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Der Zeremonienmeister vom Heiligen Rasen

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Von: Florian Neuroth

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Fühlt sich auch auf dem Homburger Rasen ganz wohl: Wimbledons Head-Coach Dan Bloxham.
Fühlt sich auch auf dem Homburger Rasen ganz wohl: Wimbledons Head-Coach Dan Bloxham. © flon

Head-Coach Dan Bloxham ist begeistert vom Tennis-Spektakel im Bad Homburger Kurpark.

Bad Homburg - Es gibt im Tennis keinen Gang, der so außergewöhnlich ist, wie jener zum Centre-Court in Wimbledon. Spüren die Spieler den Geist des ältesten Tennisturniers der Welt doch auf jedem Schritt durch die Korridore des "All England Lawn Tennis and Croquet Clubs". Rund zwei Minuten dauert der Weg zum Spielfeld. Es geht vorbei an Dutzenden Fotografien aus mehr als 100 Jahren Wimbledon-Geschichte und Pokalen längst vergangener Tage. Wer kurz vor dem "Heiligen Rasen" noch nicht den Tunnelblick hat, wendet sich ein letztes Mal sehnsüchtig zur Seite. Dort, wo das "Winners Board" die bisherigen Turniersieger auflistet, will jeder Tennisprofi mal stehen.

"Walk of Champions" - so heißt der Gang zum Centre-Court. Dan Bloxham ist ihn Hunderte Male gegangen. Wenn die Spieler sich Richtung Feld begeben, marschiert Bloxham vorneweg. Das ist sein Job. Als "Master of Ceremonies" holt er die Spieler ab und begleitet sie, lädt die Athleten gewissermaßen ein, auf dem Centre-Court zu spielen. Eine Aufgabe, die einfacher klingt, als sie ist. Der Mythos Wimbledon lebt nämlich auch davon, dass Traditionen eine große Rolle spielen und selbst der Gang zum Spielfeld einem Ritual gleicht, in dem jeder Schritt akkurat vorgegeben ist. "Die passenden Klamotten, der vorgeschriebene Weg und natürlich die richtige Zeit", für all das trage er die Verantwortung, erzählt Bloxham und betont den letzten Gesichtspunkt. "Es ist sehr wichtig, in Wimbledon pünktlich zu erscheinen. Das ist Tradition und gebietet der Respekt vor dem Schiedsrichter und dem Publikum", meint er. Mit den Spielern spricht er sich bereits am Morgen ab und vereinbart, wer wo abgeholt werden will. "Einige kommen direkt aus dem Fitnessstudio, manche aus der Kabine. Wieder andere verstecken sich in der Ecke, die würdest du gar nicht finden, wenn du nicht wüsstest, wo." Am allerwichtigsten sei, dass die Spieler sich wohlfühlten. Mit jenen, die das erste Mal auf dem Centre-Court spielen, geht er den "Walk of Champions" vorher ab. "Wenn du gegen Roger (Anm. Federer) auf Centre spielst, solltest du den Gang besser schon mal gemacht haben", sagt Bloxham mit einem Schmunzeln.

Grob gesagt ist er das Medium zwischen Verein, Spielern, Schiedsrichter und den Welt-Tennisverbänden. Der 56-Jährige informiert den Schiedsrichter und die Kontrahenten vor dem Match über das prognostizierte Wetter, eskortiert die Spieler während Toilettenpausen und ist auch außerhalb der Matches oft als Problemlöser unterwegs. "Ich kenne das Gelände und weiß, was getan werden muss, um Problemen auf Wimbledon-Art zu begegnen." Was das heißt? Bloxham lacht und sagt: "Mit Charme." Tatsächlich gibt es wohl nur wenige, die sich an der Church Road so gut auskennen wie er.

"Bad Homburg kann stolz sein"

Seit 21 Jahren ist Bloxham "Head-Coach" des exklusiven Tennisclubs, leitet die zwei für die Vereinsmitglieder abgestellten Trainer und 15 Coaches an, die für das Junioren-Programm, die Wimbledon Junior Tennis Initiative (WJTI), zuständig sind. Beim landesweit größten "community program" an britischen Schulen habe man in den vergangenen 20 Jahren mehr als 200 000 Kinder und Jugendliche im Tennis unterrichtet, sagt Bloxham und Stolz schwingt dabei mit. 2010 kam sogar die Königin vorbei. Zwölf Spieler durften der "Queen" die Hand schütteln und "Hallo" sagen. Ganz so hoher Besuch ist bei den "Bad Homburg Open" nicht zu erwarten. Vom Ambiente im Kurpark ist der Brite, der sich die ersten drei Tage des Turniers in Bad Homburg aufhielt, mit dem Nachwuchs trainierte, dennoch äußerst angetan. "Das Turnier ist so nah an Wimbledon, wie es geht", meint Bloxham. Der Kurpark mit seinen Grünflächen, den hübschen Bäumen und sogar einem kleinen See - das erinnere schon sehr an Wimbledon. "Und auch die Courts sind fantastisch. Die harte Arbeit der Organisatoren hat sich ausgezahlt. Bad Homburg kann stolz sein", meint er. Auch darauf, dass die beiden Matchcourts neben dem Centre-Court ohne Ticket besucht werden könnten. "Das ist eine nette Idee. So kommen junge Leute zum Tennis."

Oder, wie am vergangenen Sonntag, zu einem kleinen Training mit dem Meister aus Wimbledon. Geduldig erklärt Bloxham die richtige Fußstellung und Schlaghaltung. Etwa beim Topspin. Ellbogen und Knie bewegen sich simultan, mit festem Griff in einer Drehbewegung nach vorne durchschlagen und während des Schwungs ausatmen - so machen das die Profis. Mehrfach bewegt er die Handflächen nach unten und zeigt an. "Mach locker. Lass dir Zeit beim Schlag." Simpel sei Tennis eben nicht. "Das Schwierige ist, dass alles zur selben Zeit passiert. Fußball ist einfach. Du trägst die Neun, dann bist du Stürmer. Im Tennis bist du Angreifer, Mittelfeldspieler, Verteidiger und Torwart zugleich." Einen Tipp für junge Nachwuchsspieler hat der Coach auch. Zu genießen und "eine gute Zeit" zu haben, das gehörte dazu, aber auch stets auf ausreichend Bewegung zu achten. Denn "das wichtigste für einen Athleten ist, wirklich ein Athlet zu sein", sagt er.

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