Finanzamt Bad Homburg

Diese Frau hat nun die Steueraufsicht über 250 Millionäre

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Zuletzt war die gebürtige Niedersächsin Vorsteherin des Finanzamtes Frankfurt III. Seit Februar leitet sie inoffiziell die größere und, was das Steueraufkommen betrifft, besondere Behörde für den Hochtaunuskreis. Gestern wurde sie offiziell ins Amt eingeführt. Doch sie kennt sich in Bad Homburg bereits aus.

Der hessische Finanzminister, Landrat, OB im Kurhaus; der große Saal voller dunkler Anzüge; zehn Ansprachen – nicht zuletzt an diesen Dingen war abzulesen, wie wichtig diese Personalie ist. Claudia Riechert, zuletzt Vorsteherin des Finanzamtes Frankfurt III, tritt die Nachfolge von Dr. Kai Wieczorek an, der acht Jahre lang Vorsteher der Bad Homburger Steuerbehörde war. Ein halbes Jahr lang war sie seine ständige Vertreterin – und traurig, im Dezember 2010 der Kurstadt den Rücken zuzukehren. Dass sie hier einmal die Chefin sein würde, hätte sie sich damals nicht träumen lassen.

Doch die 54-Jährige ist genau die Richtige für dieses wichtige Amt – das ging aus allen Redebeiträgen hervor. Sie bringe „großes steuerliches Wissen, Erfahrung und soziale Kompetenzen“ mit, sagte Wieczorek. Sie verfüge über „Flexibilität und Einfühlungsvermögen – das braucht man, um ein Amt in dieser Größenordnung zu führen“, so Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU). Auch ein Vertreter der Steuerberaterkammer verlor lobende Worte für die neue Vorsteherin.

Das Finanzamt Bad Homburg mit seinen 500 Mitarbeitern ist für rund 230 000 Bürger im Hochtaunuskreis zuständig. Steuerpflichtig sind davon mehr als 100 000. Das Steueraufkommen betrug im Jahr 2017 fast 3,2 Milliarden Euro – das ist fast doppelt so viel wie der hessische Finanzamtsdurchschnitt. Die Kaufkraft im Kreis – allen voran in Bad Homburg, Kronberg und Königstein – ist eine der höchsten in Deutschland. 250 Millionäre leben rund um den Feldberg. Hier wurde und wird richtig Geld verdient.

Umso wichtiger, dass der Staat seinen rechtmäßigen Anteil davon bekommt – denn im Taunus sei es schön, aber das Anspruchsdenken seiner Einwohner an die öffentliche Infrastruktur sei auch hoch, wie Landrat Ulrich Krebs (CDU) anmerkte.

Verschiedene Herausforderungen warten auf die neue Vorsteherin: Die Steuergesetze würden immer komplexer, die Sachverhalte aber nicht weniger, wie Riecherts Vertreter Friedhelm Dippel skizzierte. Die neue Vorsteherin sei eine „ausgewiesene Steuerexpertin mit Herz“ – das habe sie schon gezeigt. Sie könne sicher sein, ihre Mitarbeiter hinter sich zu haben.

Sehr viele von diesen wird Riechert in nächster Zeit in den Ruhestand verabschieden müssen. Diesem bevorstehenden Aderlass hat die hessische Finanzbehörde vorgebeugt, indem sie derzeit rund 700 junge Menschen zu Steuerfachleuten ausbildet – ein beträchtlicher Teil von ihnen werde wohl künftig in der Kurstadt arbeiten, so der Finanzminister. 72 Azubis hat das Homburger Amt momentan schon, 53 davon absolvieren ein Duales Studium. „Die große Konkurrenzsituation im Ballungsraum erschwert uns, wie anderen Arbeitgebern auch, die Nachwuchsgewinnung“, erklärt die Vorsteherin. Daher setzt die Behörde zunehmend auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beziehungsweise Pflege.

Nicht weniger als 13 Stationen hat Claudia Riechert in ihrem Beruf hinter sich. Die gebürtige Niedersächsin ist seit 1996 im höheren Dienst in der hessischen Finanzverwaltung, war seither in verschiedenen Finanzämtern, der Oberfinanzdirektion und dem Finanzministerium in diversen Funktionen tätig. 2011 nahm sie erstmalig auf dem Chefsessel Platz – dem des Finanzamts Alsfeld-Lauterbach, das sie drei Jahre lang leitete. Von Januar 2014 bis April 2018 war sie Vorsteherin des Finanzamts Frankfurt am Main III. Dort war sie für Körperschaften, also Unternehmen, zuständig.

Die Homburger Behörde (siehe auch Text unten) ist größer, der Verantwortungsbereich vielfältiger. Riechert weiß, dass Digitalisierung und demografischer Wandel Veränderungen bringen werden – und Druck auf die Mitarbeiter. „Ihr PC erkennt vieles, aber noch nicht, wie es Ihnen geht“, sagte sie. „Achten Sie auf sich und Ihre Kollegen.“ Auch Fehler könne, solle man ansprechen. „Nobody is perfect“, sagt die 54-Jährige im Gespräch. Das sei eines ihrer Lebensmotti – ein anderes sei, dass es gesünder sei, sich zu wundern als sich zu ärgern.

Zahlreiche Mitarbeiter waren zu ihrer Einführung gekommen. An sie gewandt, sagte sie, mit Blick auf die zu hebenden Steuermillionen: „Denken Sie immer daran: Wir sind die Guten.“

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