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Dribbeln, bremsen und zielen zu gleich

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Von: Katja Schuricht

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Die Zehntklässler hatten Spaß beim Austesten der Sportrollstühle und dem Körbewerfen.
Die Zehntklässler hatten Spaß beim Austesten der Sportrollstühle und dem Körbewerfen. © ksp

Jugendliche der HUS probieren Rollstuhl-Basketball aus - „Anspruchsvoll und herausfordernd“

Bad Homburg -Zwölf Rollstühle hat Lucas Warburton mitgebracht. Diese stellt der Trainer der Rollstuhl-Basketballmannschaft „Rhine River Rhinos“ aus Wiesbaden in der Turnhalle der Humboldtschule (HUS) ab. „Erst einmal lernt ihr das Handling, wie ihr mit dem Rollstuhl fahrt und bremst. Ihr müsst einhändig bremsen, denn mit der anderen Hand dribbelt oder werft ihr den Ball“, erklärt Warburton.

Der Trainer, der die Profis der ersten Bundesliga im Rollstuhlbasketball coacht, weiht die Schüler der Stufe 10 des Homburger Gymnasiums in die Geheimnisse des Rollstuhlbasketballs ein. Die Zehntklässler merken sofort, wie herausfordernd das Spielen im Sitzen ist. Der Rollstuhl als Sportgerät muss gelenkt werden. Dazu dann mit dem Basketball in der einen Hand dribbeln und den Spielverlauf beachten - dieses Zusammenspiel verlangt Geschick, Ausdauer und Koordination.

Profispieler zu Gast im Gymnasium

Die Jugendlichen hatten jetzt im Rahmen eines Workshops die Chance, den Sportrollstuhl als Sportgerät zu erleben und erste „Bewegungserfahrungen“ zu sammeln. „Der Sport dient heute dazu, andere Welten zu erleben“, sagt Warburton. Der Trainer der Bundesliga-Korbjäger „Rhine River Rinos“ aus Wiesbaden waren jetzt mit zweien seiner Spieler, Jim Palmer und Mojtaba Kamali, an der HUS zu Gast.

Ermöglicht hat das Rollstuhlbasketball-Projekt Jessica Orszak, die als Referendarin an der HUS Sport unterrichtet, gemeinsam mit Andreas Rech. Rech ist der Inklusionsbeauftragter der „Rhine River Rhinos“. Rech begleitet das Projekt, das unter dem Titel „Move it“ seit 2018, dank Unterstützung der Krankenkasse IKK Südwest, an Schulen unterwegs ist.

„Wir wollen möglichst viele Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen mit der inklusiven Sportart in Berührung bringen“, erklärt Rech. Jessica Orszak ist auf die „Rhine River Rhinos“ und „Move it“ durch ihre pädagogische Facharbeit in Berührung gekommen und war begeistert, als sie von „Move it“ gehört hatte.

Mit behinderten Athleten ins Gespräch kommen

„Es geht darum, dass Schüler mit dem Thema Inklusion in Berührung kommen“, erläutert sie. „Das ist ein wichtiges Thema. Denn an Gymnasien wird inklusive Bildung, anders als in Gesamtschulen, nicht im Schulalltag gelebt.“ Deshalb war es für sie besonders wichtig, die Schüler für das Thema zu sensibilisieren. „Uns geht es darum, ins Gespräch zu kommen“, sagt sie.

Ziel von „Move it“ sei, jungen Menschen an die Lebens- und Sportwelt behinderter Athleten heranzuführen, ihnen auf sportlich und spaßigen Weg die koordinativ anspruchsvolle, paralympische Sportart näherzubringen. Hemmschwellen soll es keine geben, die Jugendlichen dürfen Fragen rund um die Themen „Behinderung“ und „Rollstuhlbasketball“ in einer lockeren und entspannten Atmosphäre stellen.

„Mein Eindruck war sofort, dass die Schüler mit dem Thema Behinderung keinerlei Berührungsängste haben“, berichtet Orszak. „Eher eine Hemmschwelle war es für einige, in der Fragerunde mit den Athleten Englisch zu sprechen“, meint die Pädagogin. „Einige Spieler stammen aus dem englischsprachigem Raum.“

Einer von ihnen ist der Brite Jim Palmer. „Ich bin stolz auf mein Leben und blicke optisch in die Zukunft. Dass ich auf den Rollstuhl angewiesen bin, kann ich nicht ändern“, erklärt der Athlet und berichtet aus seinem Alltag. Vier Stunden Sport stehen für die Mannschaft täglich auf dem Programm. „Wir machen vor allem Kraft. Und Taktiktraining“, fügt der 25-Jährige hinzu. Jim Palmers Botschaft lautet: „Geht raus, interessiert euch für unseren Sport. Beginnt, über Behindertensport zu sprechen, denn der ist genauso spannend wie jeder andere Sport.“

Die Schülerinnen und Schüler scheinen beeindruckt. „Selbst im Sportrollstuhl zu sitzen war sehr interessant, da wir uns richtig in die Spieler hineinfühlen konnten“, sagt Irmak (16). „Der aktive Teil des Workshops war anspruchsvoll“, meint Konrad (15). Beide finden: Das Thema sollte stärker in Schulen thematisiert werden. „Das hilft, Vorurteile abzubauen“, so Irmak. „Denn viele denken sicher, dass Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, in allem eingeschränkt sind. Dass das nicht stimmen muss, haben wir jetzt erlebt“, sagt sie. „Die Sportler haben ihnen ihre Stärke und ihren Lebensmut vermittelt. Das ist für uns alle eine große Bereicherung gewesen“, so das Fazit von Jessica Orszak.

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