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"Disziplin im Kurpark hat nachgelassen"

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Von: Anke Hillebrecht

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Halt! Zwei Stadtpolizisten halten auf der Brunnenallee eine Radlerin an. Das Radfahren ist im Kurpark verboten. In nächster Zeit wollen die Ordnungshüter mehr Präsenz zeigen.
Halt! Zwei Stadtpolizisten halten auf der Brunnenallee eine Radlerin an. Das Radfahren ist im Kurpark verboten. In nächster Zeit wollen die Ordnungshüter mehr Präsenz zeigen. © ahi

Stadtpolizei auf Kontrollgang wegen mehr unerlaubten Radfahrens - Kur hat neue Info-Flyer zu erlaubten Routen aufgelegt

Bad Homburg -Der Mann scheint sich keines Fehlers bewusst zu sein. Schnittig biegt er mit seinem Fahrrad um die Ecke der Orangerie, einen Anhänger mit zwei Kleinkindern im Schlepptau. Gerade so hat er die beiden Ordnungspolizisten verpasst, die an diesem Vormittag speziell zur Kontrolle etwaiger regelwidriger Radfahrer auf die Brunnenallee kommen. Die nächste Stunde jedoch gibt es erst mal niemanden zu erwischen. Der Kurpark gehört den Fußgängern - so, wie es sein soll.

Doch das dürfte an der Ferienzeit, vielleicht auch an der Wärme liegen. Normalerweise seien auf den verschlungenen, geschotterten Wegen durchaus Radfahrer unterwegs, erklärt Kurdirektor Holger Reuter. "In der Corona-Zeit, speziell seit etwas mehr als einem Jahr, hat die Disziplin bei vielen Leuten nachgelassen." Das gesellschaftliche Leben und das Anspruchsdenken der Menschen hätten sich verändert, "und Radfahren im Kurpark gehört dazu."

Selbst beim Wimbledon-Turnier sei so mancher durch die Menschenmengen zwischen den Ständen im "Village" geradelt, erinnert sich Reuter an den Juni. Gerade die breite Brunnenallee mit ihrer historischen Pflasterung in der Mitte wirkt einladend, nach dem Motto: Hier bleibt Fußgängern doch genug Platz . .

Ertappte werden zuweilen unflätig

Viele Städte wie auch Bad Homburg schaffen im öffentlichen Raum mehr Platz für den Fahrradverkehr. Die wachsende Zahl an Radlern bekommt mehr Rechte - dass es aber auch Bereiche gibt, in denen das Fahren nicht erwünscht ist, ist manchen womöglich nicht bewusst. Andere setzen sich darüber hinweg. Fakt ist aber: Radfahren ist im Kurpark verboten, worauf auch auf diskreten Schildern an dessen Eingängen hingewiesen wird. Der denkmalgeschützte Kurpark wurde als therapeutischer Landschaftspark angelegt, und noch heute dient er der Ruhe und Erholung. Etliche Patienten der ansässigen Kurkliniken sind hier nach der Hüft- oder Knie-OP unsicher mit Krücken unterwegs.

Nicht nur, so Reuter, dass zuletzt verstärkt gegen das Verbot verstoßen werde. Deshalb seien bei der Kur- und Kongreß-GmbH einige Beschwerden eingegangen. Auch würden die eingesetzte Parkwache oder der Sicherheitsdienst, wenn sie die Radler ansprechen, immer wieder unflätig angegangen. Der Kurdirektor selbst musste sich von den Ertappten schon einiges anhören.

Deshalb hat er jetzt "in Absprache mit dem Oberbürgermeister und der Ordnungsdezernentin" Ordnungspolizisten der Stadt angefordert, die an zwei "Präsenztagen" für das Thema "sensibilisieren" sollen. "Wir wollen ja nicht gleich mit der Verbotskeule kommen", räumt Reuter ein. An zwei weiteren Tagen Ende August soll es dann allerdings doch noch mal konkret zur Sache gehen. Erneut werden zwei Stadtpolizisten im Kurpark unterwegs sein - und dann wird das Radfahren dort teuer. "Denn die Stadtpolizisten dürfen auch Knöllchen verteilen", betont Reuter.

Gestern jedoch waren die städtischen Mitarbeiter noch sehr entspannt, auch wenn sie durchaus rigide wirken mit ihrer Uniform, strengem Blick und der dunklen Sonnenbrille. 50 Euro kostet es, wenn man von ihnen im Kurpark auf dem Fahrrad erwischt wird. Die Stadtpolizisten streifen aber auch an anderen Tagen präventiv durch den Park, ebenso wie durch die Fußgängerzone, wo das Radeln tagsüber auch nicht gestattet ist. Im Park reichen die Vergehen "vom Entenfüttern über den nicht angeleinten Hund bis hin zur Ruhestörung", wie einer der Stadtpolizisten berichtet.

Der Kurdirektor betont, dass der Bad Homburger Kurpark der einzige Kurpark in Deutschland sei, in dem Radfahren erlaubt sei - auf festgelegten Strecken am Rand. Diese sind in einem neuen Informationsblatt aufgeführt, das die Kur nun herausgegeben hat. Es liegt unter anderem im Kurhaus zum Mitnehmen aus.

Diese Routen sind erlaubt

Im neuen Info-Blatt zeigt eine Grafik, wo man legal im Kurpark Rad fahren kann. So ist es möglich, am nördlichen Rande des Kurparks die ganze Strecke zwischen Gonzenheim und Kirdorf und zurück im Grünen zurückzulegen. Der ausgewiesene Radweg beginnt im Osten hinter der Taunus Therme; an der Augustaallee muss man ein Stück nach rechts fahren, kurz darauf geht es links wieder in den Park hinein. Am Achtziger-Denkmal mit dem Löwen und am neuen Louisenbrunnen vorbei zum Kaiser-Wilhelms-Bad. Nun müssen Radler rechts zum Paul-Ehrlich-Weg, diesen überqueren und auf dem Rad- und Fußweg in Richtung Jubiläumspark fahren. In diesen darf man hinein; der Jenny-Baumstark-Weg parallel zum Viktoriaweg ist für Radler offen. Wobei auch hier einige Patienten der nahen Reha-Klinik Dr. Baumstark auf Krücken unterwegs sind. Doch mit etwas Rücksichtnahme, geringem Tempo und viel Abstand geht das Miteinander gut. Zur Innenstadt geht es den Schwedenpfad hinauf.

Schilder an den Park-Eingängen weisen auf die Regeln hin.
Schilder an den Park-Eingängen weisen auf die Regeln hin. © ahi
Die erlaubten Routen zwischen Castillostraße (links) und Taunus Therme.
Die erlaubten Routen zwischen Castillostraße (links) und Taunus Therme. © tz

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