Noch ist hier Baustelle: Im Obergeschoss des Horex-Museums standen sonst immer die Motorräder. Nun ist die Etage ausgeräumt. Im Hintergrund warten schon die Kartons aus dem Gotischen Haus. Sie erhalten historische Kleider, die im Schaudepot gezeigt werden sollen.
+
Noch ist hier Baustelle: Im Obergeschoss des Horex-Museums standen sonst immer die Motorräder. Nun ist die Etage ausgeräumt. Im Hintergrund warten schon die Kartons aus dem Gotischen Haus. Sie erhalten historische Kleider, die im Schaudepot gezeigt werden sollen.

Museumsumzug in Bad Homburg

40 000 Exponate auf engstem Raum

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
    schließen

Das Bad Homburger Horex-Museum wird derzeit zum Schaudepot umgestaltet - Eröffnung: 1. Januar

Bad Homburg -Die 4000 Hüte sind schon umgezogen. Die städtische Sammlung der Kopfbedeckungen vom Homburg-Hut bis zur afrikanischen Kaurimuschelhaube wird den großen Museumsumzug in einem Depot verbringen. Die Exponate aus dem Gotischen Haus werden derzeit nach und verpackt und gelagert für die Zeit, in der das Schlösschen in Dornholzhausen umgebaut wird.

Vor allem soll das knapp 200 Jahre alte Gebäude einen zweiten Fluchtweg bekommen. Außerdem wird das Obergeschoss so ausgestattet, dass die Ausstellungsstücke dort künftig unter idealen klimatischen Bedingungen lagern. Die Leiterin der städtischen historischen Museen, Dr. Ursula Grzechca-Mohr, hofft, dass das Gotische Haus spätestens im April 2023 wieder in Betrieb ist - 200 Jahre nach der Grundsteinlegung für das einstige Jagdschlösschen von Landgräfin Elisabeth mit seinen gotischen Stilelementen wie Zinnen, Ecktürmchen und Spitzbögen.

Ein "Fort Knox" der Kunst

Bis Ende dieses Jahres wird das Museum ausgeräumt sein. Die kostbarsten der geschätzt 300 000 Exponate - 40 000 an der Zahl - werden im Horex-Museum aufbewahrt. Denn der zweite Museumsstandort der Stadt, der im Gewerbegebiet seit acht Jahren die Industriegeschichte der Stadt - vor allem die der Horex-Motorräder - zeigt, entspricht den modernen Sicherheitsstandards. Die wichtigsten Erinnerungsstücke der Kurstadt werden also sozusagen in einem "Fort Knox" der Kunst lagern.

Da das kleine Horex-Museum kaum Lagerräume hat, machen die Kulturbeauftragten der Stadt aus der Not eine Tugend. Im Ausstellungsraum, der sich über mehrere Ebenen zieht, entsteht ein Schau-Depot. Auf engstem Raum werden dann die Höhepunkte der Sammlung gemeinsam gezeigt - "vom historischen Kinderhäubchen bis zum Motorrad", veranschaulicht die Museumsleiterin.

Jeder Quadratzentimeter wird dabei genutzt - auch die der hohen Wände. Gerade wurden dort Zaungitter installiert. In Petersburger Hängung - also alles bunt nebeneinander - werden hier Gemälde aufgehängt. Im Eingangsbereich werden die Besucher so allerlei über das Gotische Haus erfahren. In den nächsten beiden "Kojen" - wo früher die Hochräder standen - wurden bereits Grafikschränke platziert. In geräumigen Schubladen liegen Fotos, Pläne und Grafiken, die bei Führungen auch betrachtet werden können.

Motorräder neben historischen Kleidern

Das obere Geschoss des Horex-Museums ist noch weitgehend leer; Kisten und Regale stehen bereit wie bei einem großen Wohnungsumzug. Ähnlich "gemischt" wird das eigentliche Technikmuseum in den nächsten beiden Jahren auch eingerichtet sein: Im hinteren Bereich vor den großen Fenstern, wo stets die "heißen Öfen" aufgereiht waren, soll eine Auswahl historischer Kleider präsentiert werden. "Das ist 19. Jahrhundert pur", sagt Dr. Ursula Grzechca-Mohr, als sie einer Kiste einen grauen Schirm entnimmt, der nicht viel anders aussieht als heutige Modelle. Auch einen Schaukoffer mit ausgesuchten Hüten wird es geben.

In unmittelbarer Nähe stehen die beiden Horex-Motorräder, die der Stadt gehören. Die Museumsleiterin überlegt noch, wo diese am besten stehen sollen. "Vielleicht hängen wir sie an den Kran", sagt sie und deutet auf das Industrierelikt, dessen kräftiger Ausleger sich durch den Raum zieht. Für eine schwere Hutpresse, mit der damals der Filz für den "Homburg" bearbeitet wurde, sucht sie noch einen Raum.

Corona hat den Umzug nicht stark verzögert. Rund zwei Drittel der Stücke sind bereits verpackt. Und für das Horex-Museum steht mit dem 1. Januar 2021 der Eröffnungstermin des Schau-Depots bereits fest.

Von Anke Hillebrecht

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare