+
Der ehemalige Schulleiter Gerfried Stein ist noch immer wegen seiner unterhaltsamen und informativen Führungen durch das Gymnasium geschätzt.

Kaiser-Friedrich-Gymnasium

Der ehemalige Schulleiter Gerfried Stein erzählt über die Geschichte der Schule

  • schließen

Das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium ist seit 1550 prägende Bildungsinstitution in der Kurstadt. Der ehemalige Schulleiter Gerfried Stein hat seine komplette Dienstzeit hier verbracht. In fast 40 Jahren hat er alles Mögliche abgespeichert. Weil er noch heute gerne an den Ort seines Wirkens zurückkehrt, führt er regelmäßig ehemalige Abiturienten durch ihre alte Schule.

Eine Führung mit Gerfried Stein durch das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium (KFG) ist ein Erlebnis der besonderen Art. Der ehemalige Schulleiter ruft mit seinen 78 Jahren aus seinem Gedächtnis Geschichte und Geschichten aus der Lehranstalt ab. Die bilden einerseits den Wandel im Bildungssystem ab, andererseits zeigen sie, wie sehr er seinen Beruf geliebt hat.

Wäre er bei den ehemaligen Schülern nicht so beliebt gewesen, würden die wohl nicht immer wieder dann, wenn wieder mal ein rundes Abi-Jubiläum ansteht, mit ihm durch die Schule wandeln. Seine Führungen sind eigentlich Inszenierungen aus einer Mischung von Information und Unterhaltung. Für einen Fabulierer spricht er eigentlich zu schnell. Trotzdem kann man ihm hervorragend zuhören, weil er wie ein Kabarettist seine Ausführungen an den richtigen Stellen mit Ironie unterlegt.

Er erzählt aus der Gründungszeit, als der Homburger städtischen Volksschule eine Lateinschule angegliedert wurde, fast so, als wäre er selbst dabei gewesen. Als Geschichtslehrer wird er so den Schülern auch andere Themen nähergebracht haben.

Der Blick zurück vom Beginn seiner Referendarzeit im Jahr 1967 bis zu seiner Pensionierung 2006 ist für ihn wichtig, um die Entwicklung der Lehranstalt wirklich herauszuarbeiten. Die räumliche Erweiterung ist dabei nur eine Seite. Er erinnert sich noch an die beengten Verhältnisse im Lehrerzimmer, wo die Referendare keinen Anspruch auf einen Sitzplatz hatten. Nachdem 1971 der sogenannte Turm angebaut worden war, sollte sich noch mehr ändern. Das KFG sollte Gesamtschule werden, blieb dann aber Gymnasium. „Die Kaiserin, der Friedrich, das Gymnasium – so ist es sprachlich richtig“, sagt Stein augenzwinkernd.

Mit den räumlichen Erweiterungen verbesserte sich auch die Ausstattung, wuchs das Kollegium. Ein besonderes Anliegen war dem früheren Schulleiter das pädagogische Konzept der Einrichtung. Schon 1997 führte der Englischlehrer das bilinguale Angebot in der Oberstufe ein. Später wurden dann auch jüngere Schüler in Erdkunde und Geschichte auf Englisch unterrichtet. Doch Stein warnt auch davor, Kinder zu viel und zu schnell mit der Weltsprache zu konfrontieren. „In der Grundschule lernen die Schüler schnell und vergessen auch wieder schnell.“

Obwohl das KFG Vorreiter für G 8 war, sieht er die flächendeckende Umsetzung eher kritisch. Schon seit 1999 hatte Stein im KFG die Spitzenschüler aus den Regelklassen in einer Projektklasse unterrichten lassen. „18 Schulen in Hessen machten es nach, offiziell wurde G 8 im Schuljahr 2005/2006 eingeführt“, berichtet er. Inzwischen haben viele Schulen wieder auf G9 umgestellt. Dazu meint Stein: „Die Projektklasse hatte ihren Charme für diejenigen, die es konnten.“

Zur Inklusion hat der ehemalige Pädagoge eine klare Meinung. Er sagt: „Das macht Sinn bei körperlicher Behinderung.“ Problematisch hält er es für Behinderungen im psychischen Bereich. „Da werden die Betroffenen immer die Letzten sein“, ist er überzeugt. Vor allem in Klassen mit 33 Schülern könne die Inklusion nur fehlschlagen.

Apropos Schülerzahlen. Die sind laut Stein am KFG rückläufig. Aktuell seien es rund 1400 Schüler. Aus seiner Sicht sind 1200 Schüler ideal, nicht nur weil es immer sein Ziel war, alle mit Namen ansprechen zu können. Extrem zurückgegangen sei das Interesse an den alten Sprachen. Latein als erste Fremdsprache fülle nur noch eine halbe Klasse. „Altgriechisch existiert nur noch auf dem Papier“, sagt er und schmunzelt: „Vorbei sind auch die Zeiten als es für den Direktor eine eigene Toilette gab.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare