KFG-Container auf Gelände

Ehemalige Villa Goldschmidt nun unter Denkmalschutz

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Die Stadt hat ihr Ziel erreicht: Das frühere jüdische Sanatorium an der Unteren Terrassenstraße wurde unter Denkmalschutz gestellt. Welche Auswirkungen hat dies für das KFG?

Sieben Jahre lang haben die Denkmalschützer gekämpft; jetzt wurde das ehemalige Sanatorium Dr. Goldschmidt unter Denkmalschutz gestellt. Beim Hochtaunuskreis muss man nun umdenken. „Die Unterschutzstellung des Gebäudes hat uns schon überrascht“, so Kreissprecherin Andrea Nagell, „da das Landesamt für Denkmalpflege nach entsprechender Prüfung noch im Jahre 2010 davon ausging, dass das Gebäude nicht unter Denkmalschutz zu stellen ist.“

Der Kreis hatte das Gelände an der Unteren Terrassenstraße samt verfallener Villa erworben, um Platz für eine Erweiterung des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums (KFG) zu haben. 2009 beschloss die Stadt Bad Homburg eine Erhaltungssatzung, die sicherstellte, dass das bis dato ungeschützte Gebäude nicht abgerissen wird. Seither liegt das Gelände des früheren Bundesausgleichsamtes im Dornröschenschlaf.

Die Stadt beklagte immer wieder, dass der Kreis das historische Gebäude sehenden Auges verfallen lasse; der Kreis wies dann stets auf die Raumnot des benachbarten Gymnasiums hin. Die Zänkereien sind inzwischen verhallt – möglicherweise aus parteipolitischen Gründen.

Doch was kann der Kreis, der ja auch Schulträger ist, jetzt noch mit dem Gelände anfangen? Zumindest für den 2017 anstehenden Umbau des KFG-Oberstufengebäudes „Turm“ kann das Gelände rund um die Villa genutzt werden. Das habe das Landesdenkmalamt dem Kreis versichert, erklärt Kreissprecherin Nagell, „da sich die Denkmaleigenschaft nicht auf das gesamte Grundstück, sondern lediglich auf die Altbauten des Sanatoriums sowie den diesen vorgelagerten Parkbereich erstreckt“.

Die Planungen für die Sanierung des „Turms“ laufen auf Hochtouren. Während dieser Bauphase sollen die Oberstufenschüler in Containern unterrichtet werden, die für etwa ein Jahr auf dem Gelände aufgestellt werden sollen – der Bauantrag für das Containergebäude wird laut Nagell zurzeit vorbereitet.

Im Januar oder Februar, so KFG-Schulleiterin Heike Zinke, lägen die Architektenpläne für den „Turm“ vor. Zinke hofft, dass der Schule durch ein besseres Raumkonzept mehr Platz entsteht. Denn der ist dringend vonnöten: „Jetzt ist alles sehr geballt“, so Zinke. Die Bibliothek werde von vielen Schülern genutzt; sie müsse erweitert werden. Und die Hausaufgabenbetreuung findet derzeit in denselben Räumen statt, in denen vorher Unterricht war. „Für die Schüler wäre ein Tapetenwechsel gut“, so Zinke.

Welche „Nutzungen für die Liegenschaft insgesamt künftig möglich sind“, weiß man im Landratsamt derzeit noch nicht. Das soll laut Nagell „unter Einbeziehung des Landesdenkmalamtes im neuen Jahr geklärt werden“. Die Kreisverwaltung führe jedenfalls „die notwendigen Mindestmaßnahmen“ durch, „damit das Gebäude nicht weiter verfällt“.

Die Denkmalschützer in Stadt und Land müssen sich offenbar ebenfalls noch sortieren. Die genauen Gründe, warum die Villa Goldschmidt nun doch unter Denkmalschutz gestellt wurde, waren in den vergangenen Tagen nicht herauszufinden. Die Untere Denkmalbehörde bei der Stadt verwies auf das übergeordnete Amt in Wiesbaden; dort nannte man die Stadt als Ansprechpartner.

Gemeinsam mit dem Sanatorium Dr. Pariser (Mitschöpfer der Homburger Diät, heutiger Standort der Paul-Ehrlich-Klinik) und dem Kurheim Dr. Rosenthal (Promenade, heute Wicker-Klinik) war das Sanatorium „Anziehungspunkt des west- und des osteuropäischen Judentums“, betonte die Historikerin Dr. Birgit Seemann, Expertin für jüdische Pflege- und Kurgeschichte, jüngst bei einem Vortrag im Gotischen Haus. Jüdische Persönlichkeiten wie der Kulturphilosoph Martin Buber nächtigten in Bad Homburg. Die Kurkliniken, die auch koschere Küche und Gebetsräume anboten, seien aus der Geschichte der Bad Homburger Kur nicht wegzudenken.

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