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Das Bild wird es so nicht mehr geben: Hüseyin Güven in führender Position beim TSV Vatanspor am Spielfeldrand.

Das Ende der Ära Güven

Jahrelang war das kaum vorstellbar: Vatanspor ohne Hüseyin Güven. Ab sofort ist es so. Zur Trennung beziehen der frühere Sportliche Leiter und dessen Nachfolger gegenüber der TZ Stellung.

Ende 2017, als ihm der Fehler passiert war, einen Spieler ohne gültige Spielerlaubnis einzusetzen, was den TSV Vatanspor sechs Punkte kostete, übernahm der Sportliche Leiter der Verbandsliga-Fußballer die Verantwortung. „Ich biete meinen Rücktritt an“, sagte Hüseyin Güven, der langjährige Macher des Vereins mit türkischen Wurzeln seinerseits. Aber der TSV Vatanspor brauchte ihn nach wie vor, um die Saison zu Ende zu bringen. Sie wäre beinahe total verkorkst gewesen. Nach der Vorrunde auf dem vierten Platz stehend, mit Blick nach oben, konnten sich die Bad Homburger erst kurz vor dem letzten Spieltag des Ligaverbleibs sicher sein.

Nun trennen sich die Wege von Vatanspor und Güven. Das verkünden der Verein und Güven unisono. Damit geht eine Ära bei der derzeit besten Fußballmannschaft in der Kurstadt zu Ende. Denn Güven war mehr als 30 Jahre für den TSV in führenden Positionen tätig.

„Ich habe meine Spieler häufiger gesehen als Frau und Kinder“, sagt er. Was man ihm in den Gesprächen der vergangenen Wochen und Monate anmerkte: Die Jahre im Dienste „seines“ Vereins haben Spuren hinterlassen und Kraft gekostet. Am Mittwoch wird er offiziell in großem Kreis mit der Mannschaft verabschiedet. „Im Guten“, will Güven ausdrücklich erwähnt wissen, und in „beiderseitigem Einvernehmen“ erfolge die Trennung. Güven, der immer ein Mann der klaren Worte war und auf dem Sportplatz – ob als Sportlicher Leiter oder als Interimstrainer – auch ein lautstarker Antreiber, möchte nicht verhehlen, dass es verschiedene Auffassungen über die Zukunft des Vereins gegeben habe. Er wolle einer Neuausrichtung nicht im Wege stehen, sagt er. Mit Miro Crnoja (Geschäftsführer) und seinem Nachfolger Stefan Lang sowie Coach Ibrahim Cigdem und dessen Assistenztrainern sei der Verein gut aufgestellt. Ihm sei um die Zukunft von Vatanspor nicht bange, sagte er – auch wenn der Club die 2. Mannschaft mangels Personal abmelden musste.

Lobend äußerte sich der neue Sportliche Leiter Stefan Lang (zuvor TV Burgholzhausen), der seit Beginn der Vorbereitung Güven schon zugearbeitet hatte. „Hüseyin hat riesige Verdienste, die wir alle anerkennen“, sagt Lang. Er erwähnte aber auch, dass Güven „von und mit seinen Emotionen lebt und manchmal mit übertriebenem Ehrgeiz gearbeitet“ hat. Das habe auch Reibungspunkte und Unruhe im Verein gegeben, erläutert Lang.

Auch die alljährlich hohe Spielerfluktuation (beim 4:3 in Usingen begannen elf Neuzugänge für den TSV) waren natürlich auf den bisherigen Manager zurückzuführen. „Das wollen wir ändern. Mit der jetzigen sehr jungen Mannschaft soll Ibo Cigdem nachhaltig arbeiten“, sagt Lang. „Wir wollen etwas aufbauen und Schritt für Schritt weiterkommen. Diese neue Philosophie kann auch vor verdienten Personen, wie Hüseyin Güven es ist, nicht halt machen.“

Was dem bisherigen „Gesicht von Vatanspor“ nicht mehr zu nehmen ist, ist seine frühere Aufbauarbeit: Mit dem damaligen Trainer Enis Dzihic bastelte er die Aufstiegsmannschaft, die seit 2015 der Verbandsliga angehört und den Fußballkreis überregional vertritt.

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