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Die Meister von morgen

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Von: Brigitte Gaiser

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Musik im Blut: Koga Trio mit Pei-Hsin Kuo (Violine), Yingzhe Zheng (Cello) und Tahiti Koga (Klavier) beim diesjährigen Kammermusik-Workshop.
Musik im Blut: Koga Trio mit Pei-Hsin Kuo (Violine), Yingzhe Zheng (Cello) und Tahiti Koga (Klavier) beim diesjährigen Kammermusik-Workshop. © BRIGITTE GAISER

In den Kammermusik-Workshops zeigt der Nachwuchs sein Können.

Bad Homburg -In der Landgrafenloge der Schlosskirche ist, wie in jedem Jahr im November, das Tonstudio aufgebaut, das Christian Starke als Dozent, diplomierter Tonmeister und Cellist aus München, mitbringt. Im Saal und auf den Treppen stehen Mikrofone, überall liegen Kabel. Der große Konzertflügel steht in der Mitte, davor die Stühle für die Streicher. Alles ist bereit und wartet nun auf die zehn Ensembles, die sich zum diesjährigen Meisterkurs angemeldet haben.

Pünktlich um 10 Uhr am Montag hörte man schon von draußen im Schlosshof, wie sorgfältig eingestimmt wurde. Das Raròn-Quartett saß bereit, jeder spielte dann etwas für sich, eine schwere Passage etwa, um die Finger richtig warm und geschmeidig zu bekommen. Carolin Grün und Hans Henning Ernst (Violine), Anna Boida (Viola) und Joachim Jamaer (Violoncello) hatten bereits intensiv am 1. Streichquartett op. 5 von Darius Milhaud studiert und geübt und wollten nun im Kurs den ersten Satz des Werks weiter ausarbeiten. Sie setzten ein, kraftvoll, routiniert, mutig auch in der noch unbekannten Akustik des Raums. In der Loge lief die Aufnahme. Das ist auch das Einzigartige an diesem Meisterkurs, dass er den Studenten die Möglichkeit bietet, das eben Gespielte anzuhören und gemeinsam weiter auszufeilen. Dazu gibt es am Ende der Woche für jedes Ensemble eine CD für die weitere Arbeit. Hochauflösend nun die Wiedergabe, alle machten sich Notizen in ihren Noten für anschließende Anmerkungen und Fragen. Zuerst äußerten sie sich selbst, sprachen offen Lob und Kritik an vielen Details aus und hörten die Hinweise der Dozenten Tim Vogler (Violine) und Angelika Merkle (Klavier), beide Professoren für Kammermusik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt. Auch der Tonmeister hielt viele Anregungen bereit. Würde es gelingen, die Hinweise direkt umzusetzen? Das sollte die nächste Einspielung zeigen. Drei Stunden standen für die Arbeit zur Verfügung und man konnte erleben, wie sich die Interpretation in vielen Feinheiten veränderte.

Fabrik Quartett nennen Federico Ceppetelli und Adam Woodward (Violine), Jacobo Díaz Robledillo (Viola) und Elena Cappelletti (Violoncello) ihr Ensemble. Sie studieren im Master-Studiengang Kammermusik für Neue Musik und brachten das Streichquartett Nr. 2 op. 10 von Wolfgang Rihm und Fünf Sätze op. 5 von Anton Webern zur Bearbeitung mit. Schwere Kost ist das für den ungeübten Zuhörer, doch die Studenten gingen souverän mit Notentext, Aufnahme und Arbeit an den Feinheiten um. Die Ausgewogenheit im Zusammenklang der vier Stimmen und die Intonation bleiben große Themen.

An der Interpretation des Klaviertrios Nr. 2 e-Moll op. 67 von Dimitri Schostakowitsch arbeitete am Mittwochnachmittag das Koga Trio mit Pei-Hsin Kuo (Violine), Yingzhe Zheng (Violoncello) und Taiji Koga (Klavier). Voll Kraft und jugendlichem Elan spielen sie den zweiten und dritten Satz. Sehr viele Emotionen werden hier ausgedrückt, Schostakowitsch hat das Werk für seinen jung verstorbenen Freund komponiert. Auch hier ging es um Intonation und die weitere Gestaltung durch Dynamik. Eine besonders wichtige Frage war für Professor Angelika Merkle: Wie bekommt man stärkste Intensität in fortlaufende Achtelpassagen ohne die Dynamik immer weiter zu steigern?

Mit jedem Tag der Woche wuchs die Spannung auf das Abschlusskonzert am Samstag, 26. November, um 17.30 Uhr in der Schlosskirche. Welche Ensembles werden spielen? Welches wird den Förderpreis gewinnen, welches den Gedächtnispreis?

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