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Frischzellenkur für das Kirdorfer Feld

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Von: Florian Neuroth

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Das Kirdorfer Feld ist ein besonderer Schatz - ökologisch und optisch. Damit beides so bleibt, ist viel Arbeit nötig. Einen Großteil übernimmt die IKF.
Das Kirdorfer Feld ist ein besonderer Schatz - ökologisch und optisch. Damit beides so bleibt, ist viel Arbeit nötig. Einen Großteil übernimmt die IKF. © Jochen Reichwein

Die eifrigen Mitglieder der Initiative Kirdorfer Feld (IKF) pflanzten in diesem Winter schon den 175. Obstbaum. Die Trockenheit der vergangenen Jahre hatte Löcher in den Bestand gerissen.

Kirdorf -Langsam dreht sich der stählerne Bohrer ins Erdreich. Stück für Stück arbeiten sich seine Windungen nach unten, bis die Spitze nach einiger Zeit, rund sechzig Zentimeter unterm Gras, letztlich zum Stillstand kommt. Diese Tiefe braucht es, um das junge Apfelbäumchen - den neusten Bewohner des Wiesengrundstücks am hinteren Ende des Usinger Wegs - fest im Boden zu verankern.

Die knapp zehn Männer und Frauen, die am Freitag ums Pflanzloch versammelt stehen, wissen das ganz genau. Schließlich ist es nicht der erste, sondern bereits der 175. Obstbaum, den die Mitglieder der Interessengemeinschaft Kirdorfer Feld (IKF) seit November im Naturschutzgebiet im Norden Kirdorfs neu gepflanzt haben. Das sind deutlich mehr als normalerweise. "Dieses Jahr war es besonders viel. Die 175 Bäume entsprechen immerhin fünf Prozent des gesamten Obstbaum-Bestands im Kirdorfer Feld", sagt der zweite Vorsitzende der IKF, Michael Korwisi.

Bestand ist überaltert

Dass in diesem Winter so viel gepflanzt wurde, hat seinen Grund. "Die Jahre 2018 bis 2020 waren aufgrund der Trockenheit extrem schlecht für die Bäume und führten zu einem deutlichen Alterungsschub im Kirdorfer Feld. Dabei ist der Bestand hier ohnehin überaltert, jährlich gehen viele alte Bäume ein oder werden bei Stürmen umgeworfen", erklärt Förster Hans-Jörg Sommer. Umso wichtiger seien Neupflanzungen, für die es jetzt, wo es wieder geregnet habe, beste Voraussetzungen gebe, meint der Funktionsbeamte Naturschutz von HessenForst.

So beauftragte das Forstamt die Interessengemeinschaft mit der Neuanpflanzung von insgesamt 60 Bäumen. "Hinzu kommen die Pflanzungen auf den Grundstücken unserer Mitglieder", erklärt Korwisi. Dort konnte auch deshalb mehr gepflanzt werden, weil der Energieversorger Mainova 30 Bäumchen gesponsert habe. "Das Ganze ist ja immer auch eine finanzielle Frage. Wobei die Stadt uns natürlich schon gut finanziert", sagt er in Richtung von Bürgermeister Oliver Jedynak (CDU), der anlässlich der 175. Pflanzung persönlich vorbeigekommen ist.

"Wir sind heilfroh, dass es die IKF gibt und fördern das sowohl ideell als auch finanziell sehr gerne", erklärt Jedynak. Die Aktivitäten der Interessengemeinschaft für den Erhalt der Streuobstwiesen verdienten allergrößte Anerkennung. "Das ist vorbildliche nachhaltige Arbeit für den Landschafts- und Naturschutz." Förster Sommer kann das nur bestätigen. "Das Gute an der IKF ist, dass auch die Folgenutzung gewährleistet wird und der Ertrag in Form von Apfelwein, Apfelsecco und anderen Produkten, die die Mitglieder herstellen, tatsächlich verwertet wird", so Sommer. Bis es so weit ist und Bäumchen Nummer 175 abgeerntet werden kann, wartet auf die IKF- freilich noch viel Arbeit.

Hoffen auf höhere Förderung

Baum 175 wird gut versorgt. Flugs werden zwei lange Pfosten am Rande des Pflanzlochs in den Boden geschlagen, dazwischen ein Drahtgeflecht als Wühlmausschutz gelegt, etwas Muttererde hinzugegeben und anschließend der Baum ins Pflanzloch gestellt und die Wurzel ins Drahtgeflecht eingeschlagen. Die "175" kommt aus der Baumschule von Leo Peselmann, der die Kirdorfer seit Jahren mit Jungbäumen beliefert, und ist ein Roter Berlepsch. Eine alte Apfelsorte, wie der IKF-Vorsitzender Fred Biedenkapp erklärt. "Wir pflanzen nur alte Obstbaumsorten. In Zeiten der Allergien ist das sehr wichtig. Der Vorteil ist, dass die alten Sorten von allen Menschen bedenkenlos gegessen werden können", erläutert er. Der Wurzelbereich wird ausgiebig mit 80 bis 100 Litern Wasser geschwemmt, um den Stamm wird ein Drahtgeflecht als Verbissschutz gegen Hasen, Rehe und Schafe gelegt und der Baum mit einem Kokosstrick an beiden Pfählen angebunden. Dann steht er - vorerst. Denn getan ist es damit noch nicht. Regelmäßiger Obstbaumschnitt, Wässern in den ersten Jahren und die Pflege der Baumscheibe - wer eine reiche Ernte einfahren will, muss einiges an Zeit und auch Geld investieren.

Dem Bürgermeister geben die Kirdorfer am Freitag daher auch ein konkretes Ansinnen mit auf den Weg. Korwisi: "Wir würden uns wünschen, dass es nach 25 Jahren eine leichte Erhöhung des Streuobstwiesenförderungsprogramms gibt. Ersatzteile und Reparaturkosten für die Geräte und Maschinen, Sprit und auch der Baum an sich - all das hat damals viel weniger gekostet."

IKF kämpft gegen Verbuschung

Der Verbuschung, Versteppung, Überalterung der Obstbaumbestände sowie der Zerstörung des Streuobstgebietes Kirdorfer Feld entgegentreten und den Erhalt dieser Jahrhunderte alten Kulturlandschaft sichern - das ist das Ziel der Interessengemeinschaft Kirdorf Feld (IKF). Dazu gehört auch, dass der Zusammenschluss von Grundstückseigentümern, Pächtern und interessierten Einzelpersonen sich um den Aufbau einer gemischten Altersstruktur der Obstbäume bemüht und regelmäßig am Nachpflanzen ist. Um die 900 neue Bäume hat der Verein seit seiner Gründung im Jahr 2006 gepflanzt, im Schnitt etwa 50-70 pro Jahr. In dieser Saison waren es seit November gar 175. Weitere Infos: www.kirdorfer-feld.de.

175 Bäume hat die IKF seit November im Kirdorfer Feld gepflanzt. Gut gelaunt zeigten sich Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak, IKF-Chef Fred Biedenkapp, Leo Peselmann und Förster Hans-Jörg Sommer.
175 Bäume hat die IKF seit November im Kirdorfer Feld gepflanzt. Gut gelaunt zeigten sich Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak, IKF-Chef Fred Biedenkapp, Leo Peselmann und Förster Hans-Jörg Sommer. © Florian Neuroth

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