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Eine rote, grüne, hellrote, gelbe und schwarze Wäscheklammer - symbolisch für die Parteien SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Linke, FDP und CDU.

Kommunalpolitik

Der große Taunus Parteien-Check in Smileys: Bad Homburg

Die Musterschüler Die Bad Homburger CDU schwimmt noch immer auf der Welle des Erfolgs. Erst der überraschende Sieg bei der OB-Wahl durch Alexander „Smiling-Alex“

Die hessische Kommunalwahl ist bereits über ein Jahr her. In den Taunuskommunen hatten sich die neuen Koalitionen damals schon im April gefunden. Und so manche Partei, die gerade noch in der Regierungsverantwortung war, fand sich plötzlich auf der harten Oppositionsbank wieder – und  umgekehrt. Wie gehen die Fraktionen mit der neuen Situation um ? Die TZ wirft einen nicht immer ganz ernst gemeinten Blick auf die Parteienlandschaft im Taunus ein Jahr nach der Kommunalwahl. Die jeweilige Stimmungslage der einzelnen Fraktionen haben wir versucht, mit Smileys einzufangen. Den Auftakt macht TZ-Redakteur Marc Kolbe mit dem streitbaren Bad Homburger Stadtparlament.

Die Bad Homburger CDU schwimmt noch immer auf der Welle des Erfolgs. Erst der überraschende Sieg bei der OB-Wahl durch Alexander „Smiling-Alex“ Hetjes, dann das Plus von knapp vier Prozent bei der Kommunalwahl – das sind ja Zustände wie zu Zeiten eines Bernd Hamer, Gott habe ihn selig.

Und dann sieht es auch noch danach aus, als würde die Wahl eines Bürgermeisters glatt über die Bühne gehen. Eine Disziplin, die die Union über Jahre hinweg nicht beherrscht hat. Meine Güte, was ist bloß aus der guten, alten und ach so zerstrittenen CDU geworden? Das neue Selbstbewusstsein der schlagkräftigen Fraktion soll mittlerweile auch schon OB Hetjes zu spüren bekommen haben. Einfach Ärmchen hoch und Ja sagen, das ist mit diesen Kraftmeiern nicht mehr so einfach möglich.

 

Die SPD . . . na ja, was will man sagen. Beim Urnengang vom vergangenen Jahr hat man mit 14,9 Prozent das Desaster von 2011 (14,6) nicht wirklich vergessen machen können. Aber schicken wir doch gleich mal was Positives hinterher: Die Sozialdemokraten sind noch immer in Regierungsverantwortung. Genau das aber nimmt ihnen die politische Konkurrenz – vorneweg die alten Bündnispartner – übel. Wendehälse lautet das Stich- beziehungsweise Schimpfwort. Gemecker über die vergangene Legislaturperiode, die man mitgestaltet hat, kommt tatsächlich nicht so gut.

Fast hat es den Eindruck, als habe die SPD ihre Rolle in der Koalition noch nicht vollends gefunden. Und jetzt hat noch Karl Heinz Krug, Bürgermeister und Lichtgestalt in Personalunion, seinen Rücktritt angekündigt. Böse Zungen behaupten ja, dass dabei Gattin und SPD-Chefin Elke Barth das Kommando geführt habe.

Der Sergeant – Geschichte. Der Fachmann in Baufragen – im Magistrat. Der Stadtrat – demnächst Geschichte. Ja, die Grünen haben schon deutlich bessere Zeiten in der Kurstadt durchlebt. So wie damals, als man das Undenkbare wahr gemacht hatte und mit Michael „Sergeant“ Korwisi (mittlerweile Rentner) den OB stellte und wenig später gemeinsam mit der SPD, der BLB und der NHU die Regierungskoalition bildete. Unglaubliche 23,6 Prozent hatten die Grünen seinerzeit eingefahren, 2016 schmolz das Ergebnis auf 11,4 Prozent.

Vom siebten Himmel in die Hölle – die Grünen wirken noch immer groggy, wie ein angeschlagener Boxer. Damit passen sie zumindest in den Bundestrend. Zudem steckt die Partei mitten in einem Umbruch: Nach Korwisi verabschiedet sich demnächst Stadtrat Dieter Kraft, und Bardo Röhrig sitzt ohnehin schon im Magistrat. Bleibt von der „alten“ Garde noch Fraktionschefin Daniela Kraft. Dem Nachwuchs – allen voran Alexander Unrath und Laura Burkart – fehlt es mitunter noch an Biss.

 

Nicht nur die CDU zählte zu den großen Gewinnern der Kommunalwahl 2016, auch die FDP räumte – ein wenig überraschend – ordentlich ab. 10,7 Prozent, ein Plus von 3,6 Prozent – da sah sich Fraktionschef Wolfgang Hof dazu berufen, seine Rentner-Gang zur führenden Oppositionspartei auszurufen.

Und diese Rolle füllen die Liberalen dank schwächelnder Grüner auch gut aus. Zuckerbrot und Peitsche lautet die vornehmliche Gangart, wobei Urgestein Hof natürlich derjenige ist, der die Peitsche bevorzugt. Spannend bleibt die Frage, wann die Bad Homburger FDP den vor gefühlten 15 Jahren angekündigten Generationenwechsel auch tatsächlich umsetzt.

 

Wären wir an der Schule und würden Noten und keine Smileys verteilen, die BLB bekäme in der Kopfnote „Fleiß“ eine glatte Eins. Keiner schreibt so eifrig Pressemitteilungen wie Fraktionschef Armin Johnert. Allerdings muss der Umtriebige endlich mit der Vergangenheit abschließen. Lieber Herr Johnert, die goldene Bündnis-Zeit ist vorüber – und um es mal mit Albert Einstein zu sagen: „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“ Immerhin: BLB steht nicht mehr für „B eate (Fleige) L iebt B eate“ – und das ist Johnerts Verdienst.

Die gute Nachricht lautet: Sie haben weder Hörner noch Pferdefüße, noch raucht Dampf aus ihren Nüstern. Das macht die AfD bei ihren Parlamentskollegen allerdings auch nicht beliebter. Nach holprigem Auftakt – man fühlte sich gleich zu Beginn von den blöden Etablierten ausgegrenzt (andere nennen es Politik) – blieb es erst mal weitgehend ruhig um die selbst ernannte Alternative.

Anstatt regelmäßig den Untergang des Abendlandes zu propagieren, diskutierte die AfD bei etlichen Themen ordentlich mit. Nur als es um das Thema „Gender“ ging, da mochten die Alternativen nicht mehr schweigen und verärgerten mit nur einem Redebeitrag sämtliche Frauen im Parlament. Insgesamter Eindruck: unauffällig.

 

Außerdem gibt es ja noch drei Einzelkämpfer im Stadtparlament. Der Rep ist von der ruhigen Sorte, wurde nur ein Mal auffällig, als er der AfD die Gefolgschaft verwehrte. Okan Karasu sorgt für die Linke immer mal wieder für gute Redebeiträge und Peter Braun von seiner „Peter für Bad Homburg“ kümmert sich wie immer mit Verve um die vermeintlich kleinen Themen.

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