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An dieser Stelle war der Bordstein bislang abgesenkt. Im Zuge der Umbauarbeiten im Viktoriaweg wurde diese Rampe entfernt und stattdessen ein hoher Bordstein angebracht. Der soll den Kurpark vor Regenfällen schützen, bringt Radler aber in die Bredouille.

Folgen für den Fahrradverkehr

Flutschutzmaßnahme für den Kurpark: Neuer Bordstein bremst Radfahrer aus

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Spätestens seit Bad Homburg den Stadtentwicklungsprozess Bad Homburg 2030 in Gang gesetzt hat, ist klar: Radverkehr ist das Thema, das den meisten Bürgern unter den Nägeln brennt. Allein, die Ergebnisse des Arbeitskreises Radverkehr, die lassen auf sich warten. Was manchenorts für echte Schwierigkeiten sorgt. Im Viktoriaweg zum Beispiel.

Monatelang wurde im Viktoriaweg gebuddelt, gebaggert, gebaut, denn die Straße wurde erneuert, zwischen Philosophenweg und Hölderlinweg war die Strecke zeitweise komplett gesperrt. Ende Juli wurden die Gas- und Wasserleitungen zwischen Schwedenpfad und Hölderlinweg erneuert. Die Arbeiten der Stadtwerke hatten auch zur Folge, dass der Viktoriaweg halbseitig gesperrt und der Verkehr über eine Baustellenampel geregelt werden musste. So weit, so bekannt. Aber: Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen erhielt der Viktoriaweg auch einen 15 Zentimeter hohen Bordstein. Und der bremst Radler aus.

„Durch die Straßenbaumaßnahmen und die Gehwegerneuerung im Viktoriaweg ist die Zufahrt auf den Radweg des Jenny-Baumstark-Wegs über die Brücke in der Verlängerung des Philosophenwegs nicht mehr möglich. Der neue Bordstein ist so hoch, dass ein Hochfahren mit dem Rad absolut unmöglich ist“, sagt eine Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Trotzdem weise weiterhin ein Schild vor der Brücke auf den kombinierten Rad- und Fußweg hin. Aber, sagt die Frau: Um dorthin zu kommen, müsste man sein Rad erst über die Kante hieven. „Das bremst nicht nur den Verkehrsfluss, das ist auch gefährlich.“

Sie ist mit ihrer Einschätzung nicht alleine. Viele radfahrende Anwohner können kaum glauben, dass die Stadt – vor allem mit Blick auf das Radverkehrskonzept, das der Arbeitskreis Radverkehr derzeit bekanntlich erstellt –, „solch einen Unfug fabriziert“, wie es eine andere Anwohnerin formulierte.

Eine weitere erkundigte sich schließlich bei der Stadt, warum es keine Rampe mehr gebe, sondern stattdessen besagten hohen Bordstein und pochte darauf, dann aber am Zebrastreifen ein Schild aufzustellen, dass der für Radfahrer freigegeben wird. „Mir war bewusst, dass das nicht geht, und das hat das Ordnungsamt auch verneint, aber ich wollte demonstrieren, wie unsinnig diese Sache ist“, sagt sie.

Merkwürdig erscheint allen die Begründung des Straßenbaus für die Maßnahme. Der erklärt in einem Schreiben an eine der Frauen nämlich: „Die von ihnen angesprochene Absenkung wird leider nicht mehr zur Ausführung kommen. Die Absenkung diente nur zum Zweck der Zufahrt für Dienstfahrzeuge für Pflegearbeiten im Park.“ Da es aber bei „Starkregenereignissen“ immer wieder „zu Ausspülungen in diesem Bereich“ gekommen sei, „wurde in der Planungsphase in Abstimmung mit der Abteilung Straßenverkehrsbehörde sowie Stadtplanung entschieden, die Absenkung zurückzubauen“. Zudem werde der Radweg in diesem Bereich auch nicht offiziell über die Straße geführt, daher sei eine Absenkung aus Sicht des Radverkehrs auch nicht notwendig.

Auch Stadtsprecher Andreas Möring bestätigt diese Angaben auf Anfrage dieser Zeitung. „Der Bordstein wurde im Zuge der Sanierungsarbeiten im Viktoriaweg angehoben, damit es bei starken Regenfällen nicht mehr zu Ausspülungen der Wege im Jubiläumspark kommt, sondern das Wasser aus dem Hardtwald vor dem Bordstein gebremst und seitlich abgeleitet wird.“

Starkregenfälle

kämen immer wieder vor und sorgten für Unterspülungen, die zu beseitigen „eine Menge Kosten verursachen“, so Möring weiter.

Verständnis für die Argumentation haben die Frauen nicht. Eine sagt: „Das ist nicht nachvollziehbar. Ein Radweg sollte doch über möglichst viele Zufahrten befahrbar sein.“ Gerade für Schüler aus dem Nordosten sei diese Zufahrt für einen gesicherten Schulweg zu diversen Schulen wichtig. Denn: „Der Hölderlinweg ist viel steiler und daher für Radler ungünstig und die Herderstraße eine Einbahnstraße.“

Abgesehen davon, erinnert sie mit Blick auf das Stadtentwicklungskonzept: „Beim dritten Forum wurde die Strecke Philosophenweg, Jubiläumspark, Schwedenpfad als einzige Nord-Süd-Achse ausgewiesen. Die jetzt mit einer Bordsteinkante zu unterbrechen, ist schon ein starkes Stück und zeigt, dass der Umsetzung der städtischen Radverkehrskonzepte – zumindest bislang – jeder Realitätsbezug fehlt.“

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