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Stefan Wagner vom Homburger Kronenhof in seinem Heuspeicher. Doch so gemütlich, wie es aussieht, ist die Arbeit mit Heu nicht.

Dürresommer

Landwirte beklagen ein „einmalig schlechtes Jahr“

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Die deutsche Getreideernte 2018 wird laut Bundesagrarministerium 34,5 Millionen Tonnen erreichen, minus 16 Prozent gegenüber 2017. Auch der Taunus ist betroffen, unterschiedlich schwer. Doch die Dürre hatte auch etwas Gutes . . .

In der heimischen Landwirtschaft fallen die Erträge des Dürrejahrs unterschiedlich aus. Im Hochtaunus gab es Ernteeinbußen zwischen 15 und 35 Prozent, je nach Sorte. Beim Heu war es katastrophal. Gibt es in normalen Jahren drei bis vier Schnitte, so blieb es heuer bei gerade einmal einem, noch dazu schwächeren Schnitt. Das spüren nicht nur die Heubauern, sondern auch die Heukunden. In erster Linie sind das Pferdebetriebe, aber auch Rinder brauchen Heu als Futter.

„Wir konnten im Juni nur einen Schnitt machen, der aber nicht ausreichte, um unsere Pferde zu versorgen“, berichtet Stefan Wagner vom Bad Homburger Kronenhof. „Wir mussten zukaufen, zu Preisen, die etwa beim Doppelten des Normalen lagen. Trotzdem werden wir die Pensionspreise erst einmal halten.“ Wagner sieht beim Heu etwa 15 Prozent Minderertrag. Frisches Heu kann erst nach sechs Wochen verfüttert werden. Vor dem Hintergrund des jüngsten Sommers müsste er eigentlich einen Vorrat für drei bis vier Monate anlegen, „dazu brauche ich aber Platz“, so Wagner.

Landwirt musste Tierfutter teuer zukaufen

Für die Pferde ist der erste Schnitt der beste, der zweite und dritte mit weniger Rohfasern geht meist an Milchviehbetriebe. Wiederkäuer können dieses Futter besser verwerten. Die Milchviehbetriebe gehen, zumindest bei Wagner, in diesem Jahr leer aus und müssen Futter in großen Mengen zukaufen. Etwa Thorsten Meyer: Seine Familie bewirtschaftet in Oberhöchstadt das Hofgut Hohenwald mit 260 Tieren. „Normalerweise sind wir beim Heu autark. Wir haben diesen Sommer aber nur einmal gemäht, das zugekaufte Heu kostet fast dreimal so viel wie sonst, brutal“, sagt Meyer, der auch Weizen anbaut, um damit seine 10 000 Hühner zu versorgen, aber auch dieses teuer zukaufen muss. Immerhin: „Die Eierpreise können wir noch halten.“ Meyer beziffert die Ernteausfälle beim Weizen mit 30 bis 35 Prozent, beim Mais mit 30 Prozent.

Feuchtes Frühjahr für die Landwirtschaft nötig

Stefan Wagner spricht von einem bisher einmalig schlechten Jahr, „das war Stress pur für die Pflanzen“. Er sagt aber auch, dass er standortbezogen noch mit einem blauen Auge davongekommen ist: „Rund ums Hofgut war es noch ganz gut, aber in Ober-Erlenbach gab es extreme Ausfälle.“ Der trockene Sommer, der sich bis in den Herbst fortgesetzt hat, wirke sich schon jetzt auf das kommende Jahr aus. Das Wintergetreide sei ausgesät, brauche aber einen feuchten Winter und ein ebensolches Frühjahr, damit der Boden wieder Wasser einspeichern könne: „In 30 Zentimetern Tiefe ist es immer noch brottrocken, ein mulmiges Gefühl bleibt da nicht aus.“ Wagner geht von Ernteausfällen zwischen 15 und 30 Prozent beim Getreide aus. Sicherheitshalber hat er auf die Aussaat von Mais verzichtet und auf den Flächen Winterhafer und Wintergerste ausgesät, „bevor es 2019 kein Sommersaatgut gibt“.

Gelassener sieht Peter Eisinger den Sommer 2018, aber auch die Zukunft. Der Landwirt betreibt in Grävenwiesbach Ackerbau. Er spricht zwar auch von einer „mittleren bis schlechten Ernte“ und erheblichen Ertragseinbußen, will diese aber nicht dramatisieren oder konkret beziffern, da sich vieles auch über die höheren Preise kompensieren lasse: „Wer früh mehr verkauft hat, konnte geringere Preise erzielen als der, der spät wenig verkauft hat.“ Als Landwirt müsse er sich mit solchen Jahren arrangieren: „Es gab schon schlechtere und es kommen auch wieder bessere, das ist mein unternehmerisches Risiko als Bauer.“

Und irgendwo hat Peter Eisinger auch seine ganz eigene, persönliche Sicht auf das Dürrejahr: „Ändern können wir nichts, wir müssen es nehmen, wie’s kommt. Auf der anderen Seite hatten wir aber auch wenig Stress und viel Freizeit zum Durchatmen, das darf man auch nicht vergessen.“

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