1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Bad Homburg

Frauenverschwörung gegen Krieg

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Seit 70 Jahren besteht der Ortsring Bad Homburg des Deutschen Frauenrings. In dieser Zeit hat sich der Schwerpunkt der Arbeit verändert – auch weil man sich selbst ein wenig das Wasser abgegraben hat.

„Wir sind einer, wenn nicht sogar der älteste kontinuierlich existierende Ortsring im Deutschen Frauenring“, sagt Hella Tarara vom aktuellen Vorstandsteam nicht ohne Stolz. Seit 70 Jahren gibt es den Deutschen Frauenring Ortsring Bad Homburg, der am 17. September 1947 – übrigens im selben Jahr wie der Landesverband – ins Leben gerufen wurde.

Die Idee, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eine Fraueninitiative ins Leben zu rufen, ging auf Dr. Gabriele Strecker zurück. Die Homburger Ärztin, die damals die erste Leiterin des Frauenfunks von Radio Frankfurt war, wollte, „dass in Homburg etwas aufgezogen wird, vor allen Dingen auch mit politischer Aufklärung und Diskussionsabenden, die in der Folge dann auch (…) die Frauen menschlich zusammenschließen sollte“.

Schließlich mussten nach dem Ende des Naziregimes Demokratie und politisches Denken erst einmal gelernt werden. Von Anfang an bewusst überparteilich und überkonfessionell ausgerichtet, ging es den Gründerinnen um Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit – oder um es mit den Worten der ersten Vorsitzenden Hildegard Maurer zu sagen, um „eine Frauenverschwörung gegen Krieg und Brutalität“. Dafür setzte man sich auf kommunaler, landes- und bundespolitischer Ebene ein.

Vor allem aber hatte man sich die soziale Gleichstellung der Frauen in allen Bereichen auf die Fahnen geschrieben. Daneben engagierte man sich für Kriegsflüchtlinge. Erziehungsfragen wurden in den 70er Jahren diskutiert, genauso wie die damalige Ostpolitik. Schon früh kümmerte man sich um Sprachunterricht für ausländische Kinder und den Umweltschutz.

Für „verschämte Arme“

Die Frau des nach dem Krieg in Bad Homburg wohnenden amerikanischen Hoch-Kommissars, Ellen McCloy, zu der ein enger Kontakt bestand, brachte die Idee zu einem Weihnachtsbasar ein, bei dem „verschämte Arme“ die Möglichkeit bekommen sollten, anonym Dinge zu verkaufen, um die Not in der Nachkriegszeit überstehen zu können. Den Weihnachtsbasar als das soziale Hauptereignis gibt es heute noch. Im vergangenen Jahr wurden aus dem Erlös 84 Homburgerinnen mit je 100 Euro bedacht.

Anderes hat sich über die Jahre geändert, sagt Gudrun Grumann, die seit den 1970er Jahren dabei ist und lange Zeit im Vorstand aktiv war. „Die politische Lobbyarbeit spielt bei uns keine Rolle mehr.“ Die werde, so fügt Gisela Maier vom neuen Vorstandsteam hinzu, „vor allem auf Landes- und Bundesebene gemacht.“ Unpolitisch sei man deshalb aber nicht. Themen wie gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit bei Männer und Frauen werden diskutiert. Auch mit der Teilnahme an Demonstrationen, wie beispielsweise im vergangenen Jahr am Marsch gegen Gewalt gegen Frauen, zeigt der Frauenring Präsenz. „Natürlich interessieren uns die aktuellen Ängste der Frauen in der Gesellschaft“, betont Tarara. „Aber eben nicht mehr in der Form, wie es früher war.“

Ein Grund für die weniger intensive politische Lobbyarbeit auf kommunaler Ebene ist sicherlich die Altersstruktur der Mitglieder, denn die jüngsten seien etwa 50 Jahre alt. Irgendwie habe man sich mit dem vehementen Eintreten für die Rückkehr in den Beruf selbst das Wasser abgegraben, analysiert Grumann. Die jungen Frauen von heute sind meist im Beruf und haben kaum noch Zeit für ein Engagement im Frauenring, bestätigt auch Ute Dufter, die selbst nach dem Ende ihrer beruflichen Tätigkeit im Dezember eingetreten und jetzt im neuen Vorstandsteam ist.

Kulturelles Angebot

Das vor allem kulturell ausgerichtete Angebot für diese Altersgruppe ist breit gefächert: Englische Konversation, Kunstführungen und gemeinsame Reisen werden angeboten. „Denn der Bildungshunger“, so Vorstandsmitglied Brigitte Koehler, „ist ungebrochen.“ Der Austausch in einer Atmosphäre, wenn Frauen unter sich sind, sei immer noch wichtig. „Hier können wir frei sein“, bringt es Karin Lehmann-Koopmann, die sich seit Jahren beim Weihnachtsbasar einbringt, auf den Punkt.

Bis heute sind internationale Kontakte ein Kernanliegen des Homburger Frauenrings. Außer dem Kontakt nach Italien und der Schweiz wrden vor allem die Beziehungen nach England gepflegt – und das schon seit Anfang der 1960er Jahre, also noch bevor es die Städtepartnerschaft zwischen Bad Homburg und Exeter bestand. Längst ist eine enge Freundschaft mit der Organisation der „Excel-Ladies“ entstanden. Alle zwei Jahre besucht man sich gegenseitig. In diesem Juli ist es wieder soweit, wenn für eine Woche eine Gruppe von Engländerinnen beim Homburger Ortsring zu Gast ist. Dann wird bestimmt auch der „Brexit“ ein Thema sein und den Frauenring persönlich wie politisch beschäftigen.

Auch interessant

Kommentare