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Inmitten ihrer Bilder: Die Fotografin Stefanie Wassermeier hat Menschen mit Tattoos abgelichtet.

Ausstellung

Wie die Fotografin Stefanie Wassermeier Tattoos erforscht

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Kürzlich hatte die Fotografin Stefanie Wassermeier künstlerische Aktfotografien mit Tattoos in ihrem Atelier gezeigt. Einige ausgewählte Bilder kommen danach ins Schaufenster, und die Fotografin ist gespannt auf Reaktionen der Betrachter.

Schon der „Ötzi“, die Gletscherleiche aus den Alpen, hatte seinen Körper bemalt, heute sind Tattoos beinahe schon gesellschaftsfähig. Macht Fotografin Stefanie Wassermeier jedoch geschäftliche Bilder, müssen die Körperzeichnungen oft hinter Kragen und Hemdsärmel verschwinden. Im Geschäftsleben sind sie noch nicht ganz angekommen, was die Fotografin nachdenklich gemacht hat. Und so kam es, dass sie sich Tattoos und die Menschen, die sie sich unter die Haut stechen lassen, etwas genauer anschaute und auch ablichtete. „Wenn jemand viel Geld ausgibt und Schmerzen dafür in Kauf nimmt, muss schon etwas Besonderes dahinter stecken“, so die Fotografin

Bei vielen spiegelt das Motiv die eigene Lebensgeschichte wider, schwere oder gute Zeiten die man durchgemacht hat. Das hat Wassermeier im Gespräch mit ihren Models festgestellt. Was macht eine Fotografin, wenn sie etwas interessiert? Sie nimmt es vor die Linse. Viele Menschen mit Tattoo haben sich ihr geöffnet, sich von ihr in Position bringen lassen. Ihre Körperzeichnungen wurden ausgeleuchtet und mit der Kamera einzufangen. So entstanden in Farbe oder Schwarzweiß bemerkenswerte künstlerische Aktfotos.

Dass dabei großes Vertrauen entstanden ist, zeigt die Tatsache, dass sie die Bilder unter Verschluss hatte, und die Modells sie erst bei der Ausstellung zu Gesicht bekamen. Winfried Lutz war begeistert. Nicht nur von seinem Abbild, sondern auch von den anderen Bildkompositionen. „Es ist heute ja relativ normal, Tattoos zu haben, sie zu zeigen ist mal etwas anderes. Und ich muss mich damit doch nicht verstecken.“

Was dahinter steckt, dass eine junge Frau ihre Kinder als Rosen mit Namen auf dem Rücken trägt, kann die Fotografien nur vermuten. Sie ist aber beeindruckt von der Symbolik, die sie entdeckt. „Was für eine Aussage, dass eine Mutter ihre Kinder als Rosen auf dem Rücken trägt.“ Dass viele Fragen offen bleiben, ist für Stefanie Wassermeier gut so. So bleibt auch im Dunkeln, wofür das aufs Bein tätowierte Strumpfband und der dahinter steckende Revolver stehen.

Ihre Models hat sie durch Mundpropaganda gefunden, viele seien erstaunlich offen gewesen, hätten ihr die Symbolik erklärt. Was der Mann sagen möchte, wenn er seinem Gegenüber die geballte Faust hinstreckt, ist sonnenklar. Auf den vier Fingern steht deutlich und hessisch: „GUDE“. Oft machen Menschen aber auch eine Zeit des Leidens über ein Tattoo deutlich. Wassermeier: „Für eine richtige Verarbeitung reicht ein Tattoo aber sicher nicht aus.“

Die Fotos waren nur am vergangenen Wochenende zu sehen, weil die Fotografin ihr Atelier im Alltag wieder braucht. Einige davon kommen allerdings ins Schaufenster, und Stefanie Wassermeier freut sich darauf, die Reaktionen zu beobachten. „Ältere Menschen sehen das meist positiver als jüngere“, hat sie festgestellt.

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