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Der Sturm nach der Ruhe

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Die Bad Homburger Hotels, wie hier das Steigenberger, haben in den vergangenen Monaten mehr Buchungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu verzeichnen.
Die Bad Homburger Hotels, wie hier das Steigenberger, haben in den vergangenen Monaten mehr Buchungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu verzeichnen. © Priedemuth, Jens

Hotels verzeichnen rasant steigende Buchungszahlen.

Bad Homburg -Der Tourismus boomt wieder. Gehörte die Branche in der Pandemie aufgrund anhaltender Reisebeschränkungen, Shutdowns und der Angst vor Infektionen noch zu den großen Verlierern, befindet sich der Wirtschaftszweig mittlerweile wieder im rasanten Aufstieg: Rund 511 000 Übernachtungen von Gästen aus dem In- und Ausland verzeichnete der Hochtaunuskreis im ersten Halbjahr dieses Jahres. Somit liegt der Anteil an Übernachtungsgästen um 69 Prozent höher als in der ersten Jahreshälfte 2021. Dies hat nun eine Auswertung des Statistischen Landesamtes ergeben.

"Dass wieder viel mehr Urlauber und Geschäftsreisende in den Hochtaunus kommen, ist für das Hotel- und Gaststättengewerbe eine gute Nachricht - vor allem auch für die Beschäftigten", sagt Hendrik Haller, Geschäftsführer der Nahrung-Genuss-Gaststätten-Region Rhein-Main (NGG). Nach zweieinhalb Jahren kehre die Branche Stück für Stück wieder auf ihr altes Niveau vor der Pandemie zurück. Von Normalität könne bei vielen Hotels, Pensionen und Wirtshäusern in der Rhein-Main-Region aber noch keine Rede sein.

Mehr als doppelt so hohe Auslastung

So gelinge es den Unternehmen kaum, genügend Personal für die nun wieder sprunghaft wachsende Arbeit zu finden. Zwar klagen derzeit viele Branchen über Fachkräftemangel, das Gastgewerbe aber trifft dieser besonders hart.

Andreas Schmücker, Manager des B&B-Hotels am Bahnhof in Bad Homburg, kann ein Lied davon singen. "Im Moment fahre ich Doppelschichten", berichtet er. Deshalb hilft er als Chef mittlerweile auch selbst aus, wo er kann. Sein Hotel hat 114 Zimmer und ist ein Unternehmen mit relativ kleinem Personalstamm. Als Business-Hotel sind seine Übernachtungsgäste zu 99 Prozent Geschäftsleute. Mit Wegfall der Corona-Schutzmaßnahmen haben Messen, Konferenzen und auch andere Veranstaltungen wieder zugenommen.

Im Moment kämen im Monat knapp 2000 Buchungen rein, was einer Auslastung von etwa 70 Prozent entspreche. "Wir sind wieder auf dem Stand von 2018, was die prozentuale Auslastung betrifft", sagt Schmücker. Zum Vergleich: In der Pandemie habe es Monate gegeben, da habe er keine 200 Zimmer vermieten können. "Das niedrigste waren 150 Zimmer". In der Zeit habe er viele Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen und sich mitunter selbst an die Rezeption gestellt. Dann, im April und Mai dieses Jahres, kam der Ansturm: Von 20 bis 30 Prozent Auslastung, was einer Zimmerbelegung von 800 bis 900 Zimmern entspreche, seien die Zahlen auf 70 Prozent angestiegen, "Also mehr als doppelt so viel Auslastung auf einmal, von jetzt auf gleich."

Ab dem Zeitpunkt hätten dann auch die Probleme mit dem Mitarbeitern angefangen. Gerade bei den Reinigungskräften habe es anfangs Probleme gegeben. Aber auch Mitarbeiter mit anderen Qualifikationen sucht er derzeit händeringend. Dadurch, dass die Besucherzahlen so sprunghaft nach oben gestiegen seien, hätten zusätzlich Mitarbeiter gekündigt. Die Belastung sei einfach zu groß geworden. Das merke er auch selbst. Früher habe man eine bestimmte Zahl an Check-Ins gemacht, und es sei ein entspannter Tag gewesen. Heute arte das in puren Stress aus.

Zusätzlich fallen Mitarbeiter urlaubsbedingt aus, was ebenfalls aufgefangen werden muss. "Auch wir sind in der Leistungsfähigkeit noch nicht so weit trainiert wie vor Corona, das muss man fairerweise auch sagen", gibt Schmücker zu.

Große Verunsicherung wegen Herbst

Auch Jan Grunder, Direktor des Maritim-Hotels in Bad Homburg, bestätigt vermehrte Buchungen. "Die Menschen haben jetzt Nachholbedarf." Aber auch von den wieder stattfindenden Veranstaltungen wie dem Tennisturnier vor kurzem profitiert er. "Jetzt, in der Ferienzeit, hatten wir auch wieder viele Familien im Haus." Außerhalb der Ferien seien es vornehmlich Geschäftsreisende, am Wochenende vermehrt Touristen. Grunder merkt den Fachkräftemangel ebenfalls nun deutlicher, das sei aber ein allgemeines Problem in der Branche. Auch durch die Corona-Situation habe man immer mal Ausfälle. Zumindest konnte er aber mittlerweile Azubi-Plätze neu besetzen.

Ähnlich sieht es beim Steigenberger Hotel aus. Zwar sei die Auslastung im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahren mittlerweile wieder wesentlich besser. Im April sei es noch sehr wackelig gewesen, im Mai hätten dann die Buchungen wieder stark zugenommen. Die Monate Juni, Juli und August seien auch noch sehr gut gewesen. Dennoch sei das Buchungsverhalten immer noch leicht rückläufig und liege unter dem Niveau von 2019, weiß Direktor Michael Kain zu berichten.

Zudem beobachte er seit kurzem auch wieder eine wachsende Vorsicht bei den Besuchern. Anfragen gebe es zuhauf, allerdings würden viele im Nachhinein von einer tatsächlichen Buchung absehen. Auch einige Unternehmen seien noch zurückhaltend, wenn es um Buchungen für Veranstaltungen gehe. Einen Grund hierfür sieht er in der Ungewissheit bezüglich des kommenden Herbstes. "Jetzt schauen alle auf den Oktober, wenn es wieder die ersten Corona-Maßnahmen gibt. Wie die ausfallen, wissen wir ja nicht genau." Deshalb würden aktuell viele Kunden versuchen, die Buchung so lange wie möglich hinauszuzögern, weil sie erst einmal die Lage im Herbst abwarten wollen,

Obwohl die Buchungen derzeit wieder rückläufig seien, sucht Kain unter Hochdruck Mitarbeiter. Erst kürzlich habe man wieder zehn einstellen können. Demnächst wird das Team um weitere vier bis fünf Mitarbeiter wachsen. Daher schaut er optimistisch in die Zukunft. Von Mai bis Juli sei es sehr schwierig gewesen. "Aber so langsam entspannt sich das wieder etwas."

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