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Bad Homburg,Sanierungsarbeiten im Rathaus

Drei Schadstoffarten gefunden

Dieses Rathaus ist eine Baustelle - Sanierung bei laufendem Betrieb

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Seit einem guten Jahr ist das Bad Homburger Rathaus eine Baustelle. Die veranschlagten 18 Millionen Euro werden nicht ausreichen, denn im Verwaltungssitz wurden gleich mehrere Schadstoffarten gefunden. Das erfordert eine ausgeklügelte Logistik.

Seit mehr als einem Jahr präsentiert sich das Bad Homburger Rathaus im Gerüstkleid. Anfang Mai 2017 hat Hausbesitzer Werner Wicker damit begonnen, das in die Jahre gekommene Gebäude grundlegend zu sanieren – bei laufendem Betrieb für die dort ansässige Stadtverwaltung (siehe Infokasten unten rechts).

Dabei gehen die Bauarbeiter Stockwerk für Stockwerk vor. Die vierte (Chef-)Etage ist bereits seit Dezember fertig, in den dritten Stock durften die Verwaltungsmitarbeiter – unter anderem sitzen hier die Fachbereiche Finanzen und ÖPNV – vor knapp vier Wochen wieder einziehen. Es riecht nach neuen Baumaterialien, durch Glaswände hinter bequemen Wartesofas kann man direkt in einen Sitzungsraum hineinschauen.

Glas heißt aber nicht heiß, im Gegenteil: Dank „automatischer Nachtauskühlung“ öffnet und schließt sich automatisch ein gekipptes Fenster, sobald eine bestimmte Temperatur im Raum erreicht ist. Sind 18 Grad erreicht, gehen die Jalousien herunter. Und befindet sich niemand im Raum – was durch einen Bewegungsmelder erkannt wird –, wird im Winter die Heizung gedrosselt. „Wir werden künftig die Hälfte der Heizkosten sparen“, erklärt Willi Flecken. Der Fachmann für technische Dinge hat gemeinsam mit Karl-Ernst Schenk, Verwaltungsleiter der Habichtswald-Klinik in Kassel, für Werner Wicker auch die Baustelle im Bad Homburger Rathaus im Blick. Noch deutlicher werde sich die Umstellung auf LED-Leuchten finanziell bemerkbar machen.

Strahlend rot glänzt im Gang des bereits sanierten Stockwerks der Linoleum-Boden, der den alten, armeegrünen Teppich ersetzt. „Der stammte noch aus der Einzugsphase“, erklärt Schenk. Der Teppich hat dem Bauherrn schon einiges an Ärger eingebracht. In seinem Kleber steckt Asbest. Deshalb mussten nun aus allen Stockwerken sämtliche Zwischenwände ausgebaut werden, die man zur Abtrennung der einzelnen Büros nach der Sanierung gerade wieder so hätte brauchen können.

Und es gab weitere böse Überraschungen: In den alten Decken und Wänden stecken künstliche Mineralfasern (KMF) und in den Dehnfugen der Fenster wurden als Weichmacher polychlorierte Biphenyle (PCB) verwendet. „Alles, was wir an Schadstoffen haben können, haben wir hier“, resümiert Schenk. Somit werden die 18 Millionen Euro, die Wicker für den Umbau eingeplant hat, wohl nicht reichen. Schenk rechnet mit zwei oder drei Millionen Euro zusätzlich.

Also ein

Kampf an drei Fronten

, dessen Entsorgung geordnet abläuft. Ausgebaut wird es in hermetisch abgesperrten Bereichen; für Asbest gibt es extra Fachleute, schwarz gekleidet. Der Schutt mit den gesundheitsschädlichen Silikat-Mineralen wird in geschlossenen Containern durch die Baustelle zu einem am Rathausplatz außen angebrachten Bauaufzug befördert, der alle Materialien transportiert. Derzeit wird im zweiten Stock gearbeitet. Um voranzukommen, ist die Etage in drei Bereiche aufgeteilt: Während hinten schadstoffhaltige Teile ausgebaut werden, platzieren andere Arbeiter vorne schon die neuen Trockenbauwände im Raum. Im Oktober soll die Etage ebenfalls bezugsfertig sein.

Etwa 70 Arbeiter sind gleichzeitig auf der Baustelle zugange. Gegen Ende, wenn weitere Gewerke im Einsatz sind, werden es an die 100 sein. Aber das dauert noch: Kommendes Jahr will Wicker das Rathaus fertig haben. Wegen der Schadstoffentsorgung dürfte es nun eher Sommer werden, glauben Schenk und Flecken. Als Nächstes kommt im Herbst der erste Stock dran. Dort ist viel Publikumsverkehr; noch sieht es dort aus wie immer. Nach der Sanierung wird nur noch ein Drittel der Stadtverwaltung zur Verfügung stehen, rund 1300 Quadratmeter werden fremdvermietet – etwa an Arztpraxen. Das Sitzungszimmer 133 wird den Lokalpolitikern erhalten bleiben, ebenso ihre Fraktionszimmer. Auch der Stadtladen im Erdgeschoss wird renoviert, außerdem erhält er eine neue Einrichtung und Struktur.

Am Ende werden der Verwaltung statt 9050 nur noch 7480 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Einige Fachbereiche, etwa Kultur und Bildung sowie der Personalrat, sind ins Technische Rathaus in der Bahnhofstraße umgezogen. Dort gebe es keine freien Räume mehr, weiß Cornelia Henrizi-Freund, Leiterin des Bereichs Organisation. Sie hat für die Bauphase ein System ausgeklügelt, wie alle Mitarbeiter vorübergehend Platz finden.

An der äußeren Optik des Rathauses wird sich nicht viel ändern. Es gibt neue Fenster, die Fassade wird lediglich gesäubert. „Eine bessere könnten wir gar nicht bauen“, so Schenk.

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