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Großes Interesse: Über 400 Besucher waren zum Stadtforum ins Kurhaus gekommen und nutzten die Gelegenheit, sich an Schautafeln über die Empfehlungen der Stadtplaner zu informieren.

Mobilität hat Priorität

Forum zur Stadtentwicklung stellt die Weichen für das Jahr 2030

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Wie leben wir in Bad Homburg im Jahr 2030? Darüber haben sich Bürger wie Verwaltung, Architekten wie Stadtplaner ein Jahr lang den Kopf zerbrochen, Vorschläge und Ideen eingebracht, vieles diskutiert, anderes verworfen. Seit Mittwoch ist der Stadtentwicklungsprozess in eine neue Phase eingetreten – jetzt wird’s konkret.

16 Punkte umfasst die Prioritätenliste für die Zukunft der Stadt – und sie betrifft jeden Bereich des kurstädtischen Lebens: Mobilität, Innenstadt, Stadteingänge, Wirtschaft, Wohnen, Jugend, Aktivität, Alter und Klima. Die Stadtverwaltung und die Mitarbeiter des für die Erstellung des Stadtentwicklungsplans Bad Homburg 2030 verantwortlichen Architektur- und Stadtplanungsbüros AS+P Albert Speer und Partner waren fleißig. Die Bürger auch. Über 7000 beteiligten sich in irgendeiner Form am Entscheidungsfindungsprozess. Etwa 450 von ihnen waren am Mittwoch ins Kurhaus gekommen, um zu hören, wie nun das Regiebuch der Stadt aussehen wird, sprich, welche Projekte und Maßnahmen tatsächlich zu erwarten sind.

Gleich vorweg: In vielen Bereichen fordert das Gesamtkonzept Einzelkonzepte – etwa bei der Umgestaltung des Kurhausvorplatzes, die nur im Zusammenhang mit dem Um- oder Neubau des Kurhauses vonstattengehen kann. Oder beim prioritären Thema Mobilität, das ein Konzept für alle Verkehrsteilnehmer erfordert – wobei derzeit erst das Radverkehrskonzept in der Mache ist.

Allerdings haben Svenja Knuffke und Stefan Kornmann von AS+P vielfach konkrete Vorstellungen. Bei den „Aktivangeboten für Jugendliche“ schwebt ihnen in Dornholzhausen eine Skateranlage vor, im Jubiläumspark sei Ähnliches vorstellbar. Und die Bachstraße in Kirdorf „kann definitiv mehr sein als ein Parkplatz“ – dafür gab’s Applaus. Ein Parkraumkonzept müsse her, da sei zum Beispiel denkbar, die Parkplätze am Schulberg „herauszunehmen und in die Schlossgarage zu bringen“. Ja, sagte Kornmann, die Ladeninhaber hätten Angst, Kunden zu verlieren. Aber wenn man denen die erste halbe Stunde in der Schlossgarage kostenlos anböte. . . ?

Kreativ sind die Planer in Sachen Überquerung des Hessenrings am Rathaus. Die sei für Fußgänger über die Brücke möglich, Radfahrer aber hätten es schwer. Den Planern schwebt vor, dort „eine Rampe, eine Spindel“ als Auffahrt zu bauen, die optisch futuristisch und so perfekt zum Entree passe.

Dort befindet sich auch das „Mercedes Senger“-Gelände. „Mercedes will sich räumlich verändern“, sagte Knuffke und verwies auf den Umzug nach Oberursel. „Wohnen, Arbeiten und Dienstleistungsangebote ließen sich dort perfekt verwirklichen.“ Hier könnten sogar viergeschossig gebaut werden.

Zuletzt hatten die Planer eine Bebauung zwischen dem Südring und Ober-Eschbach ins Spiel gebracht, weil sich die Fortsetzung des Baugebiets am Römischen Hof dort anböte. Diesen Vorschlag hatte OB Alexander Hetjes (CDU) allerdings abgelehnt mit Hinweis auf die Funktion der Flächen als Kaltluftentstehungsgebiet für Gonzenheim und Ober-Eschbach. Gleichwohl: In direkter Nachbarschaft, zwischen der Langen Meile und der Pappelallee, könnte nicht nur eine „Akzentuierung des Stadteingangs“ geschehen mit moderner Bebauung von Büro- und Dienstleistungsgebäuden, sondern auch eine Wohnbebauung stattfinden.

Der Bornberg könnte ein „Klimaquartier“ werden. Im Areal nördlich des Ortskerns von Gonzenheim sehen die Planer ein „Quartier mit Modellcharakter“, mit wenig Autos und großem Grünzug. Andernorts wird über Verdichtung nachgedacht, etwa in der Hofheimer Straße und im Gartenfeld. Kornmann ist klar, dass „diese Potenziale dort schwer zu heben sind“. Gleichwohl „sollte man das angehen“.

Nun müssen ja nicht alle Neubauprojekte Häuser für Familien bedingen. Zumal laut Kornmann 74 Prozent aller Homburger in Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten leben. Das bedeutet: Eigentlich braucht es nicht mehr Häuser, sondern mehr Wohnungen. Vor allem für ältere Menschen. Seniorenwohnungen könnten sich Kornmann und Knuffke gut im Hardtwald oder auf der Ellerhöhe vorstellen.

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