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Rund 50 Bewohner verbrachten die Nacht in der Sporthalle Frölingstraße. Sie war gestern abgesperrt.

Im Hessenring 130 a

Feuer in Asylunterkunft: Fünf Personen bei Evakuierung verletzt

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In der Nacht zum Montag hat die Asylunterkunft im Hessenring 130 a gebrannt. Die meisten Bewohner fanden in der HUS-Sporthalle ein Feldbett. Ob das Gebäude je wieder bewohnbar ist, ist fraglich. Unklar ist auch, ob ein Geflüchteter selbst für den Brand verantwortlich ist.

Den Brandbekämpfern boten sich dramatische Szenen, als sie um kurz vor Mitternacht in der Nacht zum Montag in den Hessenring 130 a (Haus Schlesien) kamen: Flammen schlugen aus dem ersten Stock, Glasscheiben barsten, an den Fenstern und auf den Balkonen standen Bewohner in Panik. Eine Frau habe im vierten Stock vor der Balkonbrüstung gestanden, bereit zu springen, berichtet der Leiter der Homburger Wehr, Daniel Guischard. „Viele Bewohner reagierten irrational auf das Feuer, es war eine unübersichtliche Situation.“

Weil die Wehren Kirdorf, Mitte und Gonzenheim mit 63 Helfern im Einsatz waren und sofort an drei Stellen Sprungpolster aufstellten, konnten sie Schlimmeres verhindern. Sie evakuierte das Gebäude; vier Personen wurden über Rettungsleitern nach draußen gebracht, ein Mann sprang vom vierten Stock, landete unglücklich und trug eine Schädelverletzung davon. Er sowie vier weitere Personen mit Rauchvergiftung kamen ins Krankenhaus.

Um 23.38 Uhr wurde zudem beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) die Multifunktionale Einsatzeinheit (MFE) 1 Bad Homburg alarmiert. Schnell war klar, dass die 53 im Gebäude gemeldeten Bewohner eine Unterbringung für die Nacht brauchten. Nach Rücksprache mit einem Lehrer sowie der Leiterin der Humboldtschule (HUS) und dem Landrat richteten die DRK-Helfer kurzfristig die HUS-Sporthalle in der Frölingstraße mit Feldbetten ein. Dort bekamen die Geflüchteten warme Getränke und eine Nudelsuppe. Ohne Halle hätte das DRK auf dem Klinikgelände Zelte aufgebaut, erklärte der stellvertretende Kreisbereitschaftsleiter Stefan Osthoff.

In Begleitung der Helfer durften die Flüchtlinge in der Nacht und am Morgen noch mal ins Gebäude, das sie zuvor in Panik verlassen mussten, um persönliche Sachen zu holen. Gestern durfte niemand mehr hinein. Während draußen junge Flüchtlinge auf die ausbrannten Fensteröffnungen schauten, befragte die Polizei drinnen Zeugen.

In der Nacht hatte ein 20 Jahre alter Syrer den Einsatzkräften berichtet, er habe in seinem Apartment die Matratze angezündet. „Es spricht vieles dafür, dass es so war“, sagte gestern Nachmittag Polizeisprecher Michael Greulich. Nachdem Polizisten die ausgebrannte Wohnung im ersten Stock besichtigt hatten, werde der Tatverdacht aufrechterhalten. Ein solcher Brand habe nicht einfach so ausbrechen können.

Der Syrer sowie ein weiterer Bewohner, der die Löscharbeiten gestört hatte, wurden in Polizeigewahrsam genommen. Letzterer wurde wieder entlassen; was mit dem Syrer passiert, war gestern bis Redaktionsschluss noch unklar. Seine Vernehmung gestern habe noch keine weiteren Informationen gebracht, so Greulich. Auch über die möglichen Gründe, warum der 20-Jährige das Feuer absichtlich gelegt haben könnte, weiß die Polizei noch nichts Sicheres. Greulich: „Da kann Frust eine Rolle gespielt haben.“

Während die Flüchtlinge inzwischen auf andere Unterkünfte im Hochtaunuskreis verteilt wurden, wurde für Mitarbeiter der Klinik, die ebenfalls dort wohnen, vorübergehend Hotelzimmer angemietet. Das Nachbarhaus Pommern ist nicht betroffen. Die Turnhalle in der Frölingstraße wurde noch gestern wieder freigeräumt. Wann und ob die Wohnungen im Haus Schlesien wieder bewohnbar sind, wusste Guischard gestern noch nicht. „Wenn, dann muss das Gebäude aufwendig renoviert werden.“ Denn durch die Hitze seien diverse Armaturen geschmolzen; teils funktioniere auch die Elektrizität nicht mehr.

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