Bierbrauer und Bierempfänger am Braukessel, alle doppelt geimpft: Kronenhof-Chef Hans Georg Wagner, KV-Vorsitzende Petra Kühl, Braumeister Christian Ochs, Pfarrer Andreas Hannemann, Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak als Vertreter der Stadt und Pfarrer Hans-Joachim Wach (v. li.).
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Bierbrauer und Bierempfänger am Braukessel, alle doppelt geimpft: Kronenhof-Chef Hans Georg Wagner, KV-Vorsitzende Petra Kühl, Braumeister Christian Ochs, Pfarrer Andreas Hannemann, Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak als Vertreter der Stadt und Pfarrer Hans-Joachim Wach (v. li.).

Glaube

Erlöserkirche Bad Homburg: Ein Prosit auf die Zukunft

  • Anke Hillebrecht
    VonAnke Hillebrecht
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Die Erlöserkirche gründet Stiftung. Für den Festtag am 3. Oktober wird nun etwas besonderes vorbereitet.

Bad Homburg -Das prächtige Gotteshaus darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Erlöserkirchengemeinde nurmehr knapp 2100 zahlende Mitglieder hat. Die Stadtkirche am Schloss zieht zudem Jugendliche von anderswo her an, die hier konfirmiert werden wollen, Hochzeitspaare, Touristen und Konzertbesucher. Die Protestanten wollen ihre Gemeindearbeit nun perspektivisch neu ausrichten und gründen eine neue Stiftung.

Deren Name "Kirche in der Stadt" besagt, in welche Richtung es geht: Wie es der künftige Stiftungsvorstand Dr. Hauke Christian Öynhausen formuliert, soll sie ein "aktiver, offener und wichtiger Bestandteil des Bad Homburger Stadtlebens" sein und sich "zur städtischen Gesellschaft als Ganzes" bekennen.

Sie soll Baustein für die langfristige Finanzierung der Gemeindearbeit sein; allem voran soll sie die Jugendarbeit, ökumenische sowie kulturelle Aufgaben als Stadtkirche und diakonische Projekte ermöglichen - Themen, die auch von Bürgern benannt wurden. Zu Beginn wird sie mit 150 000 Euro ausgestattet.

"Für unser Dach haben wir viele Spenden erhalten", berichtet die Vorsitzende des Kirchenvorstands, Petra Kühl. "Das hat uns Mut gemacht." Auch Reparaturkosten, wie sie in den vergangenen Jahren immer wieder aufgebracht werden mussten, sowie Personelles könnten durch die Stiftung finanziert werden. "Es gibt einige Menschen, die unsere Kirche direkt hier unterstützen wollen", ergänzt Pfarrer Andreas Hannemann. Dies soll nun nachhaltig geschehen.

Bierausschank als Zeichen der Volksnähe

Gründungstag wird der 3. Oktober sein. Der Tag der Deutschen Einheit wurde bewusst gewählt. An diesem Sonntag ist die Erlöserkirche unter dem Titel "Denk ich an Deutschland . . . Herausforderung 3. Oktober" Gastgeberin für einen Festakt der Stadt (siehe Box). Hier soll unter anderem die Frage erörtert werden, wie das Land morgen aussehen soll.

Deutsche Einheit und neue Stiftung - an diesem Tag wird gefeiert. Mit den Bad Homburgern. Deshalb wird es auch ein besonderes Stiftungsbier geben, gebraut im Kronenhof eigens für die Erlöserkirche. "Weil die Kirche nicht Rückzugsort sein will, sondern ein Ort, die den Menschen und der Welt zugewandt ist, gibt es keinen besseren Startschuss als in einem Brauhaus", erklärt Pfarrer Hannemann.

Jetzt kamen beide Pastoren sowie Teile des Kirchenvorstands am Braukessel des Kronenhofs zusammen, um dem Stiftungsbier den Startschuss zu geben. Braumeister Christian Ochs erläuterte ihnen dessen Zusammensetzung, ließ sie die Vorderwürze kosten (ein Vorstufe des Bieres, schmeckt wie süßer Brottrunk) und zeigte ihnen die Brautechnik im Keller.

Das Stiftungsbier selbst wird ähnlich süffig schmecken wie das helle Kronenhof-Bier, wird aber durch einen höheren Malzanteil etwas dunkler sein - und stärker. "Es hat aber nicht mehr als 5,4 Prozent", räumt Ochs ein. Und CO2-neutral sei es auch: Wie der Kronenhof erzeuge auch die Mälzerei in der Rhön, in die die Braugerste aus Bad Homburg geschickt wird, ihren Strom per Solaranlage. 1000 Liter werden gebraut.

Haus-und-Hof-Kirche der Landwirtsfamilie

Apropos Braugerste: Wie Kronenhof-Seniorchef Hans Georg Wagner erklärt, ist das Korn für 2023 schon im Silo. Es wuchs auf den Feldern vor der Kurstadt. Für das Stiftungsbier wird die Gerste von 2020 genommen. Das Stiftungsbier war Wagners Idee. Und diese Idee sei ein Geschenk, wie Petra Kühl betont. Wagner: "Die Erlöserkirche war und ist ja unsere Haus-und-Hof-Kirche - hier bin ich getauft und konfirmiert worden, habe ich geheiratet, sind unsere Kinder getauft und konfirmiert worden." Von 1885 bis 1953 war der Kronenhof - als Lieferant es Kaiserhauses im Schloss - in der Louisenstraße 14 am Marktplatz gelegen.

Doch so wie der Landwirt aus Platzmangel vor die Tore der Kurstadt ziehen musste, ändern sich nun die Bedingungen für die Kirchengemeinden. Weil die Mitgliederzahl nicht nur in Bad Homburg immer mehr schrumpft, werden Stellen gestrichen - zuletzt Ende 2020 die halbe Stelle "Stadtkirchenarbeit", die lange Jahre Astrid Bender inne hatte. Auch diese Lücke soll die Stiftung füllen. von Anke Hillebrecht

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