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Auch die Kaiser-Friedrich-Promenade wird unter Ensembleschutz gestellt. Sie stellte als Übergang zum Kurpark eine äußerst qualitätsvolle Lösung des Städtebaus des 19. Jahrhunderts dar. Repräsentative Promenaden waren typisch für europäische Kurstädte dieser Zeit.

Denkmal

Hessen stellt das Homburger Kurviertel unter Ensembleschutz

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Das „Historische Kurviertel“ in Bad Homburg wird als Gesamtanlage in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen. Das hat das Landesamt für Denkmalpflege Hessen beschlossen. Der Bereich ist groß.

„Das Ziel des Ensembleschutzes ist es, die geschichtliche und künstlerische Aussage zu erhalten, die sich aus dem Zusammenhang und dem Zusammenwirken aller Teile eines Ensembles ergeben.“ Das sagt Dr. Markus Harzenetter, Vorsitzender der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in Deutschland in „Monumente“, dem Magazin für Denkmalkultur in Deutschland. Beispiele dafür gibt’s in dem Beitrag auch viele, zum Beispiel die Lübecker Altstadt, das nordhessische Bad Karlshafen, die Altstadt von Regensburg. Und nun auch das historische Kurviertel Bad Homburgs. Denn die Gesamtanlage wurde in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen. Der Bereich erstreckt sich über die Kaiser-Friedrich-Promenade, Louisenstraße, Schöne Aussicht, Ludwigstraße, Thomasstraße, Kisseleffstraße, Ferdinandstraße, Friedrichstraße, Georg-Speyer-Straße und Wilhelm-Meister-Straße.

Den Kern der Anlage bildet die Louisenstraße. Obwohl in der Nachkriegszeit teilweise in die gewachsene Struktur des Straßenraums und einzelne Gebäude eingegriffen wurde, zeigt sie insgesamt noch das historische Bild und in weiten Teilen eine geschlossene spätklassizistische Bebauung.

Die Denkmalpfleger kommen zu dem Schluss, dass die Architektur der Kaiser-Friedrich-Promenade bis heute in weiten Teilen von den seit den 1840er Jahren errichteten Wohn- und Pensionshäusern bestimmt ist und ihr trotz Veränderungen den für Kurstädte typischen Charakter verleiht. Trotz späterer Eingriffe wie dem 1968 bis 1970 errichteten Hotelturm „Ambassador“ (heute Wicker-Klinik) zeige gerade die Südseite der Promenade ein weitgehend geschlossenes Ensemble der für Kurstädte so charakteristischen Pensionsvillen.

Die Schöne Aussicht schließt das historische Kurviertel nach Süden hin ab. Der Name der Straße war früher Programm: Von hier aus konnten die Bewohner ein Panorama in Richtung Frankfurt genießen. Daher wurde die Straße mit Villen und freistehenden Mehrfamilienhäusern besetzt.

Die Ludwigstraße wurde durch massive Eingriffe in die gewachsene Substanz beschädigt, vor allem durch den Seitenbau des „Ambassador“, bedauern die Fachleute. Trotzdem zeige sie auf ihrer Ostseite noch in Teilen die für die Kurstadt typische Bebauung sowohl des späten Klassizismus wie auch der Belle Epoque. Die Kisseleffstraße weist eine weitgehend geschlossene Blockrandbebauung mit Gebäuden aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf, es existieren aber auch einige Bauten der 1840er Jahre. Allein das Gebäude Kisseleffstraße 15 mit Restaurant beeinträchtige das Gesamtbild, so die Experten. Die Ferdinandstraße bildet eine wichtige Verbindungsachse zum Kurpark und weist besonders nördlich der Louisenstraße ein weitgehend geschlossenes Bild auf, das einen Eindruck von städtebaulicher Qualität des Kurviertels vermittelt, heißt es in dem Gutachten.

Insgesamt, so das Landesamt für Denkmalpflege, weise das historische Kurviertel „trotz stellenweise erheblicher Eingriffe in die Substanz genügend historische Bausubstanz und charakteristische, authentische Straßen- und Platzbilder des 19. Jahrhunderts“ auf, um als Gesamtanlage ausgewiesen zu werden.

„Für Bad Homburg als Kurstadt ist das eine Auszeichnung“, sagt Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) und fügt hinzu: „Nicht viele Städte haben so einen reichen historischen Schatz an Einzeldenkmälern und Gesamtanlagen wie Bad Homburg. Mit diesem Pfund können wir wuchern.“

In Bad Homburg gibt es damit nun 15 als Gesamtanlagen geschützte Bereiche. Das Historische Kurviertel wird aber nicht nur gesamt ausgewiesen, sondern es sind in diesem Gebiet weitere Einzelkulturdenkmäler erfasst worden. Besonders in der Georg-Speyer-Straße. Die Mehrfamilienhäuser dort zeigen in ihrer Schlichtheit den Charakter der Mietshäuser der 1930er-Jahre. Ausgenommen von der Gesamtanlage ist das Areal des Kurhauses und auch der Bereich rund ums Rathaus.

Bei einer Gesamtanlage sind die Straßenzüge und alle Baulichkeiten innerhalb des Bereichs geschützt. Das heißt, auch Eigentümer, deren Bauten nicht als Einzelkulturdenkmal eingetragen sind, müssen sich bei Veränderungen oder Instandsetzungsmaßnahmen nun mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abstimmen und eine denkmalrechtliche Genehmigung einholen. Insgesamt sind in Bad Homburg etwa 500 Einzelkulturdenkmäler eingetragen. Einsehbar sind sie unter denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/.

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