+
Das ehemalige Sanatorium in Bad Homburg

Leerstand

Sanatorium in Bad Homburg: In kleinen Schritten zu neuer Nutzung

Für die Stadt ist es vertrackt: Ein denkmalgeschütztes Gebäude mit Historie steht in bester Lage, doch es gehört ihr nicht. Doch nun scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

Die kleine, aber wachsende jüdische Gemeinde der Kurstadt hat kürzlich in eine neue Synagoge bekommen. Der Ort an der Elisabethenstraße, an dem das frühere, einst prächtige Gotteshaus stand, das von den Nazis zerstört wurde, heißt seit einigen Tagen „Platz der ehemaligen Synagoge“. Auch in der Unteren Terrassenstraße wäre jüdische Geschichte abzulesen: Dort steht mit der Villa Goldschmidt das laut Landesamt für Denkmalpflege Hessen „letzte gut erhaltene bauliche Zeugnis einer jüdischen Kureinrichtung in Hessen“.

Doch hier ruht die Historie. Seit 20 Jahren steht das repräsentative Gebäude, in dem der jüdische Arzt Dr. Siegfried Goldschmidt von 1911 bis zur Nazizeit jüdische Erholungssuchende beherbergte, leer. Zuletzt, bis 1998, nutzte das Bundesausgleichsamt die Räume. 2008 erwarb der Hochtaunuskreis das Gelände – mit Blick auf das benachbarte Kaiserin-Friedrich-Gymnasium, das mehr Raum benötigt. 

Wohnbebauung?

Auf dem Gelände wurden Container als Ausweichräume für das KFG aufgestellt – dort wird gerade der Turm umgebaut. Die Villa selbst will die Stadt erhalten. Nach siebenjährigen Bemühungen hat sie 2016 erwirkt, dass das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wurde. Seither liegt es im Dornröschenschlaf, und die Stadtverordneten werfen dem Kreis vor, dass es verfällt.

Jetzt ist Bewegung in die Sache gekommen. Auf Antrag der Homburger FDP hat das Stadtparlament in seltener Einstimmigkeit beschlossen, „zum 20. Leerstands-Jubiläum“ einen detaillierten Bericht über die Erhaltungsmaßnahmen des Kreises und die Gespräche zur künftigen Nutzung zu erstellen. FDP-Fraktionschef Wolfgang Hof kann sich auf dem 20 000 Quadratmeter großen Gelände mit altem Baumbestand durchaus eine Wohnbebauung vorstellen. Denn jetzt ende eine Bindungsfrist dem Bund gegenüber, die Gemeinbedarf für das Gelände vorschreibt. „Jetzt können wir einen Bebauungsplan aufstellen.“ Das wollen die Liberalen gleich nach dem Jahreswechsel anregen. Die Villa, so Hof, könnte an einen vermögenden Menschen verkauft werden, der sie instandsetzt und -hält.

Digitale Pläne erstellt

Unterdessen ist der Kreis ebenfalls tätig geworden: Eine Fachfirma hat in seinem Auftrag eine umfangreiche Bestandsaufnahme von dem Gebäude gemacht und – in Ermangelung von Bauplänen – digitale Bestandspläne angefertigt. „Sie dienen nun als Grundlage für eine Machbarkeitsstudie“, erläutert die Pressestelle des Kreises. Diese werde „ein im Denkmalbereich erfahrenes Architekturbüro in enger Abstimmung zwischen dem Hochtaunuskreis und der Stadt Bad Homburg“ ausarbeiten. 

Zu möglichen Nutzungen will sich die Kreisverwaltung nicht vor dem neuen Jahr äußern. Doch sie will erste Ergebnisse der Studie und Vorschläge bereits Anfang 2019 kundtun. Von der Studie werde abhängen, was möglich sei. Dann sei auch Zeit für weitere notwendige Substanzuntersuchungen.

Bis dahin werde alles getan, damit das Gebäude nicht weiter verfalle. „So werden immer wieder Fenster und Türöffnungen nach entsprechender Kontrolle geschlossen, damit kein Schlagregen in das Gebäude eindringen kann.“ Leider versuchten des öfteren Unbekannte, in die Villa einzusteigen, so dass ringsum ein Bauzaun errichtet wurde.

Von Anke Hillebrecht


INFO: Villa Victoria ist Thema im Denkmalbeirat

Bei der Debatte um die Villa Goldschmidt gerät auch wieder die Villa Victoria in den Blickpunkt. Der klassizistische Bau – ebenso prächtig und ebenfalls lange leerstehend – war vor gut drei Jahren im politischen Gespräch, als neben dem denkmalgeschützten Gebäude Appartements für finanzkräftige Gäste der Klinik Dr. Baumstark entstehen sollten. Die Villa wurde um 1857 errichtet und als Sanatorium, Kinder- sowie Müttergenesungsheim, Kurheim für Kriegsblinde und Quartier der US-Army genutzt. Das Haus ist als Kulturdenkmal aus architekturgeschichtlichen Gründen eingetragen. Nicht zuletzt deshalb sind die Pläne von damals vom Tisch, doch seither passiert auch in dieser Villa offenbar nichts. Mit ihr habe die Stadt „ein ähnliches Debakel“, sagte Manfred Heckelmann (BLB) im Stadtparlament. „Wollen Sie so lange warten, bis eine Renovierung unmöglich ist, und es dann abreißen?“ Nun soll die Zukunft der Villa in einer der nächsten Sitzung des Denkmalbeirats erörtert werden; OB Alexander Hetjes (CDU) hat laut städtischer Pressestelle dazu einen Bericht von seiten der Kur angekündigt. (ahi)

 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare