Vor 100 Jahren verstorben

Fabrikant Jean E. Leonhardt war ein Mann von tiefem Glauben und großer Haltung

Jean Emil Leonhardt zählte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den Bürgern, die die Kurstadt prägten. Zu seinem 100. Todestag am 24. August 1918 erinnert Stadthistorikerin Gerta Walsh in einer Kurzserie an den tiefgläubigen Mensch und Fabrikanten. Lesen Sie heute den zweiten und letzten Teil.

Der am 1. August 1914 ausgebrochene Weltkrieg veranlasste Jean E. Leonhardt mit seinem erworbenen Reichtum in Not geratenen Mitmenschen noch stärker zu helfen als er es bisher schon getan hatte. Dabei dachte er auch an die Soldaten, die bis zu ihrem Kriegseinsatz in der Kaserne an der Kaiser-Friedrich-Promenade (unser heutiges Finanzamt) stationiert waren. Aus heutiger Sicht erscheint es sonderbar, dass man damals genau wusste, wo genau diese Männer im Schützengraben lagen!

Mit seinem Geschäftspartner Friedrich Kleemann, mit dem er die Rex-Conservenglas-Gesellschaft gegründet hatte, sammelte Leonhardt Liebesgaben in der Stadt und erwarb dazu Dinge, die an der Front gebraucht wurden. In zwei vollbeladenen Automobilen verließen beide Männer am 2. Oktober 1914 Bad Homburg in Richtung Westfront und erreichten am dritten Morgen bei den Ardennen das nahe Frontgebiet und die aus Homburg stammenden Soldaten.

Ein Großteil der Waren ging an ein nahegelegenes Lazarett, wo man gerne Auskunft darüber gab, was man noch so alles brauchen könnte. Dies waren: Kerzen, Zervelatwürste, wollene Hosen und Hemden, sowie Bronchialtee und – als Arzneimittel gegen Ruhr – Cognac. Beim zweiten Transport starteten am 10. Oktober sogar vier Fahrzeuge die aber diesmal nicht so nahe an die Frontlinie fahren durften. Der „Taunusbote“ brachte danach zwei ausführliche Berichte über die abenteuerliche Reise unter der Schlagzeile „Zurück vom Kriegsschauplatz“ .

Doch Leonhardt, am 25. Oktober 1853 als Sohn eines erfolgreichen Kaufmanns geboren, zeigte sich auch noch auf andere Weise als Wohltäter, vor allem, da die Not mit jedem Kriegsjahr größer wurde. Und so unterstütze der gläubige Fabrikant auch die Arbeit des Vaterländischen Frauenvereins. Und als dazu aufgerufen wurde, für die Verwundeten in den Lazaretten Obst und Gemüse zu spenden, übernahm seine Rex-Gesellschaft das kostenlose Einrexen. Er spendete reichliche Mengen an Lebensmitteln für die Ausgabestellen bei denen Frauen von Soldaten die begehrten Waren abholen konnten.

Im schweren Kriegsjahr 1917 schenkte Leonhardt sein Haus in der Ferdinandstraße, die „Villa Else“, der Stadt Bad Homburg zur Unterbringung von Kriegswaisen. Im April konnte der „Taunusbote“ vermelden, dass alles bereit sei zur Aufnahme der Kleinen. Leider verkaufte die Stadt das Haus 1923 wieder, dessen Verkaufspreis nach der Aufwertung nicht mehr viel wert war. 1927 belief der Betrag dieser „Leonhardtstiftung“ nur noch 1050 Mark und verschwand dann in den Magistratsberichten.

Insgesamt betrugen die Schenkungen und der Wert der direkt gegebenen Gaben des großzügigen Spenders 160 000 Mark. Für „hervorragende Betätigung im Dienste der Wohltätigkeit“ verlieh ihm Kaiser Wilhelm II. im November 1917 den Roten Adlerorden IV. Klasse. Er konnte diese Auszeichnung nicht mehr persönlich entgegennehmen, da er schon schwer erkrankt war.

Am 11. Oktober 1917 musste er sich einer Operation unterziehen, deren Ausgang ungewiss war. Damals spürte er den „Schatten des Todes“. Zu Herzen gehend ist der Brief, den er am Vorabend dieses Tages seiner Frau und den Kindern schrieb. Darin spiegelte sich sein tiefes Gottvertrauen, und Leonhardt verband die Nachricht zugleich mit der Mahnung an seine Lieben, stets an die Mitmenschen zu denken, denen es im Leben nicht so gut ging wie ihm und seiner Familie. Hier fand er Worte, die seine Lebenshaltung ausdrückten: „Gedenke der Armen, der Waisen, der Brüder die in Noth sind und des ganzen Werkes des Herrn. Er hat uns so reichlich gesegnet, deshalb thue deine Hand weit auf und verschließe dein Herz nicht. Alles war und ist nur anvertrautes Gut. Ich wünsche keine Lobreden, keine Blumen.“

Diese Operation überlebte er, doch am 24. August 1918 starb Jean Emil Leonhardt nach langem Leiden und fand auf dem evangelischen Friedhof am Untertor seine letzte Ruhestätte.

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