Bad Homburg

Hier gibt's jetzt ein Co-Working-Space

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Die Arbeitswelt verändert sich, da sind stetig neue Lösungen gefragt. Bad Homburg hat nun seine erste „Coworking-Area“, in der Unternehmer einen der rund 30 Plätze auf Zeit buchen können. Die offizielle Eröffnung ist im November, doch schon jetzt hat „Rocketplace“-Gründer Michael Dierstein größere Ziele.

Michael Diersteins Gleichung ist simpel: Wenn es etwas noch nicht gibt, was es eigentlich geben sollte, muss man es eben selbst machen. Und so wurde aus einer ehemaligen Tanzschule im Kirdorfer Gewerbegebiet Alte Sattelfabrik in den vergangenen Monaten mit dem „Rocketplace“ eine Coworking-Area – ein bei Kleinunternehmen und in den Metropolen bekannter Begriff für dessen Übersetzung ins Deutsche es allerdings ein paar Sätze braucht. Kurz gefasst geht es darum, dass sich Unternehmer, Start-Ups und Freiberufler , die am Computer arbeiten wollen (oder müssen) diese Arbeit nicht am Küchentisch sondern in einer Bürogemeinschaft verrichten, in die sie sich „auf Zeit“ einmieten, auf eine bestehende Infrastruktur zurückgreifen und sich bei Bedarf vernetzen, um einander auf dem kurzen Dienstweg zu helfen.

Michael Dierstein, der sich parallel zu seinem Job als Pilot eines Verkehrsfliegers bei einer großen Fluggesellschaft in den vergangenen Jahren ein zweites Standbein als Unternehmensberater aufgebaut hat, kennt das Konzept schon länger und nutzte es auch eifrig. „Allerdings gab es entsprechenden Angebote so gut wie nur in Frankfurt.“ Weil es zeitaufwendig ist, immer in die Großstadt zu pendeln, reifte in ihm der Plan, in der Nähe einfach selbst ein solches Angebot zu schaffen. „Den Bedarf gibt es im Frankfurter Umland auf jeden Fall“, ist er sich sicher. Und mit Angeboten in Eschborn und Königstein hat er in der Kurstadt keine Konkurrenz.

„Zumal ich den Kunden hier mehr bieten will als ,nur‘ einen Schreibtisch und Internetzugang“, erklärt der 37-Jährige sein Konzept. Wichtigstes Pfund, mit dem er wuchern will, ist Flexibilität. „Es gibt bei mir keine Mindestvertragslaufzeit oder Kündigungsfristen – und die Leute können 24 Stunden am Tag dank individuell programmierter Schlüssel ins Büro.“ Auch einen Konferenzraum für bis zu 30 Teilnehmer hält er bereit, der tage-, aber auch stundenweise gebucht werden kann. Dort will er mittelfristig auch Vortragsveranstaltungen oder Seminare anbieten. Und er bietet an, die Jungunternehmer zu coachen. „Außerdem konnte ich mir schon ein gewisses Netzwerk aufbauen, so dass ich dabei helfen kann, die Leute zusammenzubringen.“

Bei den Arbeitsplätzen können die Kunden aus drei Kategorien wählen. Es gibt einfache Arbeitsplätze, die nach Feierabend aufgeräumt zu hinterlassen sind, „wie man es etwa aus Uni-Bibliotheken kennt“. Wer nicht alles schleppen will, kann einen Platz mit abschließbarem Rollcontainer und Schließfach mieten. Und wer es ganz ungestört haben will, nimmt sich eines der drei kleinen Büros. Weil Dierstein aus eigener Erfahrung weiß, dass Gründer und Unternehmer in den seltensten Fällen eine geregelte Arbeitszeit haben, hat er für diese Zielgruppe außerdem noch zwei weitere Gimmicks integriert. „Ich habe eine Dusche einbauen lassen und es gibt in der Gemeinschaftsküche eine Wasser- und Kaffee-Flatrate.“

Die ersten Interessenten haben sich bereits informiert, die letzten Arbeiten im „Rocketplace“ laufen. Die offizielle Einweihung, zu der sich auch Homburgs OB angesagt hat, soll am Samstag, 3. November, von 16 Uhr an gemeinsam mit einem Tag der offenen Tür des benachbarten HG-Autozentrum gefeiert werden.

Die Infrastruktur steht den Kunden schon jetzt zur Verfügung. Mit dem Projekt in der Alten Sattelfabrik ist Dierstein übrigens noch nicht am Ziel. „Ich sehe es eher als Testlauf. Wenn es so funktioniert, wie ich es mir vorstelle wird es bald weitere Standorte im Frankfurter Umland geben – im Idealfall fünf innerhalb weniger Jahre. Der Homburger will damit eine Nische ausfüllen, die seiner Meinung nach längst hätte gefüllt sein müssen.

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