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Lange bot das Häuschen nahe dem Hindenburgring im Schlosspark ein tristes Bild. Nun wurde es restauriert. Dafür ließ die Schlösserverwaltung es schließen, so wie es auch in barocken Zeiten war, und gab ihm eine ähnliche weiße Kalkfarbe.

Wie zu Landgrafs Zeiten

Ein Tempel, der Äpfeln und Birnen huldigt

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Ehemaliges Teehaus im Bad Homburger Schlosspark instandgesetzt - Einweihung erst im Frühjahr

Bad Homburg -Tempel der Pomona - so lautet der neue Name des Pavillons, den Homburger als "Teehaus" kennen. So nannte Landgraf Friedrich V. das Gebäude, dessen Vorgänger bereits Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet worden war. Pomona ist die römische Göttin der Obstfrüchte. "Teehaus" wurde es erst genannt, nachdem das im Krieg zerstörte Häuschen 1952 als offener Pavillon neu errichtet wurde.

Die Sanierung hat sich ein wenig hingezogen, doch jetzt hat es die Schlösserverwaltung (VSG) aus dem Dornröschenschlaf geholt und eng am Vorbild aus der Landgrafenzeit als geschlossenes Gebäude gestalten lassen - dies auch aus Sicherheitsgründen. Das immer wieder lecke Dach wurde samt wasserdichter Extraschicht komplett neu gebaut und gedeckt, Fachwerkwände wurden eingezogen und mit Klinkersteinen ausgefacht. "Auf ihnen stehen die Namen aller Spender", erläutert VSG-Bauexpertin Susanne Erbel. Auch das Weiß der Fassaden ist der früheren Kalkfarbe nachempfunden.

Ohne das Kuratorium Bad Homburger Schloss, betont VSG-Direktorin Kirsten Worms, hätte man die Sanierung gar nicht stemmen können. 50 000 Euro steuerte der Verein, der unter anderem auch schon die Schlosskirche wiederbelebt und den Weißen Turm neu getüncht hat, zu den Gesamtkosten von 176 000 Euro bei. "Das ist viel und wir sind sehr dankbar", so Worms. Weitere 80 000 Euro kamen vom Landesprogramm Erhaltung Historisches Erbe.

Gerne hätte die Direktorin die Spender mit einer feierlichen Einweihung gewürdigt - doch angesichts der Coronazahlen wurde die für diese Woche geplante Feier mit der Staatssekretärin ins kommende Frühjahr verschoben.

Mit der Obstblüte im April soll auch zum ersten Mal die Tür des Pomona-Tempels für alle geöffnet werden. Geplant ist ein Bürgerfest, bei dem eine Dauerausstellung zur Obstkultur im Schlosspark eröffnet wird. In dem vier Mal vier Meter großen Innenraum werden dann naturgetreue Wachsapfelmodelle gezeigt - die meisten der Sorten wurden einst hier angebaut. Ein umfangreiches Vermittlungsangebot unter anderem für Schulklassen ist geplant.

Bis Frühjahr bleibt die Tür des Tempels zu. Vor ihm stehen seit wenigen Tagen zwei im Schloss hergestellte Bänke mit edlen Sandsteinfüßen und Holzauflage. "Ein neuer Ort zum Verweilen", findet VSG-Gartenfachfrau Dr. Inken Formann - der Dach-Überstand garantiert ein Sitzen im Trockenen. Der Tempel steht am höchsten Punkt des Parks; von dort kann man über den Teich hinweg schön auf das derzeit von bunten Bäumen gerahmte Schloss blicken.

Exotische Bäume für neue Ansichten

Auch die Umgebung des Tempels, die "Fantasie", wurde aufgehübscht. "Je weiter weg vom Schloss, umso wilder wurde einst der Park", erklärt Gartenmeister Peter Vornholt. Dort wuchsen früher exotische Gehölze. Einige davon haben die Gärtner neu gepflanzt - etwa einen Blauglockenbaum, eine Silberpappel, eine Kornellkirsche und eine Blutbuche. Auch drei Ahornbäume und einige Lärchen wurden ergänzt. So bekommt dieser Park-Randbereich, der ja ein wenig vom Lärm des Hindenburgrings beeinträchtigt ist, neue Blatt- und Blütenfarben.

Wer nun vom Pfauengehege über das Brückchen in Richtung Fantasie läuft, hat ein Aha-Erlebnis. Ebenso aus Richtung Obstgarten. Denn der Tempel zeigt sich erst spät zwischen den Blättern - was durch die verschlungenen Wege, die teils neu angelegt wurden, betont wird. Ein weiterer Verweil-Ort ist eine neue Bank in Richtung Obstbäume. Diesmal verbergen die belaubten Zweige das Hochhaus am Untertor - es würde den romantischen Blick stören.

VON ANKE HILLEBRECHT

Bau-Expertin Susanne Erbel, VSG-Direktorin Kirsten Worms, Chefgärtner Peter Vornholt und Garten-Fachfrau Inken Formann (v. li.) mit den neuen Bänken.

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