Frische Luft, nette Leute

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Zehn junge Leute aus Lijiang weilen derzeit in der Kurstadt – in den Augen des OB ein weiterer Schritt auf die chinesische Stadt zu.

Man meint, sie würden singen. Bei ihren einstudierten deutschen Sätzen haben die acht jungen Frauen und zwei Männer aus dem Fernen Osten noch die chinesische Tonmelodie drin. Dennoch staunt man: Die Studierenden des in Lijiang beheimateten Tourismus- und Kultur-College der Yunnan-Universität hatten erst 100 Stunden Deutsch-Unterricht – etwa ein halbes Jahr. Dafür können sie schon recht viel sagen.

Die 20- bis 22-Jährigen sind noch bis Ende Mai in Bad Homburg. Ihre Deutschlehrerin in China, Bea Hendrix, hatte über ein universitäres Online-Portal Kontakt zum parteilosen Homburger Stadtverordneten Rolf Berns geknüpft, der die freundschaftlichen Bande zwischen der Kurstadt und Lijiang initiiert hatte. Mit Hilfe der privaten Hochschule accadis in Ober-Eschbach kam der Besuch jetzt zustande; im September sollen dann accadis-Studierende nach Lijiang fliegen. Nach Austauschen auf musikalischer, politischer und pädagogischer Ebene wäre dies nun ein weiterer auf studentischer, freut sich China-Fan OB Michael Korwisi (Grüne).

Die Provinz Yunnan im Südwesten Chinas sei so groß wie Deutschland und die Niederlande zusammen, berichtete die Dozentin Bea Hendrix. Yunnan bedeute wörtlich „südlich der Wolken“, aber auch „weit weg“, was die ansässigen Chinesen auch auf die Ferne zur Hauptstadt Peking bezögen. Der Tourismus sei eine große Ressource – nicht zuletzt wegen der historischen Städte Dali und Lijiang. Vor ihrer Abreise nach Homburg habe sie mit der Verwaltung in Lijiang gesprochen und erfahren: „Lijiang würde so gern eine Städte-Partnerschaft mit Bad Homburg eingehen!“ Lehrerin als Botschafterin.

Das dürfte Korwisi und Berns gefreut haben; spielen die beiden Politiker doch schon seit ein paar Jahren mit diesem Gedanken, während die meisten anderen Politiker in der Stadt eine Stadt im Reich der Mitte – China-Hype hin oder her – für zu weit weg für eine Verschwisterung halten und menschenrechtlich für fragwürdig. accadis-Chefin Gerda Meinl-Kexl erklärte gleichwohl, dass das Interesse der deutschen Studierenden an Chinesisch in den letzten Jahren zugenommen habe und in der accadis-Grundschule ebenfalls gut nachgefragt werde.

Die zehn jungen Tourismus-Studierenden von der Yunnan-Uni jedenfalls scheinen ihre Zeit im Taunus zu genießen. Sie besuchen Vorlesungen bei accadis; Saalburg, Feldberg und den Homburger Kurpark haben sie schon gesehen und die Kur- und Kongreß-GmbH, Thomas Cook sowie eine Unternehmensberatung besucht.

„Die Luft ist frisch und ein bisschen kalt“, erzählt Studentin Susi von ihren Eindrücken von Bad Homburg. Wang spricht von den vielen Bäumen, die „für unsere Gesundheit gut“ sind. Chen ist aufgefallen, dass „die Straßen sehr sauber, ruhig und sicher“ sind. Zhou findet Weißwein lecker. Die Leute seien nett hier, sagen Chen und Gu, und beide Frauen geben unumwunden zu, gern einen Mann kennenlernen zu wollen. „Hier kann man bestimmt romantisch Hochzeit feiern.“

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