Flötistin erhält rauschenden Beifall

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Komplett ausverkauft war das dritte Orchesterkonzert am Freitag in der Reihe der Schlosskonzerte. Das Folkwang-Kammerorchester war zu Gast mit der Flötistin Carla Velasco.

16 junge Streicher gehören dem Ensemble an, die Bläser werden je nach Bedarf dazugeholt. Jung ist das Orchester, gedacht für Studienabgänger, um sich ins Berufsleben hineinzufinden. Bis 35 Jahre dürfen sie mitspielen, dann müssen sie dem jüngeren talentierten Nachwuchs Platz machen. Sie sind also auf dem Höhepunkt ihres Könnens und besitzen ein Höchstmaß an Temperament.

Entsprechend legte das Orchester auch los mit der Sinfonie A-Dur KV 114 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) unter Leitung von Johannes Klumpp, der auch international auf sich aufmerksam machen konnte und seit 2014 Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Ensembles ist. Hohe Streicherkunst zelebrierte das Orchester in ungewohnter Dynamik. Die Hörner zeigten gewisse Unsicherheiten in Ansatz und Intonation.

Nicht häufig zu hören ist das Flötenkonzert D-Dur des jüngsten Bach-Sohnes Johann Christian Bach (1735–1782), zu Unrecht, wie man aus Überzeugung nach dem technisch und musikalisch brillanten Vortrag der jungen hoch talentierten Spanierin Carla Velasco sagen kann. Derzeit vervollkommnet sie ihre Studien an der Hochschule in Frankfurt bei Sebastian Wittiber, dem Soloflötisten des HR-Sinfonieorchesters. Ihr Spiel besticht durch einen weichen, eleganten und trotz rasanter Tempi mühelos klingenden Ton. Sehr behutsam und gekonnt wurde sie dabei begleitet und getragen vom Orchester. Zum Dank für rauschenden Beifall spielte sie noch eine Arie aus „Il Giustino“ von Vivaldi.

An Tänze alter Meister des 16. und 17. Jahrhunderts knüpfte Ottorino Respighi (1879–1936) an. Begeisterung erntete die eindrucksvolle, mit Verve gebotene Suite III von „Antiche Danze ed Arie per Liuto“. Mit der Mozartsinfonie Nr. 27 G-Dur KV 199 in drei Sätzen endete das Konzert, auch sie mit äußerstem Temperament und Virtuosität dargeboten.

Am Ende erhielten die Zuhörer dann eine Erklärung für die ungewöhnliche Interpretation: Mozart sei nicht nur Wiener Klassik, sondern auch Sturm und Drang (in der deutschen Literatur hauptsächlich von Schiller in seinen „Räubern“ vertreten), „Rock ’n’ Roll würde man wohl heute dazu sagen“, meinte Johannes Klumpp. Die oft heftige, derbe und in den Fortissimi überzeichnete Darbietung war nicht jedermanns Geschmack, fand in diesem Konzert jedoch durchaus ihre Liebhaber, die adäquate Zustimmung war nicht zu überhören. Die Leichtigkeit, die man sonst bei Mozart sehr schätzt, blieb dafür großenteils auf der Strecke.

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