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Stets dabei: Fahrer Rene Genz. Er hupt nicht, sondern bimmelt mit der Glocke.

Bimmelbahn

Bis 23. Dezember können sich Kunden kostenlos durch die Innenstadt kutschieren lassen

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Nicht alle Besucher des Weihnachtsmarktes am Schloss finden vorher noch in Homburgs Geschäfte – und für Pendler ist der Weg vom Bahnhof zu einem Glühwein am Schloss weit. Der Weihnachts-Shopping-Express soll auf charmante Weise Abhilfe schaffen.

Frankfurt hat seinen Ebbelwoi-Express und Bad Homburg seit gestern seinen Weihnachts-Shopping-Express. Champagner wird zwar nicht ausgeschenkt, doch dafür kann jeder, der möchte, sich auf bequeme Weise direkt zum Glühweingenuss kutschieren lassen. Das 18 Meter lange Bähnchen mit zwei nostalgisch gestalteten Waggons und 56 Sitzplätzen verkehrt donnerstags bis sonntags zwischen Bahnhof und Schloss. Die Mitfahrt ist frisch – man sitzt im Freien – und kostenlos.

Sobald sich die Lokomotive in Gang gesetzt hat, weht den Mitfahrenden auch schon der Wind um die Ohren. Mit Höchstgeschwindigkeit 25 Kilometer pro Stunde geht es vom Bahnhof zunächst zum Rathaus und dann durch die Schöne Aussicht in die Kisseleffstraße. Dort schaltet Fahrer Rene Genz auf Schrittgeschwindigkeit 6 Kilometer pro Stunde, und es geht durch die Fußgängerzone zum Kurhaus. Die Menschen auf der Louisenstraße schauten bei der Jungfernfahrt gestern das Bähnchen noch recht ungläubig an – kaum jemand schien zu wissen, dass man zum Beispiel vor den Louisen-Arkaden kostenlos einsteigen kann. Benötigt der Express mehr Platz, so hupt der Fahrer nicht etwa, sondern bimmelt charmant. Da kommt Weihnachtsstimmung auf, die durch den Anblick der Tannenzweige auf dem roten Lack noch verstärkt wird.

Die fünf Haltestellen auf der Strecke

Bahnhof

Rathaus

Louisen-Arkaden

Waisenhausplatz

Schloss

sind durch zwei Meter hohe Schilder im dunkelblauen Design der „Weihnachtsstadt Bad Homburg“ gekennzeichnet. Darauf befindet sich auch eine kleine Uhr, die anzeigen soll, wann der Zug das nächste Mal in etwa vorbeikommen wird.

Freitags nur bis Kurhaus

Freitags, wenn auf dem Waisenhausplatz die Marktstände stehen, fährt der Express zwischen 11 und 15 Uhr nur bis vors Kurhaus, wo er in dieser Zeit auch hält. Anschließend geht es nach rechts den Schwedenpfad hinunter und über Kaiser-Friedrich-Promenade sowie Ferdinandstraße zurück zum Bahnhof.

Feste Abfahrtszeiten für das Bimmelbähnchen gibt es nicht, aber die Rundfahrt vom Bahnhof zum Schloss und zurück dauert mit Pausen ungefähr eine Stunde. Vor Feinkost-Lautenschläger biegt die Bahn links ab und fährt über den Waisenhausplatz in die Dorotheenstraße bis zum Schlosspark, Eingang Löwengasse.

Die Rückfahrt zum Bahnhof nimmt eine etwas andere Route: Weil das Gespann vor der Erlöserkirche nicht ohne Weiteres wenden kann, tuckert es – wie auch viele Lastwagen – durch die Straße „Am Mühlberg“ und über Dorotheenstraße, Schöne Aussicht und Marienbader Platz zurück zum Bahnhof.

„Die Route wollen wir noch optimieren“, erklärt Citymanagerin Tatjana Baric. Sie wünscht sich, dass das Bähnchen schon vor dem Rathaus auf die Louisenstraße fahren kann – aber dort stehen Poller. Für die Fußgängerzone, durch die tagsüber normalerweise noch nicht einmal Fahrräder fahren dürfen, bekam der Express eine Sondergenehmigung. Rund 20 000 Euro lässt sich die Stadt den Spaß kosten; ein Teil wird aber aus Werbeeinnahmen finanziert.

Baric kennt ähnliche Bähnchen in anderen Städten und Urlaubsorten; meist bringen sie Touristen zu Sehenswürdigkeiten. In Köln gibt es das, in Baden-Baden oder in Colmar im Elsass. „Im Hochtaunuskreis aber bisher noch nicht“, betont Baric.

Louisenstraße zu lang

Der Shopping-Express ist eine weitere Attraktion für Bad Homburg in der Adventszeit; er soll aber auch den Geschäften sowie Betreibern der Stände beim Weihnachtsmarkt zusätzliche Kundschaft bringen. „In Gesprächen mit Geschäftsleuten habe ich erfahren, dass vielen Kunden die Louisenstraße zu lang zum Laufen ist“, sagt Baric.

Menschen, die in Bad Homburg arbeiten und mit der Bahn nach Hause fahren, fehle zudem der Anreiz, noch einmal bis zum Schloss zu laufen, um beim Weihnachtsmarkt einen Glühwein zu trinken. Für sie und alle anderen ist der Shopping-Express gedacht. Baric: „Man kann sich einen Moment ausruhen und seine Einkaufstüten abstellen.“ Und wer diese mal irgendwo deponieren möchte, findet übrigens dieses Jahr in den Louisen-Arkaden eine Möglichkeit, samt Einpack-Service.

Die Premierenfahrt habe man bewusst auf den Tag vor dem „Black Friday“ des Online-Handels gelegt. „Wir wollen zeigen, dass Shoppen in der Innenstadt Spaß macht“, erklärt Baric.

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