Von Ober-Erlenbachs neustem "Baugebiet" sollen vor allem Tiere profitieren. Der Naturschutzbund legt an der verlängerten Münzenberger Straße am Rand einer Streuobstwiese ein Refugium für Eidechsen und Erdnister an. Foto: Konopatzki
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Von Ober-Erlenbachs neustem "Baugebiet" sollen vor allem Tiere profitieren. Der Naturschutzbund legt an der verlängerten Münzenberger Straße am Rand einer Streuobstwiese ein Refugium für Eidechsen und Erdnister an.

Nabu Ober-Erlenbach

Engagement für Flora und Fauna

  • Harald Konopatzki
    VonHarald Konopatzki
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Der Naturschutzbund hat mit Streuobstwiese am Ortsrand ein neues Großprojekt

Ober-Erlenbach -Der Stadtteil ist mit dem Hühnerstein und dem kleineren Neubaugebiet am Oberhof wieder ein Stück gewachsen. Dafür, dass es für die Natur nicht zu eng wird, setzt sich seit mehr als fünf Jahrzehnten der Naturschutzbund (Nabu) Ober-Erlenbach ein.

Ende 2019 übernahm der Verein eine Parzelle am südlichen Ortsrand von der Stadt zur Pflege. Das Areal zwischen dem verlängerten Schmalen Weg und der Münzenberger Straße hat sich in den vergangenen 20 Monaten schon gewandelt, es wurde eifrig gepflanzt.

Jetzt ist der Nabu dabei, das Grundstück zusammen mit angrenzen Grundstücken zu einem "Musterprojekt der Streuobstwiesenpflege zu entwickeln", wie Christoph Köhn, Vorstandsmitglied des Vereins, sagt.

Bisher standen hier auf einem Flurstück vier Baumreihen; die Bäume sind an Privatpersonen vergeben, die sich um Schnitt und Pflege kümmern. 2019 kam ein angrenzendes Grundstück mit zwei Baumreihen dazu, auf dem von der Stadt verschiedene Sorten Stein- und Kernobst gepflanzt wurden, die sich in den kommenden Jahren zu stattlichen Obstbäumen mit voller Krone entwickeln sollen.

Refugium für Reptilien

In diesem Jahr wird ein Bereich im Westen, direkt an der verlängerten Münzenberger Straße, angegangen. Dort soll ein tiergerechter Wellnessbereich entstehen: eine Fläche, auf der sich Reptilien und Erdnister wohlfühlen sollen. Es ist ein Experiment, wie Köhn erklärt. "Die Bedingungen sind ideal für Eidechsen-Arten, insbesondere die Zaun-Eidechse. Aber ob sie die Fläche auch wirklich annehmen, wird sich erst zeigen."

Die Fläche ist bereits eingeebnet, auf rund 18 Quadratmetern soll ein Hügel aus Steinen in Südausrichtung entstehen. Auf Sand und Schotter werden Steine und Totholz drapiert. Da die Sonne den kleinen Hügel fast den ganzen Tag bescheinen wird, kann er sich gut aufheizen, was den wechselwarmen Kleinreptilien gefallen dürfte.

Zum Weg hin soll eine Trockenmauer den Hügel begrenzen und festigen. In den Fugen zwischen den Steinen sowie am Boden bleibt viel Raum für Insekten und Kleintiere. "Die wenigsten wissen, dass der überwiegende Teil der Wildbienenarten Bodenbrüter und Erdnister sind", sagt Köhn. In der Tat: Von den rund 600 Arten, die in Deutschland heimisch sind, nisten etwa drei Viertel im Erdreich. Ihnen helfen die klassischen "Insektenhotels" nichts.

Für die Arten, denen es etwas hilft, will der Verein jedoch auch etwas anbieten. Auch Vögel sollen hier weiteren Unterschlupf finden, deswegen wird der Verein weitere Nistkästen aufhängen, sobald die neu gepflanzten Bäume es zulassen.

Auch den künftigen Hecken am Rand der Wiese - derzeit sind es noch kleine Sträucher - kommt eine wichtige Funktion zu. Sie werden in ein paar Jahren zwei bis vier Meter hochgewachsen sein und den Bewohnern der Streuobstwiese (Sicht-) Schutz bieten, so dass sich das Biotop weitgehend ungestört entwickeln kann, ohne dass Menschen oder Hunde stören.

Die Streuobstwiese wird natürlich vom Verein gepflegt werden, aber nur extensiv. "Die Streuobstwiese ist nur dann als Lebensraum sinnvoll, wenn sie ruhig gelegen ist", erklärt der Nabu auf seiner Homepage unter www.nabu-obererlenbach.de. Aus diesem Grund werde der Baumschnitt im Winterhalbjahr durchgeführt, und es werde, wenn möglich, nur einmal im Spätsommer gemäht. "In der restlichen Zeit gehört die Wiese den Insekten und Tieren."

Um auf das Biotop und die Funktionen der einzelnen Elemente aufmerksam zu machen, sind zudem bereits Info-Tafeln angeschafft.

Pflanzgarten auf der Zielgeraden

Der Nabu ist derzeit noch an weiteren Stellen im Ort aktiv. Nachdem das Vereinsheim im Lohweg schon teilweise renoviert und bezogen wurde und die neue Kelter das dritte Jahr gut ausgelastet war, geht der Blick unter anderem in den Lohwald.

Dort ist der Nabu dabei, einen Pflanzgarten zu errichten, um Lebensraum und Nistplätze zu schaffen. Nachdem im vorigen Jahr die geplanten Neupflanzungen erfolgt waren, wurden Lehr- und Barfußpfade angelegt, Bänke und Unterstände errichtet sowie Futterstellen platziert. Das Projekt soll in diesem Frühling abgeschlossen werden.

Ziel ist es, das dort entstandene Biotop insbesondere auch für die Jugendbildung zu nutzen. Erste Exkursionen und Besichtigungen gab es bereits im vergangenen Jahr. Um seine Projekte stemmen zu können, braucht es nicht nur viele Helfer, sondern auch die nötigen Mittel. Allein das Material für das geplante Biotop für Eidechsen und Erdnister wird voraussichtlich über 2000 Euro kosten. Wer dem Nabu helfen möchte, kann auf das Konto der "NabuVogel- und Naturschutzgruppe Ober-Erlenbach e.V.", IBAN DE 45 5125 0000 0026 0017 30, spenden. Für das aktuelle Projekt an der Münzenberger Straße lautet der Verwendungszweck "Reptilien-Biotop", doch man kann natürlich auch für die allgemeine Arbeit oder andere Projekte des Vereins spenden.

Erste Termine für das laufende Jahr stehen schon fest

Der Nabu hat bereits seine ersten Veranstaltungen für das noch junge Jahr terminiert. Anmeldungen sind im Internet auf der Seite www.nabu-obererlenbach.de/termine/ möglich.

Am Sonntag, 6. Februar, beginnt das Arbeitsjahr mit der Nistkastenreinigung. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Vereinsheim im Lohweg.

Der Frühjahrsputz in der Natur, der im vergangenen Jahr Premiere feierte und gut ankam, soll am Sonntag, 20. Februar, in die zweite Runde gehen. Von 13.30 Uhr an wird ausgehend von der Erlenbach-Halle Müll eingesammelt.

Die Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen ist für Dienstag, 8. März, vorgesehen.

Voraussichtlich am Donnerstag, 10. März, soll eine Amphibienwanderung stattfinden, die Apfelwein-Meisterschaft soll am Samstag, 23. April, über die Bühne gehen.

Am Maifeiertag, Sonntag, 1. Mai, will der Verein beim Familienfest beim Scheunenfest der Orfuma im Ahlweg den Grill- und Pommes-Stand übernehmen. Und auch beim "Willkommensfest Hühnerstein" des Stadtteil- und Familienzentrums am Samstag, 7. Mai, ist der Verein präsent und will sich den Zugezogenen vorstellen.

Samenbomben sollen am Samstag, 21. Mai, gebaut werden, der Termin für die Kräuterwanderung steht noch nicht fest.

Von Freitag, 16. September, an soll dann die Lohnkelterei ihren Betrieb aufnehmen und am Sonntag, 11. Dezember, will der Nabu-Nachwuchs Vogelfutter herstellen.

von Harald Konopatzki

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