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Eine Glocke namens Barbara

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Mit 3 717 Kilogramm ist die Herz-Jesu-Glocke die eindrucksvollste ihrer fünf Geschwister, die im Kirchturm Sankt Marien ihren Dienst verrichtet. Auf der Glocke ist ebenfalls der Name ihrer Taufpatin Barbara vermerkt. Auch hier im Bild zu sehen: das Gießerzeichen der Glockengießerei Petit & Edelbrock.
Mit 3 717 Kilogramm ist die Herz-Jesu-Glocke die eindrucksvollste ihrer fünf Geschwister, die im Kirchturm Sankt Marien ihren Dienst verrichtet. Auf der Glocke ist ebenfalls der Name ihrer Taufpatin Barbara vermerkt. Auch hier im Bild zu sehen: das Gießerzeichen der Glockengießerei Petit & Edelbrock. © Niklas Müller

Pfarrer Werner Meuer bietet in einer Führung seltene Einblicke in den Kirchturm von Sankt Marien.

Bad Homburg -Kürzlich hatten Besucher eine der wenigen Möglichkeiten im Jahr, unter Führung von Pfarrer Werner Meuer den Kirchturm der Marienkirche zu besteigen und hinter die Fassade des 57 Meter hohen Turmes zu blicken. Schon dessen Standort ist nicht zufällig gewählt. „Weiter hinten stieß man auf Sand, an diesem Punkt hier auf Fels“, erklärt Meuer. Deshalb musste der Turm aus Stabilitätsgründen an dieser Stelle errichtet werden. 1892 erfolgte die Grundsteinlegung, dreieinhalb Jahre später war der Kirchenbau abgeschlossen. Eine erstaunliche Leistung für damalige Verhältnisse.

Fünf Stockwerke umfasst der Turm. Der erste Stock erinnert an ein Museum. Hier sind Zettel zu den Bauarbeiten und Bilder zu historischen Ereignissen zu sehen. Zum Beispiel ein Foto von 1944, das im Vordergrund den Kirchturm zeigt, während Flugabwehrfeuer aus Heddernheim im Hintergrund den Himmel erleuchtet. Die Dokumente sind Relikte aus vergangener Zeit, gefunden in einer Zeitkapsel im Turm.

Eine Glocke so groß wie 12 Messdiener

Im Zugang zur nächsten Treppe sind Graffitis von 1894/1895 bis heute zu sehen. Ein Mühlenspiel, vermutlich von Handwerkern angebracht, sogar Graffiti in altdeutscher Schrift ist an den Wänden zu sehen. „Sozusagen antike Graffiti“, sagt Pfarrer Meuer lachend.

Zwei Etagen weiter offenbart sich dem Besucher die Hauptattraktion des Turms: sechs Glocken, fünf davon noch im Original, gegossen von der Glockengießerei Petit & Edelbrock. Die vierte Glocke wurde im Zweiten Weltkrieg enteignet und 1948 nachgegossen. „Das ist auch das einzige sechsstäbige Geläut, das in dieser Region nach dem Krieg erhalten blieb“, erklärt M euer. Jede Glocke hat ihre eigene Taufpatin. Barbara ist ein echtes Schwergewicht. 3 717 Kilo bringt sie auf die Waage und lässt ihre Schwestern Julia, Theresia, Anna, Leonora und Margaretha im Vergleich blass aussehen. Barbara ist der Name der Taufpatin der Herz-Jesu-Glocke, die größte der Kirche. Zwölf Messdiener finden unter ihr Platz. Die Bronzeglocken haben einen langen Nachhall. Die Glockenstube erfüllt den Zweck, diesen nach außen zu senden. Neue Schalllamellen im Turm bündeln den Nachhall und schicken ihn in die Weite der Stadt. „Unten am Hessenring oder im Kurpark kann man die Glocken wahrscheinlich besser hören als hier in der Umgebung“, sagt Meuer.

Um Funkenschlag zu verhindern, wenn die gewaltigen Klöppel auf Metall stoßen, sind die Glocken im Inneren geledert. Auch einige Brocken vom Mauerwerk liegen auf dem Boden. Der frei stehende Glockenstuhl aus Eichenholz wird von nachträglich eingebauten Stahlträgern stabilisiert. Diese bereiten derzeit Probleme wegen Rost. In Verbindung mit dem Holz, das sich wegen Trockenheit zusammenzieht, hat der Glockenstuhl Spiel bekommen. Die Erschütterungen des Glockenschlags tun ihr übriges. Deshalb müsse man zeitnah die Statik des Turms prüfen, sagt Meuer. Da das Bauwerk aber in seinen 125 Jahren bereits zwei Weltkriege überstanden hat, wird es wohl auch diesen Mangel überdauern.

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