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Die Kantorin und die Songs von Genesis

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Von: Sabine Münstermann

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Susanne Rohn, Kantorin der Erlöserkirche, wird mit der Neuen Philharmonie Frankfurt und dem Jugend-Sinfonie-Orchester Hochtaunus und einer Rockband Songs von Supertramp, Santana oder Genesis spielen.
Susanne Rohn, Kantorin der Erlöserkirche, wird mit der Neuen Philharmonie Frankfurt und dem Jugend-Sinfonie-Orchester Hochtaunus und einer Rockband Songs von Supertramp, Santana oder Genesis spielen. © Reichwein, Jochen

Orgelfestival Fugato soll im September 2022 stattfinden - mit Bewährtem, Neuem und sogar einem Drohnenflug

"Das Fugato-Festival wird rockig und poppig", titelte diese Zeitung vor ziemlich genau zwei Jahren, nämlich am 4. Dezember 2019, mit Blick auf das eigentlich für 2020 geplante Orgelfestival. Natürlich kam's, Corona-bedingt, anders, das Festival wurde, wie so viele andere Kulturveranstaltungen, abgesagt.

2022 wäre das nächste reguläre Fugato-Jahr - das Orgelfestival findet alle zwei Jahre statt -, und Kurdirektor Holger Reuter und Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) sind optimistisch, dass die 13. Auflage vom 17. bis 25. September tatsächlich wird stattfinden kann. Davon gehen auch die drei Künstlerischen Leiter Susanne Rohn, Kantorin der Erlöserkirche, der Pianist und Dirigent Lars Keitel (mittlerweile Bürgermeister in Friedrichsdorf) sowie der Musikjournalist Dr. Andreas Bomba aus. Weswegen sie seit geraumer Zeit mitten in der Planung sind - und das Programm im Großen und Ganzen auch steht.

Dass die Fugato-Orgeln auf Rock und Pop treffen, wie's eigentlich schon für 2020 geplant war, steht dabei außer Frage, denn, wie OB Hetjes betont: "Wir haben bei der Ausrichtung der 13. Auflage des Festivals den Fokus auf neue, jüngere Zielgruppen gelegt." Für den OB ist nämlich klar: Die Orgel ist kein Instrument für ein ausschließlich älteres Publikum - im Gegenteil. Den entsprechenden Beweis wolle man mit einem jungen und modernen Programm antreten.

Etwa bei den geplanten Auftaktkonzerten am Samstag, 17. September 2022 (19.30 Uhr), und am Sonntag, 18. September 2022 (17 Uhr): Mit der Neuen Philharmonie Frankfurt und dem Jugend-Sinfonie-Orchester Hochtaunus treffen an beiden Tagen zwei innovative Orchester aufeinander, die in der Erlöserkirche zusammen mit einer Rockband und Susanne Rohn an der Hammond-Orgel unter anderem Songs von "Supertramp", "Santana" und "Genesis" zu Gehör bringen werden. Worauf sich vor allem Kurdirektor Holger Reuter, der vor zwei Jahren die Idee hatte, "mal etwas mutiger zu sein und Orgel mit Rockmusik zusammenzubringen", schon besonders freut.

"Man kann es als Veranstalter natürlich nicht jedem immer recht machen", sagt Dr. Andreas Bomba. Will heißen, natürlich wird's beim 13. Orgelfestival nicht nur rockig zugehen, sondern die Veranstalter setzen auch auf Bewährtes fürs gesetztere Publikum, das sich auf international bekannte Organisten, renommierte Künstler und hochbegabte Nachwuchsmusiker freuen darf.

Zum Beispiel auf Julius Asal. Der junge Pianist absolvierte 2015 sein Abitur am Gymnasium Oberursel und ist im Taunus - aber nicht nur hier - bekannt. Beim Orgelfestival will er am Donnerstag, 22. September, einen ganz besonderen Klavierabend gestalten. Unter dem Titel "Orgelspieltechniken auf dem Klavier" bringt er unter anderem Préludes von Debussy ("Die versunkene Kathedrale") und Cesar Franck ("Prélude, Choral und Fuge") zu Gehör. "Julius Asal hat sich in den vergangenen Jahren als einer der herausragenden Interpreten seiner Generation etabliert", sagt Lars Keitel.

Meisterkurse und Workshops für Kinder

Asal sei inzwischen regelmäßiger Gast auf internationalen Festivals. Solistische Erfahrungen sammelte er unter anderem mit Klangkörpern wie der Deutschen Radio-Philharmonie, dem St.-Andrew-Symphony-Orchestra und dem Brandenburgischen Staatsorchester. Der Pianist hat zahlreiche Preise gewonnen, zuletzt beim Internationalen Klavierwettbewerb Palma d'Oro und dem Internationalen Brahms-Wettbewerb.

Natürlich wird es auch wieder eine Exkursion zu den Orgeln im Taunus und einen "Film und Orgel"-Abend geben. Im Programm findet sich auch eine Reminiszenz an das Hölderlin-Jahr 2020 - eine Lesung mit Orgel dreht sich um den deutschen Dichter. Zudem werden Meisterkurse für Studierende angeboten, die am Ende um den Publikumspreis, gestiftet vom Rotary-Club Bad Homburg Schloss, spielen werden.

Neu im Fugato-Programm sind Workshops für junge Organisten aus der Region und ein speziell für Schulen konzipiertes Angebot. So wird es Orgelkurse für Kinder und Jugendliche geben, zudem werden Geschichten zu und über die Orgel vermittelt.

Auch der Abschluss des Fugato-Festivals verspricht mit einer Kombination aus Multivision und Improvisation, zu einem nicht alltäglichen Erlebnis zu werden. Auf einer großen Leinwand in der Erlöserkirche können die Gäste nicht nur den Organisten beim Spielen beobachten; an der Sauer-Orgel kommt es auch zu einer Orgelimprovisation zu einem eigens für diesen Konzertabend gedrehten Film des Friedrichsdorfer Fotografen Reiner Harscher, der zuvor in der Erlöserkirche entstanden sein wird - tatsächlich wird aktuell noch gedreht. Die Konzertbesucher begeben sich also auf einen Drohnenflug über die Kirche und ins Kircheninnere und hören aus dem Stegreif gespielte Orgelmusik. Der Wow-Effekt dürfte garantiert sein.

Eintrittskarten gibt's im Vorverkauf, unter anderem bei Tourist Info + Service im Kurhaus, Telefon (0 61 72) 1783 7 10.

Die Bad Homburger Orgellandschaft

Bad Homburg verfügt über eine besondere Orgellandschaft. In der Erlöserkirche verkörpert die erweiterte Sauer-Orgel den Orgeltyp der Jahrhundertwende mit seiner dynamisch reichhaltigen Palette von Grundtonregistern. Durch die Schwellvorrichtungen an drei Manualen kann die Lautstärke der Register dieser Manuale stufenlos verändert werden, was die Ausdrucksfähigkeit der Orgel wesentlich vergrößert. Repräsentiert diese Orgel die wilhelminische Ära und die musikalische Epoche der Spätromantik, so ermöglicht die Neue-Bach-Orgel, ältere Orgelmusik passend darzustellen. Das dritte Instrument ist ein von Bernhard Fleig 2008 gebautes Orgelpositiv.

St. Marien bekam als Erstausstattung im Jahre 1906 eine Orgel der Firma Klais in Bonn mit 29 Registern und 2 Manualen, die 1938 klanglich umgestaltet wurde. 1975 wurde durch die gleiche Firma eine neue Orgel errichtet, die eine Verbindung von Romantik und Moderne dadurch anstrebt, dass eine Anzahl von Registern aus der Orgel von 1906, aber auch der von 1938 eingefügt und in das neue Werk übernommen wurden.

Eine Besonderheit der Bürgy-Orgel (1787/1989) in der Schlosskirche besteht in der Anlage eines Werks als Echo. Stilistisch ist die rekonstruierte Bürgy-Orgel der Schlosskirche dem Spätbarock verpflichtet.

von Sabine Münstermann

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