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Prozess wegen fahrlässiger Körperverletzung

Prozess: Autofahrerin übersieht Radfahrer und bricht ihm dadurch mehrere Halswirbel

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Es war zwar unstrittig, dass die 68 Jahre alte Autofahrerin beim Abbiegen einen Radfahrer übersah und mit ihrem Auto erfasste. Aber vom Gericht dafür 6000 Euro Geldstrafe und ein zweimonatiges Fahrverbot aufgedrückt zu bekommen, behagte ihr ganz und gar nicht.

Bad Camberg - Wegen fahrlässiger Körperverletzung musste sich eine 68 Jahre alte Autofahrerin aus Schmitten vor dem Amtsgericht in Bad Homburg verantworten. Die Angeklagte hatte am 15. Januar vergangenen Jahres, gegen 19 Uhr, bei ihrer Fahrt von Bad Homburg in Richtung Oberursel beim Abbiegen auf die Autobahn einen am rechten Straßenrand fahrenden 43 Jahre alten Mountainbiker übersehen und angefahren.

Der Radler kam dadurch zu Fall und war dabei mit dem Kopf so heftig gegen die Fahrzeugseite und den Boden geschlagen, dass er sich mehrere Halswirbel brach. Vermutlich hatte ihn sein Schutzhelm vor Schlimmerem bewahrt. Dennoch: Zwölf Tage musste der Radfahrer im Krankenhaus und mehrere Wochen in der Reha verbringen. Arbeitsunfähig war er bis Anfang April. Und auch jetzt verspürt er laut seiner Schilderung noch die Auswirkungen des Unfalls.

Autofahrerin legt Einspruch gegen das Urteil ein

Die Autofahrerin war seinerzeit vom Gericht zu einer Geldstrafe in Höhe von 6000 Euro verurteilt worden. Außerdem gab es noch ein zweimonatiges Fahrverbot. Dagegen hatte sie Einspruch eingelegt, wodurch es nun zur Verhandlung kam. Die Strafe sei zu hoch, und außerdem habe der Radler eine gewisse Mitschuld, trug der Verteidiger zu Beginn der Verhandlung vor. Dieser Schuldvorwurf wurde im Verlaufe der Verhandlung aber nicht mehr aufrecht erhalten, auch wenn die Angeklagte erklärte, wie sich die Sache aus ihrer Sicht zugetragen hatte: Es sei ein dunkler, regnerische und stürmischer Abend gewesen, erzählte die Angeklagte.

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Der Radler war zur gleichen Zeit von seiner Arbeitsstelle auf dem Heimweg nach Oberursel. Die Beleuchtung an seinem Sportrad war intakt. Dass ihn die Autofahrerin damals übersehen hatte, lag möglicherweise mit daran, dass er eine dunkle Bekleidung trug. „Ich habe ihn nicht gesehen“, versicherte die Angeklagte glaubhaft. Das könne jedem mal passieren, seine Mandantin sei bisher über 40 Jahre unfallfrei gewesen, argumentierte der Verteidiger. Auch das wurde im Gericht nicht bestritten. Dass der schwer verletze Radfahrer nach dem Unfall keinen Strafantrag stellte, ist übrigens unwesentlich. In solch schwerwiegenden Fällen wird ein Verfahren von Amts wegen eingeleitet.

Geschädigte hat 11.500 Euro von der Unfallverursacherin bekommen

Inzwischen hat der Geschädigte von der Versicherung der Autofahrerin eine Abfindung von 11 500 Euro erhalten. Darin sind Schmerzensgeld (10 000) Euro und ein Sachschaden von 1500 eingerechnet. Weiter Forderungen bestehen nicht. Auf Anregung des Verteidigers wurde mit Zustimmung des Anklagevertreters das Verfahren vorläufig eingestellt, jedoch unter der Auflage, dass die Angeklagte 1000 Euro an das „Deutsche Kinderhilfswerk“ überweist. Nach Eingang des Geldes erfolgt die endgültige Einstellung.

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