1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Bad Homburg

Die Volksverbundenheit sollte glühen

Erstellt:

Kommentare

Laternenfest-Umzug 1957: Renate I. fährt auf ihrem Wagen durch die jubelnde Menge.
Laternenfest-Umzug 1957: Renate I. fährt auf ihrem Wagen durch die jubelnde Menge. © Stadtarchiv

Heute vor 60 Jahren starb Paul Grützner, Komponist des Laternenfest-Lieds

Bad Homburg -Paul Grützner war ein künstlerischer Tausendsassa: Er spielte Violine, Flöte, Klavier und Schlagzeug und war in der Bad Homburger Kurkapelle der Meister am Xylofon. Darüber hinaus schrieb er zahlreiche Gedichte über die Kurstadt sowie den Taunus und komponierte Lieder, zu denen er auch die Texte selbst schrieb. 1935, als das erste Laternenfest in Bad Homburg stattfand, verfasste er das Laternenfest-Lied, das bis heute immer wieder gespielt wird und seitdem seinen Namen untrennbar mit dem Homburger Heimatfest verbindet. Vor 60 Jahren, am 27. August 1962, starb Paul Grützner mit 91 Jahren - nur vier Tage, bevor das von ihm so geliebte Laternenfest in jenem Jahr begann.

Paul Grützner kam am 26. Dezember 1871 in Gassen in Brandenburg zur Welt. Nach dem Ende seiner Schulzeit und einer Ausbildung arbeitete er in verschiedenen Orchestern des damaligen Kaiserreiches, im Sommer meist in Kurensembles, im Winter in Symphonieorchestern. 1895 erhielt er in Nürnberg sein erstes Dauer-Engagement, von wo er aber bereits vier Jahre später zusammen mit seiner Frau Elisabeth nach Homburg wechselte.

Hier gehörte er über 30 Jahre lang dem Städtischen Kur- und Theaterorchester an und spielte auch - wenn ein zweiter Mann an den Schlaginstrumenten gebraucht wurde - im früheren Bad Homburger Symphonieorchester mit.

Musik für Karneval und Autorennen

Paul Grützner liebte seine Wahlheimat, und die Bad Homburger liebten ihn - für viele war er einfach nur das "Paulchen". Als am 10. Februar 1902 mit dem Nasenverein der erste Fastnachtsverein der Kurstadt gegründet worden war, gehörte Grützner zu den Gründungsmitgliedern. Für den Verein, der sich 1937 in "Homburger Carneval-Verein 1902" (HCV) umbenannte, schrieb er den "Urfidelen Karnevalsmarsch", der auch auf die damals modernen Schellackplatten gepresst wurde und später in der närrischen Zeit oft im Radioprogramm des Hessischen Rundfunks zu hören war.

Als 1904 das internationale Gordon-Bennett-Autorennen im Taunus mit Start- und Zielpunkt Saalburg stattfand, komponierte Paul Grützner einen Marsch, der zur musikalischen Umrahmung des Rennens gespielt wurde. Und für den Gemeinschaftskreis "Alt-Homburg", der am 21. März 1958 gegründet wurde und seit einigen Jahren "Unser Homburg" heißt, schrieb er immer wieder Gedichte und das Lied "Alt-Homburg."

Im Juni 1907 eröffnete Paul Grützner zusammen mit seiner Frau Elisabeth in der Haingasse das "Musikhaus Grützner". Später verlegte er das Geschäft in die Louisenstraße 70. Konnten dort zunächst "nur" Noten und Musikinstrumente gekauft werden, kamen in späteren Jahren Schallplatten und Plattenspieler zum Sortiment des Geschäfts dazu, das Grützner bis 1957 führte und dann seinem Sohn Friedrich übergab.

Mutmachende Zeilen in schlechten Zeiten

Zu Beginn der 1930er Jahr litt die Welt unter der Wirtschaftskrise, die im Oktober 1929 mit dem großen Börsen-Crash in New York begonnen hatte. Da vor allem auch das Gastronomiegewerbe mit teilweise existenzbedrohenden Folgen kämpfen musste, bildete sich 1934 in Bad Homburg eine Arbeitsgemeinschaft, in der Hoteliers, Gastwirte, der damalige Bürgermeister Erich Meusel sowie der Geschäftsführer des Kur- und Verkehrsvereins vertreten waren.

Ziel der Arbeitsgemeinschaft war es, der darniederliegenden Branche mit längerfristigen Maßnahmen und Aktionen unter die Arme zu greifen. Dabei entstand die Idee des Laternenfests. Einer der Höhepunkte sollte ein eigens für das Fest komponiertes Lied werden, für das der Kur- und Verkehrsverein als Veranstalter einen Wettbewerb initiierte.

Unter den zahlreichen Einsendungen wurde schließlich das "Bad Homburger Laternenfest-Lied" von Paul Grützner als Sieger-Lied ausgesucht. Zu der eingängigen Melodie hatte der Bad Homburger Komponist mutmachende Zeilen gegen die schlechte wirtschaftliche Zeit geschrieben: Sorgen und Mühen, so heißt es in den fünf Strophen des Liedes, sollen durch das Laternenfest abgeschüttelt und den schlechten Tagen solle der Rest gegeben werden. "Auf geht's zu besseren Tagen", textete Grützner (den gesamten Text lesen Sie in der Box).

Und auch wenn das Laternenfest nur drei Tage dauere und der Geldbeutel "gähnend leer und schlapp" sei, sollen Freude und Ausgelassenheit während des Festes sprudeln und die Volksverbundenheit "glüh'n". Jede Strophe endet mit dem Kehrreim "Das Laternchen, das Laternchen leuchtet überall hinein, das Laternchen, das Laternchen soll uns Jahr um Jahr erfreuen."

Schnell wurde das Lied bei der Bad Homburger Bevölkerung bekannt. Viele Kinder lernten es im Musikunterricht in ihren Schulen. Und als am Samstag, 28. September 1935, das erste Bad Homburger Laternenfest mit dem Motto "Homburg im Licht" mit 18 Böllerschüssen vom Weißen Turm aus eröffnet worden war, wurde in den nachfolgenden Festtagen das vielzitierte Lied von Paul Grützner immer wieder gespielt und gesungen.

Auch interessant

Kommentare