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Nachrichten von Unbekannten sollten gleich gelöscht werden.

Vorauszahlungsbetrug

Betrüger im Hochtaunuskreis melden sich mittlerweile auch per SMS

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Seit vielen Jahren verschicken Betrüger weltweit Briefe, Faxe und E-Mails, in denen den Empfängern große Summen versprochen werden, wenn sie afrikanischen Geschäftsleuten behilflich seien. Vorauszahlungsbetrug heißt diese Masche, die auch als Masche der „Nigeria-Connection“ eher berüchtigt als berühmt geworden ist. Die Verbrecher sitzen längst nicht mehr nur in Afrika. Und nutzen mittlerweile auch ganz andere Kanäle.

Mal ist es ein wichtiges Hilfsprojekt, mal taucht ein völlig unbekannter Onkel auf, der einem angeblich Millionen hinterlassen haben soll, mal geht es darum, Geschäftsleuten dabei zu helfen, große Summen zu transferieren. Eines haben diese Nachrichten alle gemeinsam: Es geht immer um viel Geld. Und immer braucht jemand Hilfe von einer zuverlässigen Person – die eben der Adressat sein soll. Klingt bekannt? Ist auch seit Jahren eine Masche, die Betrüger anwenden, um an Geld zu kommen. Und immer wieder fallen Menschen auf die unter dem Namen „Nigeria-Connection“ – anfangs operierten die Betrüger von Afrika aus – bekannt gewordenen Gauner herein.

Afrika schon lange nicht mehr das einzige Land, aus dem die Betrüger operieren – Nachrichten kommen auch aus Estland

Afrika ist schon lange nicht mehr das einzige Land, von dem aus die Betrüger operieren. Der Friedrichsdorfer Eckard Zielke, Leser dieser Zeitung, hat neulich Nachricht von einer 00372-Vorwahl bekommen – und das ist die Vorwahl für Estland. Die Gauner schrieben auf Englisch, sie arbeiteten angeblich für eine Bank und weil er, Zielke, doch angeblich millionenschwer sei, erwarte man eine Rückmeldung per E-Mail an die Adresse „fasn851@gmail.com“. „Mir war gleich klar, dass es sich hier um eine abgewandelte Betrugsmasche der ,Nigeria-Connection‘ handelt“, sagt Zielke. Allein, was ihn verwunderte, war der Kommunikationskanal, den die Betrüger gewählt hatten. Die Nachricht kam nämlich per SMS an sein Handy. Und wie die Betrüger an diese Nummer gekommen seien, sei ihm schleierhaft.

Polizei erklärt: So gelangen Handynummern und E-Mail-Adressen in die Hände der Betrüger

Polizeisprecher Kriminalhauptkommissar Volker Hammann erklärte auf Anfrage dieser Zeitung: „Viele Leute geben Ihre Kontaktdaten wie E-Mail-Adresse oder Handynummer preis, beispielsweise wenn sie online etwas kaufen. Und so können diese Daten dann eben auch in die Hände von Gaunern gelangen.“

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Dass Betrüger jetzt allerdings per SMS unterwegs seien, sei ungewöhnlich. „Normalerweise wählen sie die kostenfreie Kontaktart – per E-Mail. Eine SMS zu versenden kostet ja in der Regel Geld, das wäre aus Sicht der Gauner also ein hoher Unkostenfaktor.“ Er rät in jedem Fall, wozu er auch bei Kontaktaufnahme per E-Mail oder Brief rät: „Einfach nicht darauf reagieren.“

Polizei rät, nicht auf die SMS oder E-Mails der Betrüger zu reagieren

Das sieht auch der Leiter des Betrugskommissariats der Polizeidirektion Bad Homburg, Erster Kriminalhauptkommissar Volker Erle, so. Er sagt: „Diese Art der Kontaktaufnahme wurde bisher hier nicht angezeigt. Man sollte derartige SMS, Faxe und E-Mails löschen.“ Eckard Zielke war das nicht genug. Er antwortete an die SMS-Nummer: „Here is the police“ – und wurde nicht mehr belästigt.

Polizeisprecher Hammann sagt dazu: „Den Betrügern geht es ja um Masse. Die verschicken Zehntausende solcher Nachrichten und wer nicht reagiert, fällt bei denen zum Glück aus dem Raster. Und vermutlich auch der, der wie Ihr Leser zu erkennen gibt, dass er weiß, dass es sich um eine Betrugsmasche handelt.“ Allerdings, sagt Hammann, „wissen wir ja nicht, ob die Antwort-SMS nicht über eine angekoppelte Bezahlfunktion läuft und unter Umständen hohe Kosten verursacht. Ich wäre da also vorsichtig.“

Indes haben sich Unbekannte in Rüsselsheim 100.000 Euro von einem Rentner erschlichen. 

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