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Der Kaiser persönlich gab seinen Segen

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Bürgermeister Armin Klein gratuliert Oberstudiendirektorin Lotte Hudemann zur Einweihung des neuen Schulgebäudes.
Bürgermeister Armin Klein gratuliert Oberstudiendirektorin Lotte Hudemann zur Einweihung des neuen Schulgebäudes. © kob

Nach vielen Umbenennungen feiert die Humboldtschule heute ihr 60-jähriges Jubiläum

Bad Homburg -Fünf Jahre lang hatten Verhandlungen, Planungen und Bauzeit gedauert: Dann ging im August 1962 für die 562 Schülerinnen und das Kollegium des Bad Homburger Mädchengymnasiums endlich der langgehegte Wunsch in Erfüllung: Nach dem Ende der Sommerferien mussten sie nicht mehr in die beengten Räume ihres alten Schulhauses in der Gymnasiumstraße zurück, sondern konnten in das neue Schulgebäude in der Jacobistraße einziehen. Vor 60 Jahren, am 25. August, fand die offizielle Einweihung der Schule statt, die wenige Jahre später den Namen Humboldtschule bekam.

Ein Blick zurück: Am 15. Januar 1844 hatte Lehrer Martin Seidenstricker ein privates Mädcheninstitut in der Dorotheenstraße 25 gegründet, mit dem Ziel, die "höheren Töchter" der Stadt vor allem in den Fremdsprachen Französisch und Englisch zu unterrichten. Im Mai 1880 übernahm Louise Reuter die Schule, die den Schülerinnen in erster Linie eine gute Allgemeinbildung vermitteln und Deutsch und Handarbeit als weitere Bildungsinhalte stärken wollte.

In den darauffolgenden Jahren zog das Mädcheninstitut mehrmals um, bis es im September 1902 in der Gymnasiumstraße in direkter Nachbarschaft des Jungen-Gymnasiums, der Kaiserin-Friedrich-Schule (KFS), einen langjährigen Standort fand. Aber nicht nur die Adresse der Mädchenschule hatte sich in jener Zeit mehrfach verändert, die Schule hatte mittlerweile auch einen anderen Namen bekommen.

Wechselvolle Geschichte

Denn seitdem die Stadt das Institut übernommen hatte, führte es vom 1. April 1900 an den Titel "Städtische Höhere Mädchenschule". Schulleiter wurde Dr. Carl Blümlein, der sich in der Kurstadt nicht zuletzt aufgrund seiner Veröffentlichungen zur Saalburg einen Namen gemacht hatte. 1904 kam es erneut zu einem Namenswechsel der Schule. Direktor Blümlein hatte Kaiser Wilhelm II. die Bitte überreichen lassen, dass die Schule den Namen "Kaiserin-Auguste-Viktoria-Schule" tragen dürfe. Untertänigst formulierte er das Gesuch, "ob Ihre Majestät vielleicht geneigt wäre, der hoffnungsvoll aufblühenden Schule in dem stolzen Neubau huldvollst die Erfüllung eines solchen Wunsches zu gewähren." Und Kaiser Wilhelm II. gewährte.

Dann kamen die Nationalsozialisten an die Macht und machten aus dem Lyzeum 1937 eine Städtische Oberschule für Mädchen mit dem Beisatz "Hauswirtschaftliche Form". Anstelle einer zweiten Fremdsprache wurde nun Wert auf "Fächer des Frauenschaffens" gelegt, wozu Hauswirtschaft, Handarbeit und Gesundheitslehre gehörten. Darüber hinaus mussten die Schülerinnen soziale Dienste in einem Säuglingsheim, einem Kindergarten oder einer Familie leisten. Ein großer Meilenstein in der Geschichte der Schule in dieser Zeit: Von 1941 an konnten die Schülerinnen an der Schule auch Abitur machen.

Mädchenschule wird zum Lazarett

Im November 1944 wurde entschieden, die Mädchenschule zu einem Lazarett umzubauen. Da der Schulbetrieb aber weiterlaufen musste, teilten sich die Schüler und Schülerinnen der beiden Gymnasien in den nächsten Monaten das Gebäude der Kaiserin-Friedrich-Schule. Weiterhin strikt getrennt, wurden die Mädchen und Jungen wechselseitig in verkürzten Vor- und Nachmittagsstunden unterrichtet. Das Lazarett wurde allerdings nie belegt. Als am 8. März 1945 die Bomben auf Bad Homburg fielen, wurde auch die Schule zerstört. Und so teilten sich Mädchen- und Jungengymnasium bis 1949 wieder mit wechselseitigem Unterricht die Räume der KFS. Den Namen "Kaiserin-Auguste-Viktoria-Schule" musste das Mädchen-Gymnasium aber bereits unmittelbar nach Kriegsende abgeben und hieß von nun an Städtisches Realgymnasium für Mädchen. Die Kaiserin-Friedrich-Schule hatte ihren Namen unter anderem deshalb behalten dürfen, weil die Frau von Kaiser Friedrich III. eine Engländerin sowie liberal gesinnt war und die Engländer den Krieg gewonnen hatten.

Im Mai 1949 bezog die Mädchenschule das wiederaufgebaute Gebäude in der Gymnasiumstraße und die Schülerinnenzahlen stiegen in den kommenden Jahren stark an. Die Hoffnung, die Räume der benachbarten KFS zu bekommen, als diese 1955 in ein neues Gebäude "Auf der Steinkaut" zog, erfüllte sich nicht, da diese von der Stadt für die Realschule vorgesehen waren. Wegen des akuten Raummangels musste der Unterricht zusätzlich auf drei verschiedene Orte in der Elisabethenstraße, in der Landgrafenstraße und der Kaiser-Friedrich-Promenade verlegt werden. Aus dieser Not heraus konnte die damalige Schulleiterin, Oberstudiendirektorin Lotte Hudemann, die Stadtväter schließlich nach vielen Gesprächen überzeugen, dass nur ein Neubau die schlechten Unterrichtsbedingungen beseitigen könnte. Dass dieser Wunsch dann 1962 endlich in Erfüllung ging, feierte die Schule mehrere Tage lang mit einem bunten Programm.

Fünf Jahre nach der Einweihung sollte das Städtische Realgymnasium für Mädchen noch einmal seinen Namen wechseln. Im September 1967 wurden zum ersten Mal auch Jungen in die 5. Klassen eingeschult, und es musste ein neuer Name gefunden werden, der Mädchen und Jungen gerecht wurde.

Nach langer Diskussion einigte sich das Kollegium der Schule und der Magistrat als Schulträger auf den Namen "Humboldtschule" - in Erinnerung an die Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt. Mit den beiden weltbekannten Gelehrten, die im Geiste der Aufklärung forschten und wirkten, konnten sich schließlich beide Geschlechter identifizieren.

Das neue Gebäude der Humboldtschule galt im Jahr 1962 als die bestausgestattete und schönste Schule in der Kurstadt.
Das neue Gebäude der Humboldtschule galt im Jahr 1962 als die bestausgestattete und schönste Schule in der Kurstadt. © Humboldtschule

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