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Die Kurstadt hat das Feiern nicht verlernt

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Von: Harald Konopatzki

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Endlich wieder Laternenfest, endlich wieder Umzug: Der Tross aus liebevoll gestalteten Festwagen und motivierten Fußgruppen schob sich am Samstagabend aus Kirdorf in Richtung Innenstadt.
Endlich wieder Laternenfest, endlich wieder Umzug: Der Tross aus liebevoll gestalteten Festwagen und motivierten Fußgruppen schob sich am Samstagabend aus Kirdorf in Richtung Innenstadt. © jp

Laternenfest mobilisiert die Bürger und zieht Zehntausende Besucher in die Stadt

Bad Homburg -Es war eine gelungene Musikauswahl, die da kurz vor der Eröffnung des Laternenfests am Freitag die Bushaltestelle am Kurhaus beschallte: „Hello Again“ schmetterte Howard Carpendale über den Platz, während sich die ersten Besucher bereits über die Rückkehr des Laternenfests freuten. So wäre „Hello Again“ sicher auch ein gutes Motto für das Fest gewesen, so standen nicht nur die beiden Züge, sondern die Regentschaft von Lisa I. unter dem ebenso passenden Titel: „Es geht wieder los!“ Und angesichts des Mottos ist ein Musikwunsch für das heute Abend von 21.15 Uhr an anstehende Finale des Fests gesetzt. Sang Roland Kaiser doch einst: „Ich glaub, es geht schon wieder los. Und wird auch nie vorbei sein, wenn man so die Lust auf Leben spürt.“

Diese „Lust auf Leben“ war am Wochenende in der Tat allerorten spürbar. Etwa durch die Gerüche, die das spontane Bedürfnis weckten, solidarisch möglichst allen Gastronomen dabei zu helfen, die Einnahmeausfälle der Vorjahre zu kompensieren. Dass die Preissteigerungen auch vor der Festmeile nicht halt machen, konnte man sich schön rechnen. Schließlich kostete eine Bratwurst auch vor Corona schon so viel wie zwei Liter Super . . .

Gleiches gilt für die Fahrgeschäfte: Klar sind die Preise gestiegen, zum Teil deutlich. Andererseits ist die Feststimmung nach der langen Pause, um die Werbung einer Kreditkartenfirma aufzugreifen, unbezahlbar. Manchen Kindern merkte man an, dass es ihr erstes großes Fest überhaupt ist - ihnen gingen die Augen über. Strahlen lag aber in den Augen manchen Seniors: Ja, es geht tatsächlich wieder los - und das in unsicheren Zeiten.

Unbeschwert durchatmen

Vielleicht ist das sogar ein Teil des Erfolgsrezepts des Laternenfests 2022: Noch mal einen unbeschwerten Moment genießen, bevor es um Energiepreissteigerungen, Sparmaßnahmen und vielleicht wieder um Corona gehen muss. Was letzteres betraf, hatten die Organisatoren bewusst einige Lücken im Festgeschehen gelassen, um zu entzerren. Doch der Platz wurde schnell gefüllt. Bekanntes und schmerzlich Vermisstes wie die Tombola der Lions, das Riesenrad, Kettenkarussell oder die Knobi-Windmühle vor der Deutschen Bank mischte sich mit Neuem - herausragendes Beispiel der 80 Meter hohe und abends schön beleuchtete Freefall-Tower auf dem Festplatz als weithin sichtbare Orientierung Angesichts des beeindruckenden Lichtermeers mag sich schon mancher Besucher gefragt haben, was sich schneller dreht: die Berg- und Talbahn oder der Stromzähler. Für ein Wochenende dürfen die Gedanken weggeschoben werden - ein Durchatmen ist bitter nötig, um Energie zu tanken.

Energiegeladener Umzug

Diese „regenerative“ Energie war auch beim großen Umzug am Samstagabend spürbar, zu dem sich viele Besucher aufmachten. Auch hier ging es um das, was nach dem Höhepunkt der Pandemie wieder möglich ist - was wieder losgehen konnte. Motivierte Mannschaften, liebevoll gestaltete Wagen bildeten eine perfekte Mischung. Musikzüge, Tanzgarden - was haben sie gefehlt. Das Lächeln der winkenden Zuschauer wurde gespiegelt. Ganz klar: Auch die Gruppen haben solche Auftritte vermisst.

Es sind die Details, die den Zug besonders machen. Am Wagen der IKF etwa das kleine, fast unscheinbare Schild mit geschwungener Schrift, das einst an vielen Karussells hing, von den Kirdorfern jedoch ergänzt wurde: „Junger Mann zum Mitreisen und Apfelernten gesucht“.

Die Besucher durften sich über beeindruckende Wagen freuen. So zauberte der Betriebshof („Endlich Urlaub“) eine überlange Strandlandschaft auf die Straße, der Förderverein der Landgraf-Ludwig-Schule fuhr die nachgebaute Schule durch die Gegend und die HTG strampelte sich unter dem Motto „Ein Tag im Fitnessstudio“ ordentlich ab. Besonderen Applaus bekam der Eintracht-Fan-Club Adler mit seinem Wagen „Ein Tag im Stadion“ - hatte die SGE im Waldstadion doch kaum keine Stunde vor dem Zug-Start die Leipziger 4:0 vom Platz gefegt. Freuen darf sich nicht nur der Laternenfestverein, deren sichtlich erleichterte Vertreter beim Umzug auch den letzten Wagen („Das Laternchen leuchtet überall hinein“) stellten. Auch Laternenkönigin Lisa I., die mit ihrem Festwagen die Mitte des Zugs bildete und von den Zuschauern gefeiert wurde: Ihre Regentschaft steht unter einem guten Stern - es herrschte sogar so viel Normalität, dass trotz des Dürresommers sogar der typische Laternenfest-Regen am Samstagmittag ein kurzes und vornehm zurückhaltendes Gastspiel gab.

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