Fulminant und fingerfertig

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Catherine Gordeladze, als Meisterpianistin in die Reihe der Schlosskonzerte geladen, spielte am Freitag mehr und weniger bekannte Werke aus zwei Jahrhunderten.

Claire Huangci sollte die Pianistin des Abends sein, musste jedoch ihren Auftritt absagen. Diesem Umstand war es zu verdanken, dass Catherine Gordeladze, gebürtige Georgierin, den Besuchern des Konzerts einen fulminanten Abend bot, reich an unterschiedlichen Eindrücken. Aus ihrer neuen CD „American Rhapsody“, mit dem Global Music Award der USA ausgezeichnet, spielte sie vom amerikanischen Pianisten und Komponisten Louis Moreau Gottschalk (1829-1869) vier Stücke unterschiedlichen Charakters.

Caprice élégant op. 9, eine Reminiszenz an Eleganz – sowohl die Komposition als auch die unnachahmliche Leichtigkeit der Interpretation – führt fast bildhaft durch „Le Songe d’une nuit d’été“, den Traum einer Sommernacht, wie der Komponist seine Musik auch nannte. Auch die Caprice op. 45 „Suis Moi!“ – Sei mein! – wurde sehr überzeugend interpretiert. Da stellte Gottschalk eindrucksvoll, charmant, leicht melancholisch und auch etwas schräg, am Ende sich selbst musikalisch vor.

Die Pianistin spielte mit unglaublicher Fingerfertigkeit und sehr variablem Anschlag. Die Begeisterung der Zuhörer galt ebenso der folgenden romantisch gefühlvollen Ballade Nr. 6 op. 85 wie den temperamentvollen Erinnerungen an Andalusien „Souvenirs d’Andalousie“, Caprice de concert op. 22.

Sehr verbunden zeigte sich Gordeladze auch mit Frédéric Chopin (1810-1849). Für die beiden fein verhallenden Schlussakkorde der Berceuse Des-Dur op.57 ließ sie sich viel Zeit. Im Scherzo Nr. 2 b-Moll op.31, besonders temperamentvoll bewegt, konnte die Pianistin sich nach allen Regeln der Kunst austoben. Mit unnachahmlich perlenden Läufen und geschmeidigem Anschlag stellte sie ihre ganze Virtuosität vor und entfachte ein Feuerwerk, an dem der polnisch-französische Komponist seine Freude gehabt haben dürfte.

Die eingangs gespielten Sonaten in A-Dur und e-Moll von Joseph Haydn (1732-1809) waren technisch ebenso brillant geboten, manchem fehlte jedoch die Seele der Wiener Klassik etwas. Ganz eins fühlte sich die Pianistin, international bereits durch renommierte Preise geehrt, dagegen mit George Gershwin (1898-1937) und seiner Rhapsody in Blue. Die vom Broadway-Komponisten so komponierte Verbindung von Jazz mit konzertanter Sinfonik war in der Interpretation sehr überzeugend und mit aller Virtuosität dargeboten; ebenso, am Ende, der Tango von Albéniz und die Etüde „I got rhythm“.

(gai)

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