Kurdirektor Holger Reuter präsentierte die Historie der Homburger Kurhäuser. Wie es an dem zentralen Ort der Innenstadt weitergeht, soll ein Bürgerentscheid regeln, der parallel zur Bundestagswahl angesetzt werden soll.
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Kurdirektor Holger Reuter präsentierte die Historie der Homburger Kurhäuser. Wie es an dem zentralen Ort der Innenstadt weitergeht, soll ein Bürgerentscheid regeln, der parallel zur Bundestagswahl angesetzt werden soll.

Stadt und Kur reden mit Bürgern

Historische und moderne Fassade fürs Homburger Kurhaus?

Die Planungen für das große Bad Homburger Kurhaus-Projekt nehmen Fahrt auf. In Kürze sollen Wettbewerbe ausgeschrieben werden. Bei der Frage "Sanierung oder Neubau?" sollen die Bürger das letzte Wort haben.

Bad Homburg -Das Kurhaus entspricht nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Kongress- und Kulturzentrum und muss dringend grundsaniert oder neugebaut werden. Dies betonten Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) und Kurdirektor Holger Reuter auf der Bürgerinfo-Veranstaltung am Dienstagabend. Unter dem Motto "Die Zukunft des Kurhauses beginnt jetzt" hatten Stadt und Kur ins Kurhaus geladen. Etwa 90 Bürger besuchten die Veranstaltung, die aufgrund der Corona-Bestimmungen auf 120 Teilnehmer begrenzt war und per Live-Stream auch ins Netz übertragen wurde. Rund 200 Personen nutzten diese Möglichkeit.

Konkrete Baupläne waren freilich noch nicht zu sehen. Vielmehr gehe es darum zu erklären, warum Stadt und Kur- und Kongreß GmbH bestrebt seien, den Standort neu zu planen und über weitere Schritte zu informieren, sagte Hetjes. "Wir wollen ihre Eingaben mit- und ernstnehmen. Die Beteiligung der Bürgerschaft ist für uns ein wichtiges Thema." Und die soll auch das "letzte Wort" haben, ob saniert oder neu gebaut wird, Stichwort Bürgerentscheid. Dabei ging Hetjes auf die komplizierten Eigentümerverhältnisse ein. Eigentümer des Kurhauses sind nämlich nicht nur die Kur, sondern auch Maritim und die Taunus-Sparkasse. Das Grundstück gehört wiederum, abgesehen von dem Teil, auf dem die Taunus Sparkasse untergebracht ist, der Stadt. "Im Gegensatz zum U-Bahn-Ausbau sind wir nicht alleiniger Herr des Verfahrens. Aber das bekommen wir hin", zeigte sich der Rathauschef überzeugt. Angedacht sei, den Bürgerentscheid zeitgleich zur Bundestagswahl 2021 durchzuführen.

Das etwas getan werden muss, stand für den OB außer Frage. "Es gibt keine andere Wahl. Die Standards entsprechen nicht mehr dem, was gefordert wird. Nach 36 Jahren sind Ausstattung und Gebäudetechnik nicht mehr zeitgemäß. Es besteht ein erheblicher Sanierungsbedarf, eine Modernisierung ist notwendig", sagte Kurdirektor Reuter und verwies auf die ob seiner vielfältigen Nutzung hohe Bedeutung des Gebäudes. "Das Kurhaus der Zukunft soll nachhaltig sein und modernen Standards entsprechen", gab der Kurdirektor die Marschroute vor.

Zwei Ausarbeitungen je Architekturbüro

Anhand einer Zeitleiste erklärte er das weitere Vorgehen. Zwei parallel laufende Verfahren sollen "alle Möglichkeiten prüfen". Einerseits wird ein Gutachten die baulichen, technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten und Grenzen einer Sanierung erörtern. Vergangene Woche habe sich der Verwaltungsrat der Kur für einen Anbieter entschieden. Im Frühjahr/Sommer 2021 soll das Gutachten vorliegen. Andererseits führen Kur und Stadt einen Realisierungswettbewerb zwecks Neubau durch. Die Bekanntmachung erfolgt am Freitag, im Dezember sollen die Wettbewerbsunterlagen an die teilnehmenden Architekturbüros ausgegeben werden. Die Büros müssen zwei Entwürfe erarbeiten. Einmal mit historisierender Fassade zur Louisenstraße hin, der andere Entwurf kann mit einer modernen Fassade für den gesamten Neubau aufwarten.

Jury fungiert im Sommer als Preisgericht

Als Preisgericht wird eine Jury fungieren. Sie besteht aus stimmberechtigten Fach- und Sachpreisrichtern und vier bis fünf zufällig ausgelosten Bürgern, die eine beratende Funktion haben werden, und soll im Sommer 2021 eine Entscheidung treffen. Sanierungsgutachten und Realisierungswettbewerb sind mit Kosten von rund 2 Millionen Euro veranschlagt. "Wir investieren viel, da wir möglichst viele Optionen und am Ende eine solide Entscheidungsgrundlage haben wollen", erklärte Reuter und versprach eine hohe Transparenz. So werden sowohl Entwürfe als auch Wettbewerbsergebnisse öffentlich ausgestellt und auf www.kurhaus-bad-homburg.de können sich Interessierte fortlaufend informieren.

In der anschließenden Fragerunde - im Kurhaus und im Chat - gab es die Möglichkeit, OB und Kurdirektor auf den Zahn zu fühlen. So interessierte sich ein Herr dafür, ob es sinnvoll sei, dass jedes Büro zwei letztlich konkurrierende Entwürfe vorlegen muss. "Wir nehmen für das Verfahren viel Geld in die Hand, dafür dürfen wir dann auch etwas verlangen. Wem das zu viel Arbeit ist, der muss sich nicht bewerben", sagte Hetjes. Direkt verneinen konnte er die Frage, ob auch andere Standorte in Betracht gezogen würden. "Warum ist die Sanierungsfrage plötzlich so heiß?", wollte ein anderer Besucher wissen. Es sei in den vergangenen Jahren zwar auch investiert worden, "aber jetzt geht es um eine grundhafte Sanierung und keine Pflasterlösung", erklärte Reuter.

Wieder andere wollten wissen, welche konkreten Anforderungen an die Neubau-Entwürfe gestellt werden würden. Hotel, Kurtheater, Kongressräume, Bürgerhaus Mitte und Parkhaus müssten auf jeden Fall auch im neuen Kurhaus enthalten sein, antwortete Reuter. Mehrfach gestellt wurde die Frage nach den Kosten des Gesamtprojekts. "Wenn die Kur sich übernimmt, muss die Stadt einspringen und dann bleibt anderes liegen", sorgte sich ein Teilnehmer. Bei der Frage nach Kosten und Schmerzgrenzen wollten sich OB und Kurdirektor nicht aus der Reserve locken lassen. "Das werden wir im Sommer sehen, wenn die Ergebnisse da sind", sagte Hetjes und Reuter ergänzte: "Wir brauchen erst belastbare Informationen." VON florian neuroth

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