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Ein Kino der Extraklasse

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Von: Anke Hillebrecht

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Gigantisch wirkt der größte Saal im Rohbau - Licht fällt hier kaum hinein. Die Decke wird durch 20 Meter lange Spannbetonbinder getragen.
Gigantisch wirkt der größte Saal im Rohbau - Licht fällt hier kaum hinein. Die Decke wird durch 20 Meter lange Spannbetonbinder getragen. © jp

Im Rohbau am Bahnhof wurde Richtfest gefeiert - Eröffnung des Lichtspielhauses für Herbst 2023 angepeilt

Bad Homburg -Augen zu und die breite Treppe hinauf - auch wenn es derzeit noch der rohe Beton ist, lässt sich die Großzügigkeit des Gebäudes schon jetzt im Rohbau erahnen. Nach knapp einem Jahr Bauzeit wurde im künftigen Kinokomplex am Dienstag, 21. Juni 2022, Richtfest gefeiert. Der Bau sei im Zeitplan, erklärte Bastian Hämmerle, Projektleiter des Hamburger Projektentwicklers und Investors Procom. Noch eineinhalb Jahre, dann soll am Bahnhof der erste Film laufen.

Im Bauch des Rohbaus verborgen liegen die sieben Kinosäle, in denen insgesamt 950 Personen Platz finden sollen. Das künftige Kino-Foyer steht jetzt noch voller Stahlstützen. Klein wirkt der Eingang in den größten Vorführsaal mit 277 Sitzen - drinnen ist es fast dunkel. Meterhoch die Betonwände, hinten kleine Fenster für die Filmtechnik. Im vorderen Bereich ist das Gefälle der künftigen Sitzreihen zur Leinwand hin nur zu erahnen - die Abtreppung wird später aus Holz eingebaut.

Damit in den Sälen keine Säulen die Sicht stören, wurden in den Decken 60 Spannbetonbinder quer zur späteren Leinwand eingebaut; jeder ist 20 Meter lang. Wie Sina Lupp von der gleichnamigen Baufirma erklärt, wurden fürs Gebäude zudem 10 000 Kubikmeter Beton und 1900 Tonnen Stahl verbaut. Das sei bautechnisch alles andere als alltäglich.

Fünf besondere Arten von Kinosesseln

Neue Maßstäbe soll auch das Kino selbst setzen. Betreiber Kinopolis will in Bad Homburg ein Lichtspielhaus neuen Typs verwirklichen. Zwischen fünf verschiedenen Sesselarten wird man hier wählen können. Extrabreit sind sie alle; in der ersten Reihe wird man in Liegensitzen mit Fußhockern eine Genickstarre umgehen. Wie Kinopolis-Chef Gregory Theile erzählt, wird es hinten Premiumsitze geben, die teils auch elektrisch verstellbar sind, und für verliebte Pärchen gemütliche Sofas. Drei Säle werden zudem mit "D-Box Motion-Seats" ausgestattet, die sich synchron zur Filmhandlung bewegen. Wer dort sitzt, wird praktisch ins Filmgeschehen hineinkatapultiert: Ein Spezial-Server synchronisiert Bewegungscode, Bild und Sound und leitet die passenden Effekte an die Sessel weiter. Der Ton schallt übers moderne Soundsystem Dolby Atmos ans Zuschauerohr. Und auch gastronomisch wird es "über Popcorn und Nachos hinausgehen", so Theile - möglicherweise wird man vorher etwas bestellen können, was man dann an einer Bar abholt.

Zwei neue Supermärkte könnten schon im Frühjahr 2023 öffnen

Der Richtkranz baumelte bei der Feier aber in lichten Höhen des Rohbaus: dort, wo einmal Nachtschwärmer nach dem Filmgenuss in Richtung Taunus schauen sollen - dem geplanten Dachgarten, in den eine "Rooftop-Bar" einziehen soll. Für die 400 Quadratmeter große Fläche hat Procom noch keinen Betreiber, wohl aber für die anderen geplanten Nutzungen.

Auf einer Mietfläche von 2500 Quadratmetern über drei Etagen wird "Fitseveneleven" einen "hochmodernen Bodyclub" eröffnen, also ein Fitnessstudio. Im Erdgeschoss ist auch noch Platz für Einzelhandel: Auf der Seite Richtung Basler Straße zieht der Bio-Markt Alnatura ein (725 Quadratmeter), auf der anderen Richtung Bahnhofsgebäude der Discounter Lidl (800 Quadratmeter) - beide Ketten sind bisher noch nicht in Bad Homburg vertreten. Sie würden die "Handelslandschaft" der Kurstadt wahrscheinlich vom Frühjahr 2023 an bereichern, so Projektleiter Hämmerle. "Der Standort wird von morgens bis in die Nacht bespielt." Insgesamt kostet der Kino-Campus rund 40 Millionen Euro.

Zwischen dem Kino-Rohbau und den benachbarten neuen Bürogebäuden, die ebenfalls von der Procom verwirklicht wurden (siehe auch Box), steht derzeit einsam ein Treppenhaus-Rohbau herum. Der ist für das künftige Parkhaus, das erst noch entsteht. 435 Stellplätze entstehen dort; betrieben wird es - wie bereits die meisten Parkhäuser in Bad Homburg - die Kur- und Kongreß-GmbH.

"Wie lange hat Bad Homburg auf diesen Moment gewartet?", lautete die rhetorische Frage von Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) mit Blick auf die lange Zeit, in der dieses Kino in Bad Homburg bereits geplant wird. Dass dessen Verwirklichung angesichts der schwierigen baulichen Rahmenbedingungen (Corona, Lieferschwierigkeiten aufgrund des Ukraine-Krieges) derart gut im Zeitplan liege, sei phänomenal. Hetjes äußerte sich auch begeistert darüber, wie urban sich die Basler Straße auf ihrer "Procom-Seite" nun präsentiert. "Sie hat einen super-städtischen Charakter bekommen", schwärmt Hetjes. "Ein besseres Aushängeschild für unsere Stadt kann es gar nicht geben."

Bürogebäude nebenan: Das "E" ist bereits bezogen

Während der Kinokomplex wächst, hat Procom direkt neben dem Kino-Campus im Frühjahr den ersten der beiden Neubauten des benachbarten Büro-Quartiers "EO" fertiggestellt. Bereits eingezogen in den Projektteil "E" ist die Maxon Computer GmbH, ein international renommierter Spezialist für 3D-Lösungen. Der Ankermieter hat seinen Hauptsitz von Friedrichsdorf nach Bad Homburg verlegt. Im selben Gebäude wird die Regus GmbH laut Procom noch dieses Jahr ein weiteres Business Center eröffnen. Die Vermarktung der noch freien Flächen führt die Frankfurter BNP Paribas Real Estate.

Den zweiten Bauabschnitt "O" mit einer Nutzfläche von etwa 7000 Quadratmetern hatte Procom an das Frankfurter Sprachinstitut Telc verkauft. Der Bau des neuen Headquarters ist bereits weit vorangeschritten, der Bezug für dieses Jahr geplant.

Polier und Zimmermann Simon Bremecker (Mitte) sprach, flankiert von Uta Gierhardt (Lupp) und Bastian Hämmerle (Procom) den Richtspruch.
Polier und Zimmermann Simon Bremecker (Mitte) sprach, flankiert von Uta Gierhardt (Lupp) und Bastian Hämmerle (Procom) den Richtspruch. © jp
Der Kino-Rohbau gibt der Basler Straße eine neue, urbane Erscheinung. Im Hintergrund das EO-Gebäude.
Der Kino-Rohbau gibt der Basler Straße eine neue, urbane Erscheinung. Im Hintergrund das EO-Gebäude. © jp
Eine Visualisierung des Entwicklers Procom zeigt, wie der Kinokomplex nach Fertigstellung aussehen soll.
Eine Visualisierung des Entwicklers Procom zeigt, wie der Kinokomplex nach Fertigstellung aussehen soll. © tz

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