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Das war einmal: Radprofis fahren vor dem Kurhaus eine Sprintwertung aus. Nun hat die Stadt ihre Beteiligung am Rennen zurückgezogen.

Zu teuer

Radrennen am 1. Mai: Bad Homburg ist nicht mehr dabei 

Im nächsten Jahr wird am 1. Mai das Radrennen rund um den Finanzplatz Eschborn ohne Beteiligung der Stadt Bad Homburg über die Bühne gehen. Das kommt überraschend.

In der Politik wird viel geredet. Deshalb ist es umso spannender, was nicht gesagt wird. Ein Beispiel dafür sind der Haushaltsentwurf und die Beratungen darüber. Da wurde nämlich die Teilnahme der Stadt am Radrennen Frankfurt „Rund um den Finanzplatz Eschborn–Frankfurt“ am 1. Mai still und leise beerdigt.

Das ist umso überraschender, weil in den vergangenen Jahren an diesem Tag der Radsport die Stadt fest im Griff hatte. Beim ehemaligen „Henninger Turm“-Rennen, rauschten die Profis der Weltelite, U21-Teams, Jedermänner und Junioren durch die Stadt, trugen auf dem Kurhausvorplatz ihr Sprintwertung aus und wurden dabei von Tausenden von Zuschauern gefeiert. Doch vorbei. Die Stadt hat dem Veranstalter mitgeteilt, dass man nicht mehr gewillt sei, aktiv das Rennen zu begleiten und die 80 000 Euro, die in den vergangenen Jahren dafür im Haushalt eingestellt waren, gestrichen.

Radrennen in Frankfurt am 1. Mai ist zu teuer

Bei den Parteien scheint es so, dass man keine Lust hat, darüber zu diskutieren, warum ein Ereignis, das in den vergangenen Jahren vonseiten der Stadt und weiten Teilen der Politik als ein Aushängeschild der Sportstadt Bad Homburg gefeiert wurde, so mir nichts, dir nichts verschwindet. Bürgermeister, und Kämmerer Meinhard Matern (CDU) begründet die Entscheidung mit Sparzwängen. Zwar habe die Stadt im Moment sehr hohe Einnahmen, dennoch gelinge es nicht, Rücklagen zu bilden. Und da in den kommenden Jahren – Stichwort Stadtentwicklungskonzept (ISEK 2030) – hohe Investitionen auf die Stadt zukommen, seien alle freiwilligen Leistungen auf den Prüfstand gekommen. Dabei habe man sich entschieden, auf das Radrennen verzichten.

Radrennen um den Finanzplatz Frankfurt Eschborn

Das ist ein Paradigmenwechsel. Materns Vorgänger, SPD-Mann Karl Heinz Krug, hatte – unwidersprochen – stets damit argumentiert, dass das dafür gezahlte Geld gut angelegt sei. Denn durch die Fernseh-Übertragungen des Rennens weltweit, könne sich die Stadt bestens präsentieren. Die Route wurde deshalb so ausgewählt, dass die Schönheiten Homburgs von den Kameras eingefangen werden konnten. „Diese Werbung ist mit Geld gar nicht aufzuwiegen“, sagte Krug. Und auch die Homburger hatten ihren Spaß. Die Resonanz und die Begeisterung waren so groß, dass man überlegte, sich als Startort für eine Tour-de-France-Etappe zu bewerben.

Traditionsrennen konkurriert mit anderen Kosten der Kommune

Woher also der Sinneswandel? Jürgen Stamm, Fraktionsvorsitzender der SPD und Radsport-Fan, der einst die Idee dazu hatte, das Radrennen Frankfurt wieder in die Kurstadt zu holen, hält sich bedeckt. Er räumt ein, dass die Belastungen für die Straßenverkehrsbehörde in den 14 Tagen vor dem Rennen „immens“ gewesen seien, schließlich habe man die halbe Stadt sperren müssen. Und ein ausgeglichener Haushalt sei ja auch notwendig, sagt er. Wenn man da 80 000 Euro für das Rennen bezahle, müsse man das an anderer Stelle einsparen. Wie von Matern vorgeschlagen an den Deutschkursen für Ausländer? Das habe die SPD nicht mit sich machen lassen. Schweren Herzens habe er deshalb die Entscheidung mitgetragen.

Aber auch hier ist es interessant, was Stamm nicht sagt: Soll man Zuschüsse für heimische Vereine, die es – freiwillige Leistungen hin oder her – auch im Haushalt gibt, streichen, um das Rennen zu finanzieren? Radrennfahrer sind keine Wähler. Und schließlich ist die SPD in einer Koalition mit der CDU. Kaum vorstellbar, dass man dem Dezernenten des Koalitionspartners in den Rücken fällt.

Für die Stadt Bad Homburg macht die Kosten-Nutzen-Rechnung keinen Sinn

Auch bei der CDU bedauert man, dass es das Radrennen nicht mehr gibt, aber nach einer Abwägung Kosten einerseits und „zwei Minuten TV-Präsenz“ andererseits habe man sich entschieden, aus dem Rennen auszusteigen, sagt CDU-Fraktionschef Oliver Jedynak.

Gegenwind aus der Opposition ist auch nicht zu erwarten. Armin Johnert, Fraktionschef der BLB, gibt unumwunden zu, dass er mit den Radrennen Frankfurt nichts anfangen konnte. „Zuzusehen wie gedopte Sportler am Kurhaus vorbeiheizen und dafür einen halben Tag die Stadt sperren?“, fragt er und gibt die Antwort gleich mit: „Nein, da sehe ich keinen Sinn darin.“ Und auch FDP-Fraktionschef Wolfgang Hof hat schon verlauten lassen, dass er die Streichung der 80 000 Euro aus dem Haushalt so ziemlich für das Beste am ganzen Entwurf halte.

So werden die Radsportfans, die das Rennen am 1. Mai live am Streckenrand verfolgen wollen, andere Taunusorte ansteuern müssen. Möglicherweise kommt dafür auch Kronberg in Betracht, denn dort will man sich nun wesentlich aktiver als bisher beim Rennen einbringen (siehe Bericht auf Kronberg-Seite).

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