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Auf diesem Beet unterhalb des Königsflügels wird im Frühjahr ein aus Tulpen geformtes Hessenwappen erblühen.

Historie

Schlossgärtner wollen zurück in die Vergangenheit

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Zu Landgrafs Zeiten trieb das Wasser der Teiche im Schlosspark Mühlen an und lieferte Essbares. Heute haben das Gewässer und seine Umgebung vor allem einen ästhetischen Nutzen. Stück für Stück wollen die Schlossgärtner die Historie im Park wieder optisch näher holen.

Unbemerkt endete im Schlosspark eine Ära. Mehr als 100 Jahre bewirtschafteten Rolf Herzberger vom Forellengut und seine Vorfahren die dortigen Gewässer. Setzte Jungfische ein, schaute, dass die Tiere genug Sauerstoff hatten, und fischte die Bestände ab. Das Abfischen war sozusagen sein Ertrag, doch den bekam der Oberurseler Fischzuchtmeister in den vergangenen Jahren mehr und mehr entrissen, im wahrsten Sinne des Wortes. Von hungrigen Kormoranen.

35 Exemplare, schätzt Chef-Schlossgärtner Peter Vornholt, leben auf der Insel im Schlossteich. „Manche Äste sind ganz weiß vom Kot der Vögel.“ Jeder von ihnen frisst 800 Gramm Fisch pro Tag, sagt Herzberger. Nicht einmal mit dem Gewehr sei den Räubern, die Jahr für Jahr zwei Drittel des Fischbestands plündern, beizukommen. Deshalb hat der Zuchtmeister die Bewirtschaftung des Teiches nun aufgegeben. „Es lohnt sich nicht mehr“, sagt er. Zumal die trockenen Sommer verstärkt der Wasserqualität zusetzen und Herzberger mit Pumpen anrücken muss, um die Fische am Leben zu erhalten. Jedes Jahr habe er einen Tausender draufgelegt.

Trotz der Kormorane will die Schlösserverwaltung aber auf Fische nicht verzichten – sonst kommen Algen und Mücken. Herzberger soll nun einen kleinen Besatz Jungfische in den Teich setzen – bezahlt von der Verwaltung. „Wir wollen kein totes Gewässer“, erklärt Vornholt. Unter den Seerosen, die auf dem nördlichen Ende des Teichs wachsen, nahe der Brücke zum Inselgarten, könnten sie laichen. Alle vier bis fünf Jahre will Herzberger kommen und schauen, was die schwarzen Räuber übriggelassen haben.

Anspruchslose Karpfenart

Vor 150 Jahren gab es zwei Teiche im Schlosspark – damals war die Tenniswiese überflutet. Dieser „Karautschenteich“ sowie der „große Teich“ waren voller Fische; sie waren Einnahmequelle der damaligen Gartenverwaltung. An den Einsatz von Karauschen im Schlossteich denkt Vornholt heute wieder – die Karpfenart ist besonders anspruchslos und kommt auch mit wenig Sauerstoff klar.

Während sich all dies unbemerkt für die Schlossparkbesucher abspielt, planen Vornholt und seine Mitarbeiter aber auch kleine Veränderungen an Land. Seit einigen Jahren sind sie dabei, den Schlosspark wieder mehr den historischen Plänen anzugleichen. Dafür wurde bereits die Ulmenallee im oberen Schlosshof angepflanzt – eine solche hatte es auch zu Zeiten Kaiser Wilhelms II. dort gegeben –, alte Obstbaumsorten gesetzt, Buchsbaumlöwen und Pergolen platziert.

Peter Vornholt steht oberhalb des Schlossteiches. Der Chef-Schlossgärtner überlegt, wieder einen Weg hinunter anzulegen.

Jetzt hat Vornholt auf alten Plänen gesehen, dass es früher einen direkten Zugang vom Schlossgarten – dem Bereich um die Zedern – durch das Boskett zum Teich gab. „Dort unten gab es einen Bootsanleger“, erklärt der Schlossgärtner. Einen solchen braucht man heute nicht mehr; über eine neue Wegführung im Boskett – so heißt der stark mit Bäumen und Büschen bewachsene Abhang zwischen Schloss und Teich – wird nachgedacht. Hand anlegen werden die Schlossgärtner auch an der nördlichen Teichseite zum Inselgarten. Dort ist einer der Zuläufe für das Gewässer. Der gemauerte Bachlauf passt optisch nicht zur Brücke, die darüber führt und soll angepasst werden. „Der Brückenbogen wird von der Böschung eingenommen und verdeckt“, so Vornholt. Der Böschungshang soll zurückgenommen und mit Natursteinen abgefangen werden.

Froschkonzert

Zurück zur Tierwelt: Außer zaghaften Fisch-Neubeständen, die Herzberger erblickt hat, leben laut Vornholt hörbar eine Frösche-Kolonie sowie eine 30 Jahre alte Schildkröte im Schlossteich. An Land bestimmen Wildgänse nebst Enten das Bild. Nicht zu vergessen die beiden Schafe, die als Rasenmäher fungieren. Um das Bild noch bunter werden zu lassen, plant Vornholt die Einrichtung einer Voliere am Ufer mit farbenprächtigen, exotischen Vögeln – Pfauen oder Goldfasanen.

Oberhalb des Bosketts, neben den Buchsbaumlöwen, haben die Gärtner eine halbrunde Fläche mit 5000 Tulpenzwiebeln bepflanzt. Vornholt: „Hier wird im Frühjahr ein hessisches Wappen erblühen.“ Auch diese Idee hat er alten Plänen abgeschaut. Von den prächtigen Zedern wachsen Ableger heran, und für die nächsten Jahre sind noch die Anpflanzung einer Kirschenallee im Obstgarten sowie Ananas im Erdhaus neben der Orangerie geplant. „Wir graben nicht nur in der Erde, sondern auch in der Historie.“

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