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Fast 20 Jahre hat das Team des privaten Elternservice Kinder betreut. Am Freitag ist Schluss damit. Die Initiative ist insolvent.

Initiative insolvent

Bad Homburger Elternservice schließt die Tore

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Seit dem Jahr 2000 springt der „Elternservice Bad Homburg“ da ein, wo städtische Institutionen nicht mehr weiterkommen, nämlich, wenn Arbeitszeiten der Eltern nicht nach den Öffnungszeiten traditioneller Kindertageseinrichtungen funktionieren. Jetzt ist damit Schluss. Die von Eltern ins Leben gerufene Initiative hört auf. Sie ist insolvent.

Bad Homburg - Immer häufiger müssen Arbeitnehmer auch dann arbeiten, wenn Kindertagesstätten schon längst geschlossen haben, müssen auf Geschäftsreisen auch mal über Nacht eine Betreuung in Anspruch nehmen, spät abends oder am Wochenende arbeiten – und auch, wenn der Nachwuchs krank ist. Da ist guter Rat oft teuer, vor allem, wenn Opa und Oma nicht gerade um die Ecke wohnen und sich mal eben um den Nachwuchs kümmern können.

Sibylle Landvogt hat das selbst am eigenen Leib erfahren, als sie, vor vielen Jahren, Betreuung für den eigenen Nachwuchs suchte. Und aus dieser Erfahrung heraus hat sie damals, im Jahr 2000, gemeinsam mit zwei weiteren Müttern, den „Elternservice“ gegründet, deren organisatorische Leiterin sie die ganzen Jahre über war.

Seither hat sich die Einrichtung sozusagen vom Wohnzimmer aus über ein Provisorium in der Hofheimer Straße zur festen Einrichtung am Wingertsberg entwickelt. Rund 30 Kinder im Alter von sechs Monaten bis 12 Jahren wurden hier stundenweise betreut. Mache auch von der Schule abgeholt, manche auch wochenends betreut. Aber jetzt ist Schluss.

Professionell gearbeitet

Nach Informationen dieser Zeitung soll die Einrichtung zum 1. Februar ihre Tore schließen. Die Homepage des „Elternservice“ ist schon abgeschaltet. Was ist da los? Eine Recherche dieser Zeitung ergab Folgendes: Laut Handelsregisterbekanntmachung von 11. Oktober 2018, gefunden auf moneyhouse.de, ist beim Verein „Elternservice Bad Homburg e.V.“ durch „Beschluss des Amtsgerichts Bad Homburg v. d. Höhe (Az. 61 IN 51/18) vom 1.10.2018 über das Vermögen des Vereins das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Verein ist aufgelöst.“

Der Elternservice insolvent? Wie kann das denn sein? Eine genaue Antwort darauf gibt auch Insolvenzverwalterin Dr. Kerstin Becker von Becker & Krüger Rechtsanwälte in Frankfurt nicht. Sie erklärte auf Anfrage: „Ich tue mich schwer damit, spezifische Gründe in der Öffentlichkeit zu benennen, so lange die Daten noch nicht sämtlich verlässlich aufbereitet sind. Tatsache ist: Es gibt, wie auch bei Unternehmen, viele Gründe, warum ein Geschäft schief geht.“

Tatsache sei aber auch, dass der Elternservice „sehr professionell“ aufgestellt gewesen sei und agiert habe und über viele Jahre eine wichtige Funktion in der Stadt übernommen habe. „Deswegen hatten wir uns ja auch seit Oktober darum bemüht, dass der Betrieb fortgeführt wird. Leider haben wir keinen adäquaten Übernehmer gefunden, und deswegen schließt der Elternservice in der Tat seine Pforten.“

Stadt und DRK helfen

Eine Anfrage bei Sozialdezernentin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) brachte allerdings zumindest für die Kinder Entwarnung: „Wir haben, sobald wir von der Insolvenz erfahren haben, alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Mädchen und Jungen anderweitig unterzubringen“, erklärte Lewalter-Schoor auf Anfrage dieser Zeitung. Und das sei auch gelungen: „Die Kinder kommen im Kindergarten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) unter, und auch eine Erzieherin wird vom DRK übernommen“, freute sich die Sozialdezernentin.

Einziger Wermutstropfen für die Eltern, die beim privaten Elternservice bislang eben auch besonders frühe oder auch spätere Betreuungszeiten buchen konnten, Wochenenddienste und ähnliches, die werden sich künftig natürlich an die Öffnungszeiten der DRK-Kita, montags von 7 bis 17 Uhr, beziehungsweise freitags von 7 bis 15.30 Uhr halten. „Aber die Kernbetreuungszeiten sind, wie auch in den städtischen Kitas, abgedeckt. Und das war uns erst einmal das Wichtigste“, sagt Lewalter-Schoor.

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