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Die grüne Tür der Freimaurerloge ?Zur Freiheit? in der Orangeriegasse bleibt für die meisten Passanten geschlossen. Nur die Mitglieder dürfen hinein ? natürlich auch der Vorsitzende Patrik Bishay.

Vortrag mit neuen Erkenntnissen

Freimaurer öffnen sich

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Die Homburger Freimaurer feiern in diesem Jahr gleich drei Jubiläen. Normalerweise zurückgezogen, beziehen sie die Bevölkerung heute ein. Ein Vortrag bietet neue Erkenntnisse in einem noch vielfach unerforschten Feld.

Es gibt heute nur noch wenige Orte, die man nicht besichtigen darf: Trinkwasserstollen etwa, private Gruften – und die Räume der Bad Homburger Freimaurerloge „Zur Freiheit“ im ehemaligen Marstall am Schloss. Ein Versammlungsraum und ein „Tempel“ befinden sich dort – wie Letzterer aussieht, möchte Patrik Bishay, in diesem Jahr Vorsitzender der Vereinigung, nicht preisgeben (siehe auch „Nachgefragt“).

Die Homburger Freimaurer gebären sich besonders zurückgezogen – das hat auch mit der Historie zu tun. Nicht immer war man den Herren, die die abgeschiedene Zusammenkunft suchen, so wohlgesonnen wie heute. In einer Zeit, als sich Europa durch den Wiener Kongress neu ordnete, konnte sich vor 200 Jahren die erste Loge in Bad Homburg gründen. Der damalige Landgraf Friedrich V. (1748–1820), der lieber die Künste förderte als Krieg spielte, begünstigte die Loge „Friedrich zum Nordstern“, die in einem Privathaus in der Obergasse zusammenkam. „Nordstern“ steht für den Polarstern, der nach Norden zeigt und Teil des Logen-Logos ist. Nach Friedrichs Tod musste die Homburger Loge 1821 das Licht löschen.

Die Herren trafen sich fortan im Haus der Hof-Apotheke zum „Freimaurer-Kränzchen“ gleichen Namens; auch Homburger Persönlichkeiten wie Baurat Louis Jacobi (1836–1910) oder Hof-Fotograf Thomas Heinrich Voigt (1838–1896) waren Freimaurer, ebenso übrigens Goethe und Schiller. Im Zweiten Weltkrieg war kein Freimaurertum mehr möglich.

Vor 45 Jahren riefen 17 Brüder in Bad Homburg die heute noch existierende Loge „Zur Freiheit“ als Nachfolgerin der „Friedrich von Nordstern“ ins Leben. Seit 1974 residiert sie im Schloss. 40 Brüder, die im ganzen Rhein-Main-Gebiet beheimatet sind, gehören ihr an. Der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche habe entschieden, dass die Freimaurer eine unbedenkliche Vereinigung sind, weiß Logenmitglied Matthias Hischer; die katholische Kirche bleibe skeptisch.

1717 war in London die erste Großloge gegründet worden. 1717, 1817 und 1972 – diese drei Jubiläen haben die Bad Homburger Freimaurer jetzt zum Anlass genommen, um in eigener Sache zu forschen. Ihre Geschichte weist durchaus noch weiße Flecken auf – bereits die Nachfahren des schöngeistigen Landgrafen hatten ein Interesse daran, seine Verbindungen zur verfemten Freimaurerei zu vertuschen.

Warum er die Gründung der Loge ermöglichte und welche Wechselwirkungen dies mit Homburg hatte, werden Prof. Hans-Hermann Höhmann, Stadthistorikerin Gerta Walsh und Dr. Günter Wolf heute von 17 Uhr an bei einem Festvortrag in der Schlosskirche erläutern. Eintritt: 10, ermäßigt 7 Euro inklusive Imbiss. OB Alexander Hetjes (CDU) spricht ein Grußwort.

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