laune in den Schul- und den Testalltag zu bringen.

Von der Pyramide bis zum Eiffelturm

Material steht Aden jeden Tag zur Genüge zur Verfügung: "Wir testen in diesen Tagen alle Schüler mindestens drei Mal pro Woche, viele sogar täglich", erzählt er. "Das bedeutet, dass wir pro Tag 1800 Schnelltestes benötigen." In jeder Packung, die Aden jeden morgen aufs neue kunstvoll arrangiert, sind fünf Testes enthalten. "Da kann man ordentlich was mit bauen", meint Aden, der erzählt, wie er auf die originelle Idee gekommen ist, einen Hingucker aus der Ausgabestation zu machen. "Nach den Weihnachtsferien hatte ich am ersten Schultag die Idee, die Schnelltests zur Pyramide von Gizeh zu schichten", erzählt er. "Damit wollte ich einfach die Schulgemeinde etwas aufmuntern und die Motivation steigern für jeden, der morgens hier reinkommt."

Dass aus dieser spontanen Idee mittlerweile eine echte Challenge mit einem kleinen bisschen Kultcharakter an der HUS werden würde, damit hatte Aden nicht gerechnet. Längst beginnt er seinen Arbeitstag ein paar Minuten früher, um in Ruhe anrichten zu können. Und noch sind ihm die Ideen nicht ausgegangen.

Auch auf Instagram ein echter Hingucker

Im Laufe der vergangenen Wochen waren so schon verschiedene berühmte Monumente in der HUS-Eingangshalle zu sehen: das Kolosseum in Rom, der Eiffelturm, die Porta Nigra in Trier oder die Titanic. "Wobei es schwierig ist, aus den eckigen Packungen runde Formen zu entwickeln", verrät Aden. Vor allem montagmorgens hebe der Anblick der Bauwerken sofort die Stimmung - bei Schülern ebenso wie beim Kollegium, findet Lehrerin Anna Kriegsmann, die begeistert von der Aktion ist.

Auch in den sozialen Medien feiert der Bau-Wettbewerb des HUS-Hausmeisters große Erfolge. Unter dem Motto "außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Lösungen" ist eine Bilderserie mit einigen Kostproben der kunstvoll gestapelten Schnelltests zu sehen.

"Das ist bis jetzt auf unserem Instagram-Account der Beitrag mit den meisten Likes", vermeldet Kriegsmann. Auch Vorschläge, was er noch alles bauen kann, werden schon an Aden herangetragen. "Erst kürzlich hat sich jemand gewünscht, dass ich das Taj Mahal baue", sagt Aden. Aber ganz egal, was Aden aus den Kartonagen noch zaubern wird: Das, was zählt, ist der Spaßfaktor, wie er betont. Auch auf die Homepage der HUS auf https://humboldtschule-hg.de hat es Siegfried Adens charmante Baukunst geschafft. Natürlich mit einer entsprechenden Würdigung:

"Wie schön, wenn der Tag beim Abholen der Test-Kits gleich mit einem Lichtblick beginnt, die Routine durchbrochen wird angesichts des Wissens darum, dass jemand sich früh morgens die Mühe macht, unser aller Schulalltag aufzulockern, dass derjenige teilweise sogar extra früher zum Dienst kommt, um der Schulgemeinde diese Freude zu machen", steht da, und weiter heißt es: "Man kommt nicht umhin, ihn als ,die gute Seele' der Humboldtschule zu bezeichnen, unseren Hausmeister Herrn Aden, der sich offenbar nicht nur um die Funktionstüchtigkeit der Heizung und der Lüftungsgeräte sorgt, sondern auch um die der Lehrer und Schüler, die sich morgens am Anblick der Test-Architektur erfreuen können."

Auch die Porta Nigra hat er schon in der Humboldtschule nachgebaut. Im Gegensatz zum Original hält das Modell aber nur bis zum Schulbeginn.
Auch die Porta Nigra hat er schon in der Humboldtschule nachgebaut. Im Gegensatz zum Original hält das Modell aber nur bis zum Schulbeginn. © ksp

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