Sophie von Laroche
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Sophie von Laroche

Pionierarbeit von Schriftstellerinnen

Frauen griffen einst anonym zur Feder

Heute sind Frauen als Schriftstellerinnen anerkannt und erfolgreich. Ein Vortrag zeigte jüngst, dass die literarische Pionierarbeit von Schriftstellerinnen im 18. Jahrhundert noch in der Anonymität geleistet wurde.

Von WOLFGANG RÜDELL

„Schlaue Frauen sind verdächtig/nehmen alles in die Hand/schlaue Frauen beweisen/täglich ihr’n Verstand/ … / Frauen kommen langsam/ – aber gewaltig“ – Dieser Liedtext gibt die Situation der deutschen Schriftstellerinnen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts treffend wieder. Doch er stammt nicht aus der Zeit der Romantik, sondern aus der Frauenbewegung der 1980-er Jahre, geschrieben hat ihn die Liedermacherin Ina Deter.

Tatsächlich griffen zur Zeit von Klassik und Romantik nicht nur Männer, sondern auch Frauen zur Feder, um Unterhaltungsliteratur zu verfassen. Doch, weil sie damit nicht der damaligen Vorstellung der „züchtigen Hausfrau“ (Friedrich Schiller, 1799) entsprachen, waren sie bei der Veröffentlichung auf (männliche) Unterstützer angewiesen. „Drei Schriftstellerinnen der Goethezeit: Sophie von Laroche, Therese Huber und Dorothea Schlegel“ stellte Prof. Dr. Carola Hilmes in einem Vortrag beim Bad Homburger Geschichtsverein vor. Die Referentin ist Professorin der Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt und hat über das Thema der „Femme fatale“ ihre Dissertation verfasst.

Verfolgte Unschuld

„Weil die Schriftstellerinnen gesellschaftlich nicht akzeptiert waren, mussten sie anonym oder unter einem anderen Namen publizieren“, erläuterte die Referentin. Im Mittelpunkt ihrer von Empfindsamkeit geprägten Geschichten standen Frauenschicksale unter dem Motiv der „verfolgten Unschuld“. Aber auch gesellschaftliche Entwicklungen und Umwälzungen blieben nicht außer Acht. „In der feministischen Literaturwissenschaft sind die Werke gut aufgearbeitet“, betonte Prof. Hilmes. Im Hintergrund der literarischen Produktion stand oft die Notwendigkeit, zum Familieneinkommen beizutragen, wenn das des Mannes nicht ausreichte.

Alle vorgestellten Schriftstellerinnen haben auch im Rhein-Main-Gebiet gelebt. So Sophie von La Roche (1730-1807), die Großmutter von Bettina von Arnim und Clemens Brentano. Die erste deutsche Berufsschriftstellerin wohnte seit 1786 in Offenbach. Bereits 1780 war ihr Mann Georg Michael Frank wegen kirchenkritischer Äußerungen aus dem Dienst des trierischen Kurfürsten Clemens Wenzeslaus in Koblenz entlassen worden. Seit 1794 musste Sophie ganz von der Schriftstellerei leben. Bei ihrem Briefroman „Das Fräulein von Sternheim“ zeichnete der Schriftsteller der Aufklärung, Christoph Martin Wieland, als Herausgeber „C. M. Wieland“.

Therese Huber (1764-1829) war bis 1794 mit dem Naturforscher, Weltumsegler und Revolutionär Georg Forster (1754-1794), dem Mitbegründer der Mainzer Republik, verheiratet. Die Ehe war unglücklich, und Therese heiratete 1794 den Schriftsteller Ludwig Ferdinand Huber (1764-1804). Ihr Debütroman „Die Familie Seldorf“ erschien 1795 unter dem Namen ihres Mannes. Erzählt wird ein Frauenschicksal vor dem Hintergrund der französischen Revolution. Das zeitgeschichtliche Colorit dürften Briefe vermittelt haben, die ihr Georg Forster aus Paris schrieb, wohin er als Vertreter des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents entsandt worden war.

Nach dem Tod Hubers übernahm Therese die Herausgabe des „Morgenblatts für gebildete Stände“ des Verlegers Johann Friedrich Cotta herausgab. Damit wurde sie zur „ersten Journalistin Deutschlands“, merkte die Referentin an.

Anonym erschienen

Dorothea Schlegel (1764-1839), die Tochter des Aufklärers Moses Mendelssohn, war in zweiter Ehe mit dem Philosophen und Schriftsteller Friedrich Schlegel verheiratet. Aus ihrer ersten Ehe stammen die Söhne Jonas und Philipp Veit, die zu den Mitbegründern der Nazarener Malergemeinschaft wurden. Ihr Roman „Florentin“ erschien 1801 anonym unter der Herausgeberschaft von Friedrich Schlegel.

„Um 1800 sind die Schriftstellerinnen gesellschaftsfähig geworden“, resümierte Prof. Carola Hilmes. Weitere Frauen erregten Aufsehen als Schriftstellerinnen: so Caroline von Wolzogen (1763-1847) und – last not least – Karoline von Günderrode (1780-1806). Die Referentin: „Das ist dann eine andere Geschichte.“

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