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Für die neue Orgel werden alle Register gezogen

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Von: Matthias Pieren, Julian Dorn

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Modern: Wie auf dieser Foto-Montage soll die neue Orgel mal aussehen.
Modern: Wie auf dieser Foto-Montage soll die neue Orgel mal aussehen. © privat

Das altehrwürdige Pfeifen-Instrument in Sankt Marien wird für eine Million Euro saniert. Zwei Drittel der Summe schon beisammen. Für den Rest werden Pfarrei und Förderverein kreativ.

Orgelmusik spielt in Bad Homburg - aber natürlich auch anderswo - eine herausragende kulturelle sowie eine unverzichtbare kirchliche Rolle. Landrat Ulrich Krebs (CDU) erwähnt in diesem Zusammenhang natürlich als erstes das renommierte Bad Homburger Orgelfestival Fugato, während der katholische Pfarrer Werner Meuer die sogenannte „pastorale“ Bedeutung von Orgeln für Gottesdienste hervorhebt.

Nun ist es keinesfalls so, dass der Landrat nur in weltlichen Kategorien denkt und der Pfarrer von St. Marien Bad Homburg und Friedrichsdorf nur die theologische oder gemeindliche Perspektive einnimmt. Zumal der Landrat, was weniger bekannt sein dürfte, auch Mitglied des Verwaltungsrats St. Marien und Vorsitzender des so genannten Orgelausschusses ist. Dort engagiert sich Krebs ehrenamtlich für die Belange der katholischen Pfarrei.

Gemeinsam mit Michaela Walter als Vorsitzender des Ortsausschusses von St. Marien in Bad Homburg und dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates von St. Marien, Dr. Claus-Michael Denk, haben Meuer und Krebs nun eine besondere Herzensangelegenheit vorgestellt „Bei der großen Renovierung 2016/2017 wurde die Orgel mit einer Schutzhülle umgeben“, erinnert Meurer. „Damals entschied sich die Pfarrei, die Orgelsanierung bis nach der Beendigung der Innenrenovierung zurückzustellen. Nun ist es so weit.“ Viele Menschen in der Kurstadt warten seither gespannt auf den Startschuss für das große Projekt. Immerhin fand vor 47 Jahren die letzte Generalüberholung statt. „Nun steht die große Orgelsanierung an, die uns rund eine Million Euro kosten wird“, teilt der Verwaltungsrats-Vorsitzende Dr. Claus-Michael Denk mit. „Für uns ist das eine große Herausforderung.“

Durch zweckgebundene Spenden, Zusagen von Gebietskörperschaften, dem Bistum in Limburg, dem Förderverein St. Marien und zahlreichen Einzelspenden habe man bislang etwa Zwei Drittel der Finanzierung gesichert. Der Förderverein St. Marien will nun Patenschaften für Orgelpfeifen oder Registerteile anbieten sowie eine Kerzenverkaufsaktion zugunsten der Orgelsanierung. Die Pfarrei wird die geplante Sanierung auf einer Schautafel im hinteren Teil der Kirche vorstellen.

Klänge erfreuen nicht nur Gläubige

„Dass die Sanierung notwendig ist, daran besteht kein Zweifel“, so die Verantwortlichen. Trotz guter Pflege und regelmäßiger Wartung lassen sich mittlerweile manche Orgelpfeifen nicht mehr stimmen. Und nicht nur das: Das gesamte Orgelbauwerk, sämtliche Trakturteile, die Windläden, die Elektrik und die Transmissionsschaltungen müssen modernisiert werden. Auch optisch wird sich einiges ändern: Die neuen Orgelpfeifen der sanierten Orgel werden - statt wie bisher in einem Kasten eingebaut - nun wie frei schwebend an der Seitenwand vor dem Rosettenfenster aufgehängt sein. Das sogenannte Orgel-Prospekt wirkt dann modern und leicht, fast schon schwebend. Klanglich soll sich die Klais-Orgel wieder an das romantisch geprägte Instrument von 1906 anlehnen.

Ein Hingucker soll sie werden, nicht nur für religiöse Menschen. Kirchen sind allgemein und insbesondere auch die Pfarrkirche St. Marien ein Ort der Begegnung - natürlich für die Gottesdienstbesucher und Mitglieder der Gemeinde. Sehr wohl aber auch für kirchenferne Menschen, die sich den Genuss der Orgelkonzerte in St. Marien nicht entgehen lassen wollen.

Michaela Walter vom Ortsausschuss freut sich, dass die Orgelmusik in St. Marien bis weit in die Stadtgesellschaft hinein klingt und viele Freunde gefunden hat. „Es ist schön, dass unsere Kirche immer geöffnet ist für Besucher. Ganz unterschiedliche Menschen aus der Stadt nutzen den offenen Kirchenraum für Stille und Andacht“, sagt sie. Oder sie kommen zum Orgelkonzert.

Das Pfeifeninstrument erklingt jährlich bei rund 380 Gottesdiensten. Pfarrer Meuer sieht aber auch oft, dass „seine“ Pfarrkirche St. Marien neben der eigentlichen Bestimmung gerade auch eine Anziehung auf Menschen ausübe, die keine klassischen Kirchgänger sind. „Es sind immer auch Touristen und Ortsfremde auf der städtischen Kulturmeile der Dorotheenstraße unterwegs. Wenn aus der Kirche Orgelklang nach draußen dringt, werden sie neugierig, drücken die Türklinke herunter und sind sehr berührt, wenn sie drinnen der Musik lauschen können“, schildert der Pfarrer.

Erst neun Jahre nach der Einweihung des Gotteshauses erklang erstmals festliche Orgelmusik im November 1906 in St. Marien. So alt ist die Klais-Orgel mittlerweile. Die Geschichte der Orgeln in der katholischen St.-Marien-Kirche ist geprägt von der 1882 gegründeten Orgelbauerfamilie Klais aus Bonn. Drei Generationen schufen und warteten die Instrumente in der neogotischen Kirche in der Dorotheenstraße. Wie in der benachbarten Erlöserkirche machte man sich in St. Marien im Zuge der „Orgelbewegung“ Gedanken, wie man aus dem rein romantischen Instrument einen Klangkörper schaffen könne, der auch dem Klangideal barocker Werke entspräche. Auch hier wurde der Weg des teilweisen Umbaus beschritten, den der Sohn des Erbauers, Hans Klais, im Jahre 1938 durchführte. Das hochwertige Material, das von Johannes Klais beim Bau der Orgel verwendet worden war, konnte über viele Jahrzehnte der starken Beanspruchung standhalten. Doch das pneumatische System war 1972 in einem Zustand, der eine dringende Renovierung oder einen Neubau unumgänglich machte. Man entschied sich für den Neubau, der vom Enkel des ersten Erbauers der St.-Marien-Orgel, Hans Gerd Klais, ausgeführt wurde. Wegen der Statik fand die neue Orgel nicht mehr auf der Orgelempore ihren Platz, sondern im linken Seitenschiff. Am 17. August 1975 konnte das neue Instrument - aus dem alten Material - mit nunmehr 2468 Pfeifen in 35 Registern auf drei Manualen und Pedal eingeweiht werden.

Nun, fast 50 Jahre später, wird das in die Jahre gekommene, kirchenmusikalische und kulturelle Herz der Bad Homburger Orgellandschaft wieder auf Vordermann gebracht. Auch dabei wird die Familie Klais mit ihrer inzwischen weltweit führenden Orgelbauwerkstatt das Heft in der Hand haben. Wann der Klang der sanierten Orgel dann die Kirche erfüllen wird, ist noch unklar. Doch schon jetzt, so scheint es, werden für die Sanierung alle Register gezogen.

Spenden für die neue Orgel...

...auf das Konto der Pfarrei bei der Taunus Sparkasse (IBAN: DE37 5125 0000 0001 0058 47 / SWIFT-BIC: HELADEF1TSK).

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