Auf einem Segelschiff

Finn Steinbach macht Auslandssemester in einem College auf hoher See

Der 16-jährige Finn Steinbach hat ein halbes Jahr mit gleichaltrigen Schülern auf einem Segelschiff verbracht und einiges dabei erlebt. Für ihn sei dies eine gute Alternative zu einem Auslandsjahr gewesen.

Er hat wieder festen Boden unter den Füßen. Und das sei schon etwas sehr Schönes. Vor allem dann, wenn man das letzte halbe Jahr auf einem Segelschiff verbracht habe. Genauer gesagt auf dem Drei-Mast-Schoner „Regina Maris“. So geschehen bei Finn Steinbach aus Bad Homburg. Der 16-jährige Humboldt-Schüler war mit 34 Gleichaltrigen auf Segeltörn und würde das am liebsten gleich noch einmal machen.

„Das war eine tolle Erfahrung. Ich vermisse meine neuen Freunde sehr, obwohl ich mich natürlich auch auf meine Familie und meine Freunde hier gefreut habe“, sagt er und erzählt etwas wehmütig von der Zeit an Bord. „Die Tage auf See kommen einem länger vor, sie sind irgendwie gefüllter und erfüllter.“

Ein Tag auf dem Schiff sei wie zwei Tage hier. Es sei nicht wie Urlaub, denn man habe immer etwas zu tun. Neben vier Unterrichtsstunden täglich hatte jeder feste Aufgaben zu erfüllen. „Wir hatten diverse Dienste, auch nachts“, erklärt Finn. Regelmäßige Rundgänge seien angesagt gewesen, ebenso wie Aufpassen, dass das Schiff auf Kurs bleibe oder alle Seile festgezurrt seien.

Die Jugendlichen waren auch für die Reinigung zuständig und fürs Kochen. „Das war ganz schön hart, denn wir mussten immer schauen, was noch an Bord war und auf Grund dessen uns überlegen, was wir zubereiten können“, erinnert sich der 16-Jährige. Auch die Einkäufe, wenn das Schiff mal anlegte, mussten die Schüler selbst erledigen. Da habe er ganz gut gelernt zu organisieren und zu planen. Überhaupt wirkt der 16-Jährige entspannt und besonnen. Das habe er vor allem der Zeit auf See zu verdanken, er sei dadurch ruhiger, gelassener geworden. „An Bord passiert immer irgend etwas, da wird man einfach gleichgültiger“, meint er lachend.

Finn war mit der „Regina Maris“ unterwegs, ein Segelschiff, das Teil des Projektes „Ocean College“ ist. Mit an Bord waren 18 Jungen und 16 Mädchen aus ganz Deutschland ebenso fünf Lehrer und fünf Crew-Mitglieder. Die Reiseroute führte von Amsterdam über Lissabon zu den Kanarischen Inseln und dann über den Atlantik in die Karibik. Nach einem längeren Aufenthalt in Costa Rica, wo die Jugendlichen eine Sprachschule besuchten, bildete Kuba den Wendepunkt der Reise. Von hier ging es über den Nordatlantik, die Azoren, Irland und England zur Endstation Hamburg zurück.

Insgesamt hätten sie während des Törns Glück mit dem Wetter gehabt. Sie hätten nie so richtig stürmisches, gefährliches Wetter erlebt. Jedoch habe der Wind gereicht, dass das Schiff relativ schräg stand. Da habe man schon ein mulmiges Gefühl gehabt. Aber so richtige Todesangst habe er nie gehabt, sagt Finn. „Man ist angegurtet, wenn der Wind bläst, und das ist relativ sicher.“ Nachts sei es auf See ganz dunkel, „ich meine so richtig dunkel, nicht wie bei uns. Da ist alles schwarz, und man sieht gar nichts mehr. Das kann schon unheimlich sein. Aber auch sehr schön“. Manchmal, bei hohem Seegang, sei es im Inneren des Seglers ganz schön stürmisch zugegangen – Sachen seien herumgeflogen, Geschirr von den Tischen auf den Boden gerutscht. „Das war schon heftig, doch meist ging es eher entspannt zu. Wir haben viel miteinander geredet, Spiele gemacht, gelesen. Und auch viel geschlafen“, erinnert sich Finn. Untereinander habe man sich recht gut verstanden, „es waren ja zum größten Teil Leute dabei mit gleichen Interessen, die so ticken, wie man selbst. Das war schon cool“. Da habe es auch nicht gestört, dass man auf engem Raum zusammengelebt habe. „Wir waren zu viert in einer kleinen Kabine und mussten darin auch unsere Sachen für ein halbes Jahr verstauen. Das meiste haben wir unterm Bett untergebracht“, erzählt Finn lächelnd.

Vor allem sei die Zeit auf dem Schiff für ihn besser als ein Auslandssemester gewesen, trotz regelmäßiger Seekrankheit-Attacken. „Ich sehe den Sinn darin nicht, einfach die Schule an einen anderen Ort zu verlegen. Daher habe ich mich auch für den Segeltörn entschieden“, sagt der 16-Jährige. So habe er verschiedenste Sachen gelernt sowie gleich mehrere Länder gesehen. Und diese Erfahrung kann ihm auch keiner nehmen. Da hätten sich die Kosten von rund 22 000 Euro wirklich bezahlt gemacht.

Das „Ocean College“ gehört zu einem Schulprojekt, bei dem 34 Schüler aus ganz Deutschland im Alter zwischen 14 und 16 Jahren ein halbes Jahr lang an Bord eines Segelschiffes verbringen. Dabei finden der Unterricht und das Leben der Teilnehmer für sechs Monate in einer Schule unter Segeln statt. Mit dem Konzept des Unterrichts auf einem Schiff sollen die Kids Kenntnisse über die eigene Persönlichkeit erlangen oder den

Umgang mit Konflikten

. Oft haben sie an Bord die Möglichkeit, theoretisches Wissen direkt anzuwenden. Das rotierende System aus diversen Jobs an Bord und Schule hat zur Folge, dass der Unterricht in Kleingruppen von maximal zehn Schülern stattfindet. „Eine Bordgemeinschaft auf hoher See verlangt von allen Teilnehmern Disziplin, Einsatz und Teamfähigkeit“, heißt es auf der Homepage des Ocean College.

Während der Landaufenthalte in Mittelamerika werden Projekte mit Kooperationspartner organisiert, die zuvor von den Jugendlichen mitentwickelt wurden. „Oberste Ziele bei der Projektarbeit ist die Erfahrung von Projektmanagement, sensiblem und nachhaltigem Wirtschaften und Konsumieren, sowie das Umsetzen langfristiger Initiativen mit Partnern vor Ort“, heißt es bei „Ocean College“.

Der nächste Törn startet im Oktober dieses Jahres. Die Gesamtkosten der sechsmonatigen Reise von Oktober bis April 2019 betragen 22 999 Euro. Mehr Infos gibt es unter im Internet. Ein weiterer Anbieter ist das „Klassenzimmer unter Segeln“ (www.kus-projekt.de).

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